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Thriller
Twin Peaks - Season 2.1
geschrieben von klaus_h am 22. Jan 2007
Die Mutter aller Mystery-Serien
Ja, als Mutter aller Mystery-Serien empfinde auch ich David Lynchs ("Blue Velvet", "Der Elefantenmensch") und Mark Frosts ("Fantastic Four") mehr als 20 Jahre altes Projekt "Twin Peaks". Es war skurril, hatte einen interessanten optischen und akustischen Stil sowie gute Darsteller. Da konnte man einiges Unlogisches getrost vergessen, da eine Fülle von interessanten Figuren allmählich den Blick auf die alles entscheidende Frage zu versperren drohte: Wer war der geheimnisvolle Mörder der College-Schönheit Laura Palmer?
Twin Peaks - Die zweite Season, Teil eins von zwei
USA - 1990
Veröffentlichung: 04.01.2007
Regie: David Lynch/Mark Frost
Darsteller: Kyle MacLachlan, Michael Ontkean, Sheryl Lee, Ray Wise, Miguel Ferrer, Lara Flynn Boyle, Sherilyn Fenn, Madchen Amick u.a.
"Nochmal"-Faktor: mäßig, am besten Warten bis zur Fan-Edition Ende 2007, katastrophaler Mono-Ton
Unsere Wertung: 50% aufgrund der Release-Politik und des Tons, die Serie selbst verdient mindestens 85%
FSK: 12
Laufzeit: 541 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital Mono / Englisch 5.1 / Italienisch, Spanisch, Spanisch Dolby Digital 2.0
*PADAUTZ* - 17 Jahre nach der Erstausstrahlung lande ich mitten im Geschehen und versuche mich mühsam an die verworrenen Handlungsfäden zu erinnern. Dabei hilft mir weder ein "Was bisher geschah" am Anfang der ersten Episode noch ein Booklet oder ein kleines Fitzelchen an Extra. So liegt also FBI-Agent Cooper (Kyle MacLachlan) stark blutend angeschossen am Boden und so langsam kommt bei mir die Erinnerung hoch.
Währenddessen peinigt uns allerdings der geriatrische Fall des Zimmerservice, der allzu gern Coopers Zustand ignoriert, mit seinem tattrigen Geschwafel und dem Zeitschinden: 12 Minuten Stillstand erinnern mich daran, dass sich die Sehgewohnheiten drastisch geändert haben. Auch der mysteriöse Riese, der aus dem Schattenreich kommend, Cooper einige doppeldeutige Hinweis gibt, ist sowohl für die Akteure als auch für uns wenig aufschlussreich.
Erst als Cooper endlich auf dem Behandlungstisch aufwacht und ihm die schusselig-naive Assistentin des Sheriffs, Lucie, mit ihrer Piepsstimme einen horrenden Bericht der letzten Ereignisse runterrattert, bin ich allmählich wieder im Bilde: Richtig, das Sägewerk war in Brand gesteckt worden, zwei Tatverdächtige ermordet, der sinistre Psychiater Dr. Lawrence Jacoby (Russ Tamblyn, "West Side Story") lag im Krankenhaus und mehrere Kids waren beim Einbrechen in dessen Haus erwischt worden. Ach ja, die attraktive Chinesin Josie war ebenfalls spurlos verschwunden. George Clooneys Cousin Miguel Ferrer gibt den unsympathischsten FBI-Agenten, den man sich vorstellen kann und so langsam erinnert man sich wieder an die schönen Figuren, die damals so viel Spaß an dieser Serie machten.
Was allerdings keinen Spaß an diesem Wiedersehen macht, ist die Tatsache, dass obgleich die deutsche Synchronisation damals recht gut gelungen war, der deutsche Monoton eine einzige Katastrophe aufgrund seiner Auslöscheffekte ist. Dabei überlagern sich die beide Spuren des Doppelmono, das Stereo suggerieren sollte, sodass viele Dialoge an der Grenze zum Unverständlichen sind. Somit ist die Serie also nur im Orginal zu ertragen. Traurig, wenn dann jede weitere Sprache besser technisch realisiert wurde. Aber dies ist ein Effekt, den bereits RTL bei der Erstausstrahlung zu verschulden hatte.
Umso bedauerlicher, dass auch Paramount bis dato nicht gewillt war, Kosten und Zeit zu einer Verbesserung aufzuwenden. Immerhin sind bereits drei Jahre seit dem Fertigstellen der ersten Season auf DVD vergangen. Genutzt hat man diese Spanne offenkundig nicht. So verpufft das überraschend gute Bild im dumpfen Tongewabber und vergällt einem den Genuß. Über die Surroundanlage wird dieser negative Effekt sogar noch verstärkt. Da kann man sich auch direkt eine unsynchronisierte Importfassung ordern oder bis zum Herbst auf "Twin Peaks - The Complete Mystery" warten, die nicht nur beide Staffeln enthält, sondern auch den nicht mehr auf DVD erhältlichen Spielfilm "Twin Peaks - Fire Walk with me", das Prequel zur Serie, beinhalten soll.
Ach, wie traurig ist doch diese Vermarktungspolitik aller großen Medienkonzerne, die vergällte Kunden und verhunzte Kunstwerke hinterlässt. Denn dass Twin Peaks ein Kunstwerk trotz aller mangelhaften Logik ist, dürfte wohl niemand bestreiten. Aber wenn man dann den heutigen "Kingdom Hospital" gegenüberstellt, merkt man doch wie sehr die Zeit vorangeschritten ist. Egal, ohne Twin Peaks kein "Picket Fences", "Akte X" oder "Lost". Zwar zählt auch dort die Form oft mehr als der Inhalt - aber Spaß machten diese Serien allemal. Vom Kauf dieser vorliegenden DVD-Box muss ich jedoch leider abraten. Technisch erfüllt sie in keiner Weise die Anforderungen des heutigen Publikums und des meist vorliegenden Equipments. (kh)
Nachtrag: Inzwischen ist eine neue Box erschienen, die nicht nur alle Folgen enthält, sondern auch technisch deutlich besser ist. Mehr dazu hier.