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Drama
25 Stunden
geschrieben von Aleks_A am 29. Jan 2004
Aktion - Reaktion
Während alle Welt sich im letzten Sommer vom zweiten Matrix-Teil enttäuschen ließ, lief in (wenigen) deutschen Kinos ein Juwel von einem Film. Vom (in der Qualität wechselhaften) Regisseur Spike Lee kam eine Liebes-/Hass-Erklärung an New York und seine Bevölkerung, verpackt in einen sogenannten Ensemble-Film. Nicht so lustig wie Steve Martins Liebeserklärung an L.A. ("L.A. Story"), aber genauso beeindruckend.
25 Stunden USA 2002
Veröffentlichung: 29.01.04
Regie: Spike Lee
mit: Edward Norton, Philip Seymour Hoffman, Barry Pepper, Anna Paquin, und Brian Cox u.a.
"Nochmal"-Faktor: mittel bis hoch. Verdammt guter Film, halbwegs interessante Extras
Unsere Wertung: 90%
FSK: ab 12
Laufzeit: 129 Min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch, Türkisch DD 5.1
Bildformat: 1:2,35 (16:9)
Untertitel: Englisch für Hörgeschädigte, Deutsch und Englisch, Franz., Ital., Span., Türk., Hebrä., Kroat., Slow.
Extras: Stars berichten über ihre Arbeit mit Spike Lee
New York nach dem 11. September
6 zusätzliche Szenen
Edward Norton ("Rounders", "Down in the Valley") spielt Monty, der in 24 Stunden für sieben Jahre ins Gefängnis muss (eine anscheinend bei nicht gewalttätigen Kriminellen übliche Prozedur). Er war ein mittelgroßer Dealer und wurde von der Polizei geschnappt. Irgendjemand hatte der Polizei einen Tipp gegeben und zwischen den vielen Verbschiedungen von Freunden, Familie und Geschäftspartner versucht er auch herauszufinden, wer ihn denn verraten hat. Seine Freundin? Sein Kumpel? Wer?
Doch das ist nur eines der Themen in diesem Film. Ein anderes ist Montys Beziehung zu New York und im Hintergrund auch das sogenannte "Ground Zero", der Platz, an dem die Twin Towers standen, die am 09. September 2001 von Terroristen zerstört wurden.
Ein weiteres, und wohl das entscheidende Thema sind die Konsequenzen unserer Entscheidungen. Die Entscheidungen Montys und die seiner Freunde. Frank (Barry Pepper: "Ripley under Ground") ist ein Broker an der Wall Street und hat gerade 100 Millionen USD im Riesenroulette Börse gesetzt, in der wackeligen Hoffnung, dass die Arbeitslosenzahlen sinken. Wenn er verliert, wird er wohl gekündigt, wenn er gewinnt, ist er ein Held. Jacob (Philip Seymour Hoffman) wiederum ist Lehrer an der High School und gewaltig von seiner Schülerin Mary (Anna Paquin) angetan, die wiederum gerne mit den Männern spielt und für eine gute Note wahrscheinlich alles tun würde. Ob Jacob seine Hände von ihr lassen wird, werden wir schon erfahren. Entscheidungen, Entscheidungen, Entscheidungen.
Was für ein Film! Edward Norton ("Glauben ist alles") spielt seine Tour de Force gekonnt, hervorragend, zurückhaltend. Seine Schauspielerkollegen stehen dem in nichts nach, allen voran Philip Seymour Hoffman. Hätte der Film nicht von Haus aus ein gutes Drehbuch und eine gute Regie, so würden die Schauspieler den Film trotzdem tragen können. Doch weil alles hier stimmt, können sie problemlos aufblühen und entsprechend hervorragende Arbeit leisten.
Dies ist ein ruhiger kontemplativer Film, der es aber faustdick hinter den Ohren hat. Kein Film, um das Hirn auszuschalten und kein Film, der unbedingt Spaß macht. Denn jeder von uns wird sich in größerem oder kleinerem Maße in den Personen wiederfinden, die dargestellt werden. Jeder von uns wird mit-leiden, jeder von uns wird am Ende des Filmes über die Konsequenzen seiner Aktionen denken. Letztendlich ist das DAS Hauptthema dieses Filmes. Und auch "Ground Zero" gehört in gewisser Weise dazu.
Spike Lee schafft mit dem Film wieder den Sprung in die Riege des Regisseure, die man im Auge behalten muss. Waren seine letzten "Joints" (er nennt immer seine Filme "A Spike Lee Joint") eher mittelmäßig bis uninteressant (wobei ich "Summer Of Sam" nicht gesehen habe), so ist dies ein gewaltiger Film. Ein in gewisser Weise schöner Film, ein rundum empfehlenswerter Film.
"Und die Extras?" höre ich euch fragen. "Da bin ich mir nicht so sicher" antworte ich zurück. Die Kommentare von Drehbuchautor und Regisseur sind ruhig, informativ, subjektiv, lassen sich Zeit und geben uns Zeit, den Film zwischen den Kommentaren zu genießen. Empfehlenswert.
Das Special, in dem wir etwas mehr über Spike Lee und seine Arbeitsweise und Lebensgeschichte erfahren, ist nicht uninteressant, jedoch sehr oberflächlich und daruf gezielt, Werbung für diesen Film zu machen.
Die zusätzlichen Szenen sind leider unkommentiert und entsprechend wissen wir mal wieder nicht, wieso sie nicht im Endprodukt zu sehen sind. Ansatzweise interessant.
Die Szenen von "Ground Zero" sind unkommentiertes Rohmaterial. Das muss jeder entscheiden, wie interessant es für ihn/sie ist.
Doch ich brauche keine Extras. Dieser Film ist als Film interessant und sehenswert, die Kommentare auch. Mehr brauche ich diesmal wirklich nicht, um ihn zum Kauf zu empfehlen. Verpasst nicht ein großes Stück modernes Kino. verpasst nicht 25 Stunden von Spike Lee. (aks)
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