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Animation
Der tierisch verrückte Bauernhof
geschrieben von tor7ten am 22. Feb 2007
Scheibenweise Rinderwahn!
Schwanken die Werbesprüche auf dem Cover der DVD "Der tierisch verrückte Bauernhof" irgendwo zwischen bemüht cool ("kuhl") und peinlich schlecht gekalauert, wird einem spätestens beim Film selbst klar, dass hier ausnahmsweise mal nicht übertrieben wurde. Es wurde auch Zeit, dass Kühe die Hauptrolle eines Animations-Films tragen. Der Film macht Spaß! Und zwar die Art von Spaß, die einfach, unbekümmert und unangestrengt daher kommt. Hier gibts keinen doppelten Moral-Boden, allzu großen Raum für bedeutungsschwangere Interpretationen (manch einer mag mir widersprechen) oder einen tieferen Sinn! Hier gehts um Spaß. Warum auch nicht, schließlich handelt es sich um einen "Kinderfilm"...
Der tierisch verrückte Bauernhof
USA - 2006
Veröffentlichung: 22.02.2007
Regie: Steve Oedekerk
Darsteller (Stimmen): Kevin James, Sam Elliott, Courteney Cox-Arquette, Danny Glover, Wanda Sykes, Andie MacDowell u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 85%
FSK: o.A.
Laufzeit: 86 min
Sprachen und Tonformate:
Deutsch, Englisch, Türkisch (Dolby Digital 5.1)
Bildformat: 16:9
Extras:
Trailershow
Musikvideo der Band Barnyard Bop
Mud Music Video
Boogie in der Scheune
Stimmen des tierisch verrückten Bauernhofes
Leben eines Animationszeichners
Method Acting mit Kevin James
Entfernte Szenen
Kinotrailer
Nick On-Air Kampagne
Und da Kinder bekanntlich eine gnadenlose Zielgruppe sind, wenn es darum geht,
einen Film vergeigt oder ins Schwarze getroffen zu haben, startet "Der tierisch verrückte Bauernhof" in der Exposition direkt mit einer ausgedehnt überdrehten Action-Sequenz, in der die drei Hauptfiguren Otis, (eine männliche Kuh, gesprochen vom "King of Queens" Kevin James), sein Kumpel das Schwein und ein Frettchen auf einem improvisierten Snowboard über Hügel und Hänge jagen.
Statt sich also wie ehrenhafte Bauernhof-Tiere zu benehmen, schlägt dieses
Trio bei jeder sich bietenden Gelegenheit über die Stränge und feiert,
was das Zeug hält.
Das geht natürlich nur, weil der Bauer dieses tierischen Hofs nicht mehr der Jüngste und obendrein angesichts seiner Tiere und deren Verwertung ziemlich entspannt ist (er ist Veganer, also droht keine Gefahr). Bei jeder seiner allmorgendlichen Runden über den Hof schaut der Farmer nach dem Rechten und freut sich über das liebe Vieh, um sich anschließend mit Lektüre (schöne Anspielung: Er liest "Charlotte's Web") unter einem Obstbäumchen oder vor dem
Fernseher zu entspannen. Was er nicht weiß: Vierbeiner gehen gar nicht auf
vier Beinen. Sobald kein Mensch zuschaut, gehen Kuh und Schwein auf Hinterbeinen
oder lümmeln sich stehend an Weidezäunen rum. Und wenn da gar nichts
los ist, schaut man sich als Kuh von Welt schon mal das Endspiel des Superbowl
durchs Fenster an.
Während wir weiter als zuschauende Begleiter zusammen mit Otis einen kleinen Rundgang über den Hof unternehmen, kündigt sich eine Versammlung aller Tiere in der großen Scheune an (die Parallelen zu "Animal Farm" sind offensichtlich, aber die Art der beiden Filme könnte kaum unterschiedlicher sein). Angeführt wird die gesamte "Viecherei" von Ben (gesprochen von Sam Elliott, "Hulk"), Otis' Vater, der in seiner Rede eindringlich auf die große Gefahr und Bedrohung der Hoftiere aufmerksam macht: Streunende Kojoten.
Der weise und erfahrene Ben ist natürlich so gar nicht mit dem unreifen Verhalten seines Sprösslings zufrieden und versucht ihn, zu einem ebenbürtigen Nachfolger heranzuziehen (hier steckt Potenzial für Vater-Sohn-Konflikte), aber so recht gelingt ihm das leider erst durch... aber ich will hier nicht zuviel verraten. Nur soviel: Es gibt durchaus den ein oder anderen besinnlichen und traurigen Moment in der Geschichte, die ansonsten noch so einige schräge Kapitel bietet. Die Rolle der Kojoten ist es dann, für Spannungs- und Kampf-Elemente im Showdown zwischen Gut und Böse zu sorgen.
Am unterhaltsamsten und beeindruckendsten sind allerdings die tierischen "Scheunenfeten"! Regisseur Steve Oedekerk ("Ace Ventura", "Bruce allmächtig") hat sichtlichen Spaß an der Inszenierung der Party-Szenen gehabt! Da wird laut gefeiert, getanzt, gepokert, statt "Bull Riding" gibt es "Man Riding" usw. - verkehrte Welt und vertauschte Rollen, getoppt von allerlei lautstarken Gesangs-Einlagen, die musikalisch eine Mischung aus Hillbilly und Techno darstellen! Spätestens wenn "das wilde Ding" (was immer
es auch sein mag...) aus der Kiste gelassen wird, gibt es kein Halten mehr. Was
dann aber passiert, als der Farmer, durch den abendlichen Lärm irritiert,
seine Tiere eines Tages mitten in einer dieser Partys ertappt und wie diese aus
der schwierigen Situation wieder heraus kommen, ist eine andere Geschichte...
"Der tierisch verrückte Bauernhof" ist alles in allem eine erfrischend freche und im besten Sinn sinnlose Abwechslung in der letzten Welle von Animations-Filmen, die sich oftmals darin zu überbieten versuchen, möglichst detaillierte Landschafts-Texturen, gepaart mit anmutigen Bewegungen und realistischen Tierfell-Zeichnungen zu präsentieren. Das spielt hier keine Rolle. So gesehen haben wir es eigentlich mit einem waschechten Zeichentrick-Film zu tun, der Mut zum Karikieren hat (die steckdosenförmigen Euter der Kühe sind wahrlich alles andere als echt gezeichnet und müssen mehrmals für anzügliche Beckenbewegungen herhalten). Die Landschaften, die tierischen Charaktere, Autos und die wenigen auftauchenden Menschen sind rund, knubbelig und bunt. Und das ist in diesem Fall auch gut so. Ich zumindest war anfangs überrascht, da die meisten zuletzt gelaufenen Filme eben eine andere Richtung einschlagen (den Look des mäßig erfolgreichen "Flutsch und weg" hier einmal ausgeklammert).
Wie gesagt: Der Film macht Spaß! Und eigentlich erwartet man von einem Kinderfilm genau das. (th)
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Mitglied seit: Sep 16, 2003
Artikel: 1313
Geschrieben am:22. Feb 2007 - 15:18
...und wenn mir einer zum Henker erklären könnte, was denn eine "männliche Kuh" sein soll...
Bei diesem Film scheint die "PC Police" zugeschlagen zu haben. In Zeiten, in denen Kinder tatsächlich