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Thriller
 Lucky Number Slevin
geschrieben von klaus_h am 25. Jan 2007

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Umschlag-Cover Job weg, Wohnung wegen Termitenbefall verloren und Freundin inflagranti erwischt: Slevin (Josh Hartnett, "Mozart & the whale") ist wahrlich kein Glückspilz. Sein Freund Fisher lädt ihn ein nach New York zu kommen, um dort bei ihm auszuspannen. Doch bereits auf dem Weg vom Flugplatz wird er überfallen, seine Brieftasche und Papiere gestohlen, die Nase gebrochen. Und das scheint erst der Anfang zu sein. Wie Regisseur McGuigan ("Sehnsüchtig") und Drehbuchautor Jason Smilovic in geschickt verwobenen Wendungen ihren vermeintlichen Loserhelden in einen Thriller schicken, der immer mehr Tempo aufnimmt und kaum zum Halten kommen wird, nötigt höchsten Respekt ab.

Lucky # Slevin
USA - 2006
Veröffentlichung: 25.01.07
Regie: Paul McGuigan
Darsteller: Josh Hartnett, Bruce Willis, Lucy Liu, Morgan Freeman, Sir Ben Kingsley, Stanley Tucci, Danny Aiello u.a.
"Nochmal"-Faktor: sehr hoch
Unsere Wertung: 98%
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 106 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1 u. DTS, Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 2,35:1 (16:9)
Untertitel: Deutsch
Extras: • Audiokommentar des Regisseurs
• Audiokommentar v. Liu, Hartnett u. d. Drehbuchautor
• Making of (14 min)
• Deleted Scenes
• Interviews
• Darstellerinfos (Texttafeln)
Nach einem etwas erstaunlich holprigem Anfang lernen wir zunächst Bruce Willis ("Hudson Hawk", "Sin City") als skurrilen Killer Mr. Goodkat kennen, der wie die Hybris über einen Namenlosen am Flughafen fällt, ihm eine merkwürdige Geschichte erzählt, um ihm dann in einer blitzschnellen Ablenkbewegung, dem "Kansas City Shuffle", das Genick zu brechen. Man ist schockiert, was hat die noch grausamere Story mit dieser Geschichte zu tun? Egal - sage ich nur - behaltet sie gut im Hinterkopf!

Beispiel Unser Held Slevin lernt jedoch in der Wohnung seines Freundes, der spurlos verschwunden ist, dessen attraktive Nachbarin Lindsay (Lucy Liu, "Kill Bill Volume 2", "3 Engel für Charlie", "Domino", "Chicago", "Shang-High Noon") und sogleich wieder die Welt des Missverständnisses kennen. Zwei brutal-tumbe Schläger schleppen ihn in der Annahme, dass er Nick Fisher sei, zu ihrem "Boss" (Freeman, "Bruce Allmächtig", "Bopha!", "Ein ungezähmtes Leben"), um seine Spielschulden einzulösen. Was der "Boss" von ihm fordert, ist schon skurril genug: Er soll den Sohn seines Intimfeindes, des "Rabbis" (Kingsley, "Genie & Schnauze", "Species") aus Rache für den eigenen getöteten Sohn umbringen. Ob er nun Fisher oder Slevin heiße.

Denn der "Job" soll nicht wie ein "Job" aussehen, damit kein Krieg zwischen den einst befreundeten Gangsterbossen ausbricht. Kaum wieder zu Hause abgeliefert, fangen ihn die Handlager des jüdischen Gangsters ein. Auch wegen einer Spielschuld, die zwar niedriger ausfällt, aber im Zweifelsfalle ebenfalls mit dem Tod Slevins ausgehen könnte. Nun befindet sich unser Held in der Zwickmühle: Wie kann er gleichermaßen sein Leben retten, den Sohn des Rabbi töten, obwohl dieser von ehemaligen Mossad-Agenten beschützt wird und das Geld beibringen?

Beispiel Einziger Lichtblick scheint die Hilfe der süßen Lindsay, seine Kaltschnäuzigkeit und die verblüffende Chuzpe zu sein, die Slevin ausmacht: "Hey, was solls, sie können mich nur einmal töten", meint er lakonisch zum "Boss". "Aber ich könnte es langsam machen", antwortet dieser nicht minder ironisch. So langsam dämmert es uns, dass Slevin entschieden mehr sein könnte, als nur ein williges Opfer, zwischen zwei Mühlsteinen zerrieben. Aber kann er auch dem im Hintergrund lauerndem Killer Goodkat und dem argwöhnischen Cop Brikowski (Tucci, "Darf ich bitten?", "Wiege der Angst", "Der große Bluff - Das Howard Hughes Komplott") entrinnen?

Dieser Film besticht durch seine coole Optik, die schrägen Settings (man beachte alleine den Stil der Hintergrundtapeten!) und die exakte Kameraführung. Was ihn hervorhebt, sind die durchdachten Dialoge (auch unbedingt im Original anhören!) und das behutsame Spiel seiner Akteure. Hartnett belegt erneut wie in "Mozart and the Whale" (im Gegensatz zu "Hollywood Cops"), dass er den Sprung ins Charakterfach geschafft hat. Dass Freeman und Kingsley insbesondere im direkten Duell miteinander - aber auch in den Dialogen mit Hartnett - besondere Proben ihrer Schauspielkunst abliefern, machen den Film zu einem besonderen Erlebnis.

Beispiel Dabei hat Kingsley sich - zumindest was das Äußere anbelangte - von seiner Rolle in "Sexy Beast" inspirieren lassen, was er in seinem aufschlussreichen Interview bei den Extras offenbart. Diese sind sehr umfassend, die entfallenen Szenen untertitelt, wobei die Sequenz im Wagen nun deutlich länger ausfällt. Nach Hartnetts Meinung war sie zu recht die komischste des ganzen Films, fiel aber dem Edit wegen des Tempos zum Opfer. Der Audiokommentar des Regisseurs ist jedoch nur für Hardcorefans des schottischen Akzents zu ertragen.

Was man bei Sean Connery noch sehr schön findet, ist hier nahezu unverständlich. Aber wenigstens aufschlussreich, dass er von vielen Leuten gesagt bekam, dass "Lucky # Slevin" der schlechteste Filmtitel aller Zeiten sei. Er selbst habe auch "Kansas City Shuffle" favorisiert, was man aber einem Film, der in New York spiele, obwohl er wie so viele andere auch in Montreal gedreht wurde, nicht habe antun wollen. Egal, beide Titel machen Sinn. Besser ist da schon der sehr amüsante Audiokommentar der Darsteller Hartnett und Liu sowie des im Edit dazwischen geschnitten Drehbuchautors, der sehr offen von seinen Inspirationen zum Skript berichtet.

Beispiel Das Bild ist zwar manchmal etwas dunkel in den Mittentönen, entspricht aber insgesamt der Gesamtcharakteristik des Plots. Der Ton ist sehr dynamisch, aber dennoch verständlich, die Filmmusik auf eine sehr flexible Art jeweils dem Tempo der Erzählung angepasst. Der Komponist bewegt sich dabei stilsicher in allen Kategorien des Scores, ob Jazz, Funk, Disco oder klassischem Mafiathema. Wer also den wahrscheinlich besten Thriller dieses Jahres sehen möchte, sollte bei dieser DVD unbedingt zugreifen. Und wem die Auflösung am Ende zu glatt erscheint, dem sei nur entgegnet, dass es auch einmal gut tut, nicht alles im Desaster enden zu sehen. (kh)

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