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Komödie
Klick
geschrieben von klaus_h am 20. Feb 2007
Click - Die ultimative Fernbedienung
Seien wir mal ehrlich! Haben wir uns nicht auch seit "Willkommen, Mr. Chance" mit dem seeligen Peter Sellers eine ultimative Fernbedienung gewünscht, mit der wir Unerwünschtes im Leben vorspulen, schöne Momente wiederholen oder in Zeitlupe ansehen könnten? Michael Newman (Adam Sandler, "50 erste Dates", "Die Wutprobe") hat nun so ein Gerät. Ob dies ein Segen oder Fluch ist, mag jeder selbst entscheiden.
Klick
USA - 2006
Veröffentlichung: 20.02.2007
Regie: Frank Coraci
Darsteller: Adam Sandler, Kate Beckinsale, Christopher Walken, David Hasselhoff, Sean Astin, Rob Schneider u.a.
"Nochmal"-Faktor: mittel, nach dem ersten Schauen ist der Ü-Effekt verschwunden
Unsere Wertung: 73%
FSK: ab 6 (lachhaft niedrig)
Laufzeit: ca 103 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 1,85:1
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Extras:
• Audiokommentar m. Besetzung u. Crew
• Dokumentationen /Alt & Fett / Spezialeffekte / Zukunftsvisionen / Autos der Zukunft / Tierische Gefühle / Klick den Regisseur / Lecker Essen!
• Entfallene Szenen
Der völlig überarbeitete Architekt Michael Newman hat kaum Zeit für seine süße Frau Donna (Kate Beckinsale, "Underworld", "Winged Creatures", "Nichts als die Wahrheit") und seine Kinder Ben und Samantha. Eines Abends, als mal wieder keine Zeit zum Ausspannen bleibt und der Wust von Fernbedienungen unüberschaubar bleibt, rast er zum nächsten Markt, um die ultimative Fernbedienung zu erstehen. Mühsam schleppt er sich durch nicht enden wollenden Verkaufsräume, bricht kurz in der Bettenabteilung zusammen, um dann am Ende eines mysteriösen Flurs den wunderlichen Entwickler Morty (Christopher Walken, "Die durch die Hölle gehen", "Domino") zu treffen.
Dieser hat eine Fernbedienung parat, die es wahrlich in sich hat. Man kann den Audiokommentar zu seinem eigenen Leben hören, was ziemlich deprimierend ist, da er von Arnold Schwarzenegger im Terminatorstil gesprochen wird. Die Flashbackreise ins Feriencamp ist nur zunächst ein Glanzpunkt angesichts des sich offenbaren Außenseiterdaseins und auch die ersten Freundinnen entpuppen sich im Rückblick als "haarige" oder "große" Angelegenheiten. Marty zeigt ihm deutlich, dass man doch einiges in der Erinnerung verklärt - eine Binsenweisheit - aber in den USA wohl doch erklärungsbedürftig. Ach ja, da er sie umsonst bekam, ist sie natürlich vom Umtausch ausgeschlossen.
Fortan benutzt Michael sie zu unserem Amüsement bei allen möglichen Gelegenheiten: Er spult den Streit oder das Vorspiel mit seiner Frau vor, hält den Baseball an, damit sein Sohn es dem fiesen Nachbarsjungen mal richtig zeigen kann, die Joggerin mit großer Körbchengröße wird in Zeitlupe bewundert und der morgendliche Verkehrsstau im Zeitraffer bewältigt. Seine Karriere erfährt im doppelten Sinne eine Beschleunigung, da er nun seinem selbstgefälligen Chef Mr. Ammer (David Hasselhoff, "Baywatch") im Pause-Modus mal zur Bestätigung des eigenen Egos kräftig mehrere Ohrfeigen und Kinnhaken verpassen kann und die japanischen Auftraggeber im O-Ton um ihre geheimsten Wünsche belauscht.
Doch die Medaille hat selbstverständlich eine negative Kehrseite. Ehe er sichs versieht, spult er auch den Sex zu weit vor - Donna bleibt unbefriedigt. Wer ständig nur den Streit vorspult, wirkt unbeteiligt und wird sich immer mehr entfremden, da er im Autopilot-Modus fährt. Dabei scheint sich das Gerät zu verselbständigen, spult bald die wichtigsten Phasen seines Lebens vor und im Handumdrehen ist er zwar Boss des tollen Architekenbüros - hat aber seine Frau an den spackigen Schwimmlehrer Bill Rando ("Samweis" Sean Astin, "Herr der Ringe", "50 erste Dates") und noch viel mehr verloren.
Nicht umsonst stellt sich der Zuschauer die Frage, ob Michael noch die Biege bekommt bzw. ob er aus diesem Albtraum (sic!) jemals aufwacht. Und damit haben wir leider auch das Grundproblem dieser flotten und vorhersehbaren Komödie vor uns. Sandler, der zwar längst bewiesen hat, dass ihm auch ernsthafte Zwischentöne liegen, schwenkt nach 40 Minuten von der prallen Furzwitzkomödie zur Tragödie über und macht seine Sache auch recht gut, wobei zum Schluss extrem auf die Tränendrüse gedrückt wird. Leider hat man aber zunächst (z.B. Furzer in das Gesicht des Chefs, der ständig die Plüschente rammelnde Haushund) derart häufig unter die Gürtellinie gegriffen, dass man sich erst einmal an das veränderte Tempo gewöhnen muss.
Hinzu kommt in diesem Abschnitt eine musikalische Untermalung mit vielen Hits der 80er und 90er Jahre, die derart dominant ist, dass man manche Gags gar nicht verstehen kann. Einer der besten Gags spielt sich gar im Vorfeld einer tragischen Szene ab, als Michael im Jahr 2027 folgende Radionachricht hört: "Michael Jackson, der erste Mensch, der sich selbst klonen ließ, hat sich soeben wegen sexueller Belästigung verklagt." Dieses Hin und Her zwischen beiden Genres ist hier schlechter gelungen als z.B. in "50 erste Dates". Dies hat mich etwas überrascht, da Regisseur Frank Coraci ("In 80 Tagen um die Welt") nicht nur für den tumben "Waterboy" verantwortlich war, sondern auch den subtileren "Eine Hochzeit zum Verlieben" (ebenfalls mit Sandler) inszenierte.
Zwar kommt der Film unter dem Strich mit seiner Botschaft "Kümmert Euch um die Familie, denn sie ist das Wichtigste im Leben" glaubhaft rüber. Auf dem Weg dorthin erleben wir zwar viele gute Lacher, etliche Geschmacksverwirrungen und einige tragische Momente, doch letztlich wirkt der Film dadurch etwas zu überladen. Einige peinliche Nebenfiguren wie die dralle Janine (Jennifer Coolidge, "American Dreamz"), die das Tempo des Films behindern, hätte man ganz einfach aus dem Film streichen können. Die positive Überraschung des Films ist Hasselhoff, der wunderbar das eigene Rollenklischee persifliert. Ausleihen kann man sich den Film, der quasi "Ist das Leben nicht schön" dieses Jahrzehnts ist, bestimmt; den Kauf möchte ich nur Adam-Sandler-Hardcore-Fans empfehlen.
(kh)
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