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(Anti)Kriegsfilm
Hotel Ruanda
geschrieben von Aleks_A am 02. Jan 2006
Family is all that matters?
Dass Fremdenhass keine Farbe kennt, wie die Dummheit und Borniertheit, erwähnte ich bereits. Der in diesem Film dargestellte Fall ist leider weniger lustig und viel blutiger als Mississippi Massala: Im Frühling 1994 massakrierten Hutus massenweise Tutsis in Ruanda. Ein Mensch zeigte jedoch Moral und Rückgrat, und basierend auf seinen Taten wurde dieser Film gemacht.
Hotel Ruanda GB, Südafrika, Italien, 2004
Veröffentlichung: 19.12.05
Regie: Terry George
mit: Don Cheadle, Sophie Okonedo, Joaquin Phoenix, Nick Nolte u.a.
"Nochmal"-Faktor: Mittel bis hoch. Engagierter und guter Film, der wegen des Themas und der guten Umsetzung einen Kloß im Halse bildet - sehr oft schaut man den Film entsprechend nicht an.
Unsere Wertung: 90%
FSK: ab 12
Laufzeit: ca. 118 Minuten
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch DD 5.1
Bildformat: 2,35:1 (16:9 anamorph)
Untertitel: Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Audiokommentar Terry George (Regie), Paul Rusesabagina (der Echte) und Wyclef Jean (von dem nur ein Paar Sätze, wie er den Song zum Abspann komponiert hat)
Featurette
Interviews mit Cast & Crew
Message for Peace: Making Hotel Ruanda
Dokumentation: Return to Hotel Ruanda
Selected Scenes mit Audiokommentar (Soweit ich es erkenne nur Kommentare von Don Cheadle)
Kinotrailer
Cast & Crew
Der Film
Paul Rusesabagina (Don Cheadle - "Traffic", "Picket Fences", "The Guard") ist ein erfolgreicher Hotelmanager - selber den Hutus zugehörig, hält er nicht viel von den rassistischen Parolen mancher seiner Stammesbrüder, hält sich einen Tutsi als bevorzugter Adjutant und ist verheiratet mit einer Tutsi. Doch die Zeichen der Zeit stehen auf Konfrontation. Im Radio werden kontinuierlich rassistische Sprüche gesendet, und trotz Friedensgesprächen und der UN-Präsenz gibt es klare Anzeichen dafür, dass die Hutus sich nicht an den Frieden halten werden.
Und - wie wir alle wissen - das Massaker startete mit extemer Brutalität. Mit Macheten wurde alles gemeuchelt, was Tutsi war. Und währenddessen schaute die Welt zu und unternahm nichts.
Dazwischen befindet sich Paul, dessen Hotel langsam aber sicher zum Fluchtpunkt von Tutsis UND Hutus wird - unter dem eher kläglichen Schutz der UN-Truppen (Kommandiert vom beschämten und machtlosen kanadischen Colonel Oliver - Nick Nolte, "Good Thief", "Herr der Gezeiten", "Tropic Thunder"), die ansonsten sich der ganzen Sache soweit wie möglich fern halten müssen. Paul wird es in den ca. 100 Tagen, in denen sein Hotel als Fluchtpunkt dient, mit Drinks, mit Korruption, mit Drohungen und vor allem mit einer enormen Portion Herz und Courage schaffen, dass keinem im Hotel ein Haar gekrümmt wird. Doch seine Oase des Friedens wird immer wieder belagert, Essen und Wasser gehen langsam aus und alle Kraft eines Menschen alleine reicht nur so weit - was wird denn aus Allen?
"You're not even a nigger - you're an african" - Ein Drehbuch, der solche selbstkritischen Worte im Munde eines UN-Kommandeurs setzt (und viele andere gute Sätze für alle parat hält), den kann man nur lieben. Parallelen zu "Schindler's Liste" stellen sich schnell ein, wenn auch der Film anders gefilmt ist als Spielbergs Anklage.
Die Schauspieler sind durch die Bank gut bis sehr gut. Allen voran Don Cheadle, der eine hervorragende Karriere bislang geliefert hat und von dem ich hoffe, dass wir weiterhin Gutes von ihm sehen werden. Wie er den Paul spielt, pointiert, ruhig, laut, traurig, bewegt - es ist eine Wonne. Ein hervorragender Schauspieler, der von weiteren herausragenden Schauspielern flankiert wird.
Der Film wird wenig von den Grausamkeiten an sich zeigen und es eher dem Zuschauer überlassen, die Bilder im Kopf zu erstellen (wie schon bei "Catpeople" sind dieser Bilder für die meisten unter uns Schrecken genug). Wer damals die Nachrichten gefolgt hat, wie auch die beschämende Nicht-Reaktion der internationalen Gemeinschaft, der hat eh genug Geschichten darüber parat, was den Tutsis und den moderaten Hutus angetan wurde.
Bild und Ton
Erwartungsgemäss sind Ton und Bild sehr gut und sauber, der Ton gefällt mit Surround-Effekten (z.B. bei Regenszenen, oder bei Schüssen, die man in der Ferne hört). Da ist man mittendrin. Wenn es mich auch störte, dass die Musik kontinuierlich spielen musste - so schien es mir zumindest. Etwas mehr Zurückhaltung bei der Musik hätte den Film sicher gut getan.
Die Kamera-Arbeit ist hervorragend und gefällt, weil sie sich zurückhält, dal man nicht den Eindruck hat, dass man einen Film sieht, aber auch nicht die verwackelte Kamera so manch anderer dokumentarisch wirkender Filme. Sie spinnt ein feines Garn, aus dem der Teppich der Geschichte erzählt wird und gibt dem Film die nötige Tiefe.
Die Extras
Nett aber nicht weltbewegend sind die Extras. Wir werden hier und dort Details zum Film und zur Geschichte erfahren.
Nur der Kommentar vom Regisseur Terry George und vom "echten" Paul Rusesabagina sticht positiv heraus. Wenn auch der Regisseur Paul immer wieder auffordern muss, Details zur wahren Geschichte hinter der Geschichte im Film Preis zu geben. Er schafft eben damit, dass richtig gestellt wird, was tatsächlich geschah. Schön, wenn ein Regisseur klar dazu steht, dass er die Wahrheit im Dienste einer gut erzählten Geschichte hier und dort "verbiegen" musste. Die DVD gewinnt dadurch und wir Maniacs entsprechend auch.
Fazit
Kein übermässig blutiger Film. Er hält sich dezent - vielleicht teilweise zu dezent - zurück in den Gewaltdarstellungen. Wenn auch die FSK-12-Bewertung meines Erachtens zu gut gemeint ist. Als 12-jährigen würden mich Albträume verfolgen, wenn ich diesen Film gesehen hätte. Andererseits hat so mancher 12-jähriger die charakterliche Stärke, diesen Film zu verstehen und nachzuvollziehen - Eltern haften für ihre Kinder, oder so.
Mich bewegte der Film zu Tränen, dabei bin ich gar nicht so "nah am Wasser" gebaut. Die Szenen sind gut aufgestellt, die Schauspieler rundum gut bis hervorragend, Kamera und Schnitt einfach nur gut - zur allzu präsenten Musik äusserte ich mich schon. Also sind Taschentücher angebracht.
Auf jeden Fall ist Hotel Ruanda kein Film, den man verpassen sollte - leihen oder kaufen, bevor wir vergessen, was für ein Monster der Mensch sein kann. Engagiert und gut, was will man mehr? (aks)
Die DVD wurde uns freundlicher Weise von Gambu.de zur Verfügung gestellt.