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Komödie
 Mord im Pfarrhaus
geschrieben von klaus_h am 09. Nov 2006

Keeping Mum

Mord im Pfarrhaus-Cover Was eine neue Haushälterin so alles bewirken kann, wissen wir nicht erst seit "Mrs. Doubtfire" oder "Mary Poppins". Wie die resolute, großmütterliche Grace (Maggie Smith, "Harry Potter und der Feuerkelch", "Gosford Park") allerdings den verkorksten Haushalt des stoffeligen Landpfarrers Walter Goodfellow (Rowan Atkinson, "Mr. Bean", "Johnny English") ohne jeden Skrupel gewaltsam zurecht rückt, ist eine sehr englische und schwarze Komödie.

Mord im Pfarrhaus
USA - 2005
Veröffentlichung: 02.11.06
Regie: Mord im Pfarrhaus
Darsteller: Rowan Atkinson, Kristin Scott Thomas, Maggie Smith, Patrick Swayze, Tasmin Egerton, Emilia Fox u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 94%
FSK: ab 6
Laufzeit: 99 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1/ DTS / Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 2,35:1
Untertitel: Deutsch
Extras: • Making of
• Gagreel
• Outtake "Walter steht im Tor"
• Deleted Scenes
• alternativer Anfang (insg. 52 min)
• Darstellerinfos (redundant zum Booklet, Kurzfilmografie)
Doch wie nahm alles seinen Anfang? Irgendwann in den 60er Jahren wurde eine sehr zarte, jugendliche und schwangere Grace (Emma Fox) auf einem ländlichen Bahnhof verhaftet. Aus ihrem monströsen Überseekoffer war eine riesige Blutlache hervorgesickert. Den geschockten Beamten erklärt sie geradeheraus, dass dies die zerstückelten Leichen ihres Mannes und seiner Geliebten seien. Diese hätten sich davonschleichen wollen. "Aber wie hätte ich es ihnen erlauben können. Ich musste etwas dagegen unternehmen." Folglich wird sie für Jahrzehnte in eine geschlossene Anstalt verwiesen.

Lance & Gloria beim Einlochen Ein typisch englisches Dorf in der Jetztzeit. Der Vikar Walter Goodfellow ist derart in seinem Beruf verstrickt, dass er die wahren Bedürfnisse seiner Frau und seiner Familie nicht mehr erkennt. Seine Frau Gloria (Kristin Scott Thomas, "Der englische Patient", "Vier Hochzeiten und ein Todesfall") leidet wegen des kläffenden Köters des Nachbarn an permanenten Schlafentzug und lässt sich lieber von ihrem amerikanischen Golflehrer Lance (Patrick Swayze, "Ghost", "11:14") das "Einlochen" erklären. Seine 17-jährige Tochter Holly ist eine Nymphomanin, bei deren Männerverschleiss keiner mehr den Überblick behält, während sein 13-jähriger Sohn Petey der Prügelknabe der Schule ist.

Doch dank Grace scheint sich einiges zum Besseren zu wenden. Allerdings nimmt sie es mit den 10 Geboten nicht allzu genau. Als erstes muss der kläffende Fiffi daran glauben und wird im algenverseuchten Hausteich versenkt. Aber wie das so immer im richtigen Leben und schwarzen Komödien ist: Arbeit zieht Arbeit nach sich. In jenem Punkt ist Grace jedoch nicht empfindlich - für die Familie würde sie alles wagen, schließlich ist es ihr Job.

Holly wird erwischt! Sogar für die Ausarbeitung der Konventspredigt Walters hat sie ein paar zündende Ideen und bringt Humor und Sex in das Leben der Goodfellows zurück. Wie sie Walter dazu bringt, selbst im Hohelied Samuels eindeutige Passagen zu entdecken, ist schon ein Kabinettstückchen für sich. Doch allmählich nervt der sexsüchtige Lance und auch Mrs. Parker (Liz Smith "Charlie und die Schokoladenfabrik"), die umtriebige Vorsitzende des Blumenschmuck-Komitees möchte Walter allzu sehr von Familie und Arbeit abhalten. Wäre da vielleicht noch Platz im Teich? Dass Grace so einige Geheimnisse in ihrem großen Koffer mit sich trägt und mehr als ein Motiv hat, dieser Familie zu "helfen", dürfte jedem einigermaßen beschlagenen Filmfan klar sein...

