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Romantisch
Mozart and the Whale
geschrieben von klaus_h am 24. Jan 2007
Isabelle & Donald = Asperger-Syndrom²
Egal wie man zu "Rain Man" steht, eines muss man zugeben: Ohne diesen Film wüssten heute viele nicht, dass es eine Krankheit wie Autismus überhaupt gibt. Ronald Bass ("Schnee, der auf Zedern fällt", "Hinter dem Horizont") hat damals jenes Drehbuch geschrieben und leistete auch die Vorlage für diese DVD. Hier sind es Izzie (Rahda Mitchell, "Silent Hill") und Josh Hartnett ("Hollywood Cops", "Lucky # Slevin"), die als Liebespaar mit dem Aperger-Syndrom, einer "leichteren" Form von Autismus, unter der Regie von Petter Naess ("Elling") sowohl mit sich selbst als auch auf sehr unterhaltsame Weise mit ihrer Umwelt zu kämpfen haben.
Mozart and the Whale
USA - 2005
Veröffentlichung: 18.01.07
Regie: Petter Naess
Darsteller: Josh Hartnett, Radha Mitchell, Gary Cole, John Carroll Lynch, Rusty Schwimmer u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 93%
FSK: ab 12
Laufzeit: ca 90 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch/Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 1,85:1
Untertitel: Fehlanzeige
Extras:
• Making of
• Hinter den Kulissen
• Interviews mit Cast & Crew
Das Asperger-Syndrom äußert sich für die Betroffenen darin, dass sie zwar auf den ersten Blick kaum schlechter "funktionieren" - wie man es Donald einmal selbst ausdrücken lässt - als "normale" Menschen, aber deutliche Defizite in ihrer Kommunikation und dem Gefühlsleben haben. Dabei steht ihnen entweder ihre Inselbegabung im Weg oder sie stoßen mit ihrer schonungslosen offenen Art der Kommunikation alle anderen vor den Kopf.
Irgend ein schlauer Drehbuchautor hat einmal gesagt, dass es im Grunde genommen nur acht mögliche Geschichten gebe, wobei es darauf ankomme sie geschickt zu variieren. Somit kann man nachvollziehen, dass die klassische "Boy loves girl"-Story durch derartige Verwicklungen "interessanter" gemacht wird. Dieser Film ist nicht der erste, bei dem dies befolgt wurde. Nicht umsonst erinnert dieser ebenfalls in Spokane, Washington, gedrehte Stoff stark an "Benny und Joon" mit Johnny Depp. Bass und Naess ist es ebenfalls gelungen selbst den tragischen Momenten eine ernsthafte und doch elegante Komik einzuhauchen.
Doch nun zur Story: Donald ist zwar ein Mathematik-Genie, aber aufgrund seiner "Defizite" gezwungen, sich als Taxifahrer durchzuschlagen. Auch dort lebt er gefährlich. In der rasant gedrehten Einführungsszene stellt er dies seinen japanischen Fahrgästen und uns allzu plastisch vor Augen. Jede Durchsage der Zentrale verwandelt sich aufgrund der Zahlen für ihn in ein transparentes GPS-Modell, dass ihm zwar jede Position der Kollegen in Realzeit offenbart, aber buchstäblich die Sicht auf die Fahrbahn versperrt. Der Unfall ist ebenso wie die Entlassung nur eine Frage der Zeit.
Aus Angst vor der Einsamkeit hat er jedoch als Leiter eine Selbsthilfegruppe mit anderen "Aspis" ins Leben gerufen. Unter all den skurrilen Typen (grandiose Nebendarsteller wie Rusty Schwimmer ("Ally McBeal") und John Carroll Lynch ("Fargo")) ist er noch der Normalste und die Führungspersönlichkeit, bis plötzlich Izzie (Mitchell, "Wenn Träume fliegen lernen") wie eine orkanhafte Mischung aus Pippie Langstrumpf (Kleidung) und "Betty Blue" (Temperament) hereinplatzt.
Ihr Manko ist, dass sie wirklich fast alles wortwörtlich nimmt und jederzeit zwischen "zu Himmel hoch jauchzend und zu Tode betrübt" schwanken kann. Doch anders als Donald, in den sie sich fast augenblicklich verliebt, strebt sie nach einem eigenständigeren Leben und ihrem Traum vom Glück zu zweit. Als sie dank des Verwaltungsleiters der Uni (Gary Cole: "Ricky Bobby - König der Rennfahrer") Donald eine Stelle im Controlling verschaffen kann, sieht alles nach einem Happy End aus. Aber beide, die sich zuvor wunderten, dass ausgerechnet sie auf einer gemeinsamen Wellenlänge funkten, verlieren in der Normalität den Anschluss...
Um alle Romantiker zu beruhigen: es gibt ein Happy End, das vielleicht etwas zu abrupt herbeigeführt wird, aber letztlich einem schönen Film keinen Abbruch tut. Allen Akteuren merkt man an, dass man einen autistischen Berater zu den Dreharbeiten hinzugezogen hatte. Ihr Spiel ist glaubwürdig und wirkt nicht aufgesetzt. Hartnett und auch Mitchell sind in bestechender Form. Die Poesie der titelgebenden Halloween-Maskerade (Izzie als Mozart aufgrund ihres absoluten Gehörs und Donald als Wal, der in sich ruht) ist ebenso gelungen wie alle anderen Szenen, die auch gerne mit Filmzitaten spielen, wie z.B. der Therapiesitzung ("Zeit des Erwachens") und dem geplanten Bootsausflug ("Einer flog übers Kuckucksnest"). Besonders gut geschnitten ist Izzies pantomimisches "Duell" mit dem Mandrill im Zoo.
Auch die Wahl des Drehorts ist angenehm anzusehen. Nicht alle Filme sollten immer nur in N.Y., L.A., in kalifornischen Vorstädten oder dem Mittelwesten spielen! Übrigens wurde auch "End Game" in Spokane gedreht. Schlecht aufgenommen habe ich jedoch das besonders dreiste Produkt Placement eines amerikanischen Softdrinkriesen, der sich ziemlich ungeschickt mit Kontinuitätsfehlern (die stets in Sichtrichtung getragenen Flaschen) gleich mehrmals einnistete. Die Extras sind über dem Durchschnitt, Ton und Bild hochwertig anzusiedeln. Ein Film, der trotz kleiner Schönheitfehler Spaß macht und uns eine bezaubernde Poesie sowie Verständnis für Mitmenschen lehrt. Nahezu unverständlich, warum der Film hier nicht in die Kinos kam. (kh)
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