Dieser Film ist nach außen hin eine jener herrlich britischen Komödien, in denen alles gemacht und ausgesprochen wird, wofür man im richtigen Leben hinter Gittern kommen würde. Jeder von uns hat bestimmt einmal über einen störenden Nachbarn oder Kollegen gedacht, dass man ihn am liebsten unter die Erde wünsche. Hätten wir Grace, wären wir von der Plage befreit, die Gewissensbisse wären eine andere Sache. Aber die Vorstellung allein ist befreiend. Gerade deswegen funktionieren derartige schwarze Komödien, die sich nicht um "political correctness" kümmern.

Walter & Grace Witzigerweise handelte es sich jedoch ursprünglich um ein uramerikanisches Skript namens "Trunk" von Richard Russo ("Nobody's Fool"), das erst auf Bitten der Produzenten von Niall Johnson auf England umgetrimmt wurde. Folgerichtig mutierte der erst englische Golflehrer zum US-Boy "Lance". Johnson betraute man daraufhin auch mit der Regie, was angesichts des fertigen Produkts ein guter Kunstgriff war. All dies erfährt man im umfassenden "Making of", wie auch die Extras nur den Wunsch nach einem Audiokommentar des Regisseurs offen lassen.

Maggie Smith reizte offenbar an ihrer Rolle, dass sie zum ersten Mal in ihren Schauspielerleben jemanden darstellen durfte, der unbehelligt mordet. Atkinson, der zwar etliche Pfarrer (z.B. "Vier Hochzeiten und ein Todesfall") spielen konnte, aber kaum einen derart komplexen Charakter samt prägenden Wandel, verkörpert die ernsten Töne glaubhaft. Überhaupt ist die Besetzung bis hin in die Nebenrollen ein regelrechter Glücksgriff, die Pointen sitzen an den zündenden Stellen und selbst der unvermeidbare Gagreel verdient diesmal seinen Namen. Wenn Maggie Smith dem bereits am Boden liegenden Swayze immer noch das Bügeleisen über den Schädel hauen möchte, raunt er nur noch "Lassen sie es gut sein, ich bin schon tot"... Walters großer Auftritt auf dem Konvent

Allerdings sind es hier im Gegensatz zur Promotion und der Coverpräsentation in erster Linie die Damen, die die entscheidenen Rollen im Film haben, wenn auch Atkinson unverzichtbar bleibt. Egal - für die Produktion wird es bei der Heranschaffung der finanziellen Mittel hilfreich gewesen sein. Eine DVD, die für alle Freunde schwarzer Komödien dank der guten Dialoge und detailreichen Ausstattung sicherlich unverzichtbar ist. (kh)

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Von Kommentare
stephan
Filmlexikon


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Mitglied seit: Sep 29, 2003 Artikel: 728
Geschrieben am:09. Nov 2006 - 09:21
Bin ich jetzt ein wenig naiv oder kann es wirklich der Ernst der FSK sein, eine Komödie über das Morden ab 6 Jahren freizugeben? Mein Sohn ist nun fast 6 und ich wüsste nicht, wie ich im erklären sollte, dass man über das Töten lachen kann.

Auf der FSK-Seite heißt es unter anderem zu den Einstufungskriterien: "Etwa mit dem 9. Lebensjahr beginnen Kinder, fiktionale und reale Geschichten unterscheiden zu können." Das heißt doch, dass ein Sechsjähriger eine Komödie über eine mordende Haushälterin gar nicht begreifen kann, oder? Eine Begründung der Entscheidung ist auf der Web-Seite der FSK leider nicht zu finden.

Aber in letzter Zeit habe ich sowieso öfter ein Problem mit den FSK-Bewertungen. Vor allem werde ich nie verstehen, wie man einen Film ab "0" freigeben kann. Ein Baby oder Kleinkind kann doch damit nun wirklich gar nichts anfangen. Eine Freigabe von Filmen ab 3 erschiene mir viel sinnvoller.

Noch ein Zitat von der FSK-Seite: "Hierbei ist grundsätzlich das Wohl der jüngsten Jahrgänge einer Altersgruppe zu beachten. Ebenso sind nicht nur durchschnittliche, sondern auch gefährdete Kinder und Jugendliche zu berücksichtigen."

Eine Spoiler-Frage zum Schluss: Wird die Haushälterin am Ende wenigstens bestraft (Tod, Gefängnis, was auch immer)? Schließlich heißt es bei der FSK "Eine positive Auflösung von Konfliktsituationen ist auch hier maßgebend."

Schöne Grüße

St.
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Aleks_A
DVDmaniac


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Mitglied seit: Sep 16, 2003 Artikel: 1313
Geschrieben am:09. Nov 2006 - 12:32
Zur FSK habe ich seit eh und je meine ganz besondere Meinung. Nämlich, dass deren Entscheidungen im Grossen und Ganzen nicht das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben sind. Das Thema haben wir regelmässig bei den Maniacs zur Sprache gebracht.

Viel bessere Bewertungen findest du bei der Zeitschrift "Filmdienst", die von der evangelischen Kirche herausgegeben wird. Trotz des Herausgebers sind die Bewertungen dieser Zeitschrift unabhängig und neutral. Sie geben auch eine Empfehlung aus, ab welchem Alter der Film empfehlenswert wäre. Die Paar Mal dass ich darauf geachtet habe empfand ich sie als passender als die Bewertung der FSK.

[SPOILER]: Die Dame wird nicht nur nicht bestraft, sie findet auch andere, die in ihrem Sinne agieren. Was den Film in meinen Augen umso besser macht.

Schönen Gruß
Aleks
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stephan
Filmlexikon


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Mitglied seit: Sep 29, 2003 Artikel: 728
Geschrieben am:09. Nov 2006 - 13:04

Aleks_A wrote:
Viel bessere Bewertungen findest du bei der Zeitschrift "Filmdienst", die von der evangelischen Kirche herausgegeben wird.


Hast du die im Abo?


Aleks_A wrote:
[SPOILER]: Die Dame wird nicht nur nicht bestraft, sie findet auch andere, die in ihrem Sinne agieren. Was den Film in meinen Augen umso besser macht.


...und die FSK 6 Bewertung damit umso unerkärlicher.

Ich habe übrigens eine Mail an die FSK geschrieben mit der Bitte, die Begründung einsehen zu können. Mal sehen, ob und wie sie reagieren.
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Aleks_A
DVDmaniac


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Mitglied seit: Sep 16, 2003 Artikel: 1313
Geschrieben am:09. Nov 2006 - 14:07
Die Entscheidungs Protokolle der FSK sind sogar Online zu finden, leider komme ich nicht auf Anhieb auf die URL. Aber google danach.

Den Filmdienst habe ich nicht im Abo, obwohl das eigentlich für einen Maniac eine gute Idee ist...
_EZCOMMENTS_USERINFO g g
stephan
Filmlexikon


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Mitglied seit: Sep 29, 2003 Artikel: 728
Geschrieben am:09. Nov 2006 - 14:17

Aleks_A wrote:
Die Entscheidungs Protokolle der FSK sind sogar Online zu finden, leider komme ich nicht auf Anhieb auf die URL. Aber google danach.


Wenn dem so ist, dann nicht auf der Site der FSK, da gibt's nur ausgewählte Begründungen. Man kann noch eine sogenannte FSK-Karte aufrufen, aber auf der steht nicht viel drauf, schon gar nichts zur Begründung.

Ansonsten habe ich keine Site gefunden, auf der solche Entscheidungen aufgelistete werden.
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klaus_h
DVDmaniac


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Mitglied seit: Aug 21, 2004 Artikel: 1372
Location:Solingen
Geschrieben am:10. Nov 2006 - 08:23
1. Hatte wir in der Vergangenheit eindeutig drastischere Missgriffe der FSK (sowohl nach oben wie nach unten), bei denen Gewalt- oder Sexszenen "explizit" gezeigt werden. (z.B. "Elementarteilchen, dessen Szenen im Swingerclub ich einfach lachhaft und abstoßend zugleich empfunden habe) Im Übrigen deckt sich meine Meinung zur FSK weitgehend mit derjenigen, die Aleks vertritt.
2. Finde ich es schade, wenn wir uns an einer eindeutig "schwarzen Komödie" moralisch höher aufhängen würden als es unbedingt nötig ist.
3. Wird die Gewalt nur indirekt gezeigt (die große Blutlache, das Ausholen mit dem Bügeleisen, aber eben nicht das Aufschlagen auf den Hinterkopf) und dennoch als abnormal durch ihre Absurdität gekennzeichnet. Im moralischen Sinne sind derartigen Grotesken seit jeher in der Kulturszene als Ventil erlaubt.
4. Die possierlichen Miss-Marple-Filme mit Margareth Rutherford haben wir alle bestimmt auch schon mit sechs Jahren gesehen - und da wird in ähnlicher Weise gemordet.
5. Spoiler-Antwort: Grace verlässt zwar die Familie, da die Presse (nicht die Polizei!) ihre Spur aufgenommen hat. Allerdings übernimmt Gloria einen guten Teil der Familientradition: In der Schlusseinstellung sieht man die Leichen der Grundwasserexpertern auf dem Grund des algenverseuchten Teichs, den sie nun nicht mehr trockenlegen und damit das Geheimnis um den verschwundenen Hund, dessen Besitzer und Lance lüften können. Mrs. Parker starb übrigens an einem Herzinfarkt und musste daher nicht "beiseite" geschafft werden.

Mein Fazit: Es gibt weit schlimmeres in unserer Medienlandschaft und da Stephans Sohn demnächst zur Schule geht, denke ich, dass er als primärer Sozialisationsagent bald nur noch die Hände über den Kopf zusammenschlagen wird. Denn dort werden die negativen Einflüsse auf jedes bis dato gut behütete Kind nur so einhageln.
_________________
God bless the Internet. (American Pie)
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stephan
Filmlexikon


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Mitglied seit: Sep 29, 2003 Artikel: 728
Geschrieben am:10. Nov 2006 - 08:37

klaus_h wrote:
2. Finde ich es schade, wenn wir uns an einer eindeutig "schwarzen Komödie" moralisch höher aufhängen würden als es unbedingt nötig ist.


Ich habe überhaupt nichts gegen schwarze Komödien, im Gegenteil, und ich will den Film auch auf keinen Fall verteufeln. Es geht mir nur um die FSK-Einschätzung. Ich betrachte das eben als Vater und nicht als Kinogänger.

klaus_h wrote:
3. Wird die Gewalt nur indirekt gezeigt (die große Blutlache, das Ausholen mit dem Bügeleisen, aber eben nicht das Aufschlagen auf den Hinterkopf) und dennoch als abnormal durch ihre Absurdität gekennzeichnet. Im moralischen Sinne sind derartigen Grotesken seit jeher in der Kulturszene als Ventil erlaubt.


Ich bleibe dabei, dass solche Dinge für einen Sechsjährigen nicht zu verstehen sind. Und die
klaus_h wrote:
Die possierlichen Miss-Marple-Filme mit Margareth Rutherford

wird Felix auch nicht so bald zu sehen bekommen.


klaus_h wrote:
Es gibt weit schlimmeres in unserer Medienlandschaft


Ach was? Smile

klaus_h wrote:
und da Stephans Sohn demnächst zur Schule geht, denke ich, dass er als primärer Sozialisationsagent bald nur noch die Hände über den Kopf zusammenschlagen wird. Denn dort werden die negativen Einflüsse auf jedes bis dato gut behütete Kind nur so einhageln.


Sehr wahrscheinlich - und so eine weitere Herausforderung in der Erziehung. Shocked Rolling Eyes Surprised Very Happy

St.
_EZCOMMENTS_USERINFO g
stephan
Filmlexikon


____________
Mitglied seit: Sep 29, 2003 Artikel: 728
Geschrieben am:14. Nov 2006 - 13:19
Ich habe eben eine Antwort von der FSK bekommen und auch die Begründung der Entscheidung. Allerdings habe ich den Text nur bekommen, da die Dame von der FSk dachte, ich würde im offiziellen Auftrag der ARD nachfragen. Eigentlich sind die Entscheide nämlich nicht öffentlich und werden in der Regel nur zu wissenschaftlichen Zwecken weitergegeben. Dies muss man sogar schriftlich bestätigen. Eine kommerzielle Nutzung (also zum Beispiel um DVDs zu rezensieren) ist nicht gestattet.

Damit wir keinen Ärger bekommen, behalte ich den Inhalt des Textes für mich.

Schöne Grüße

St.
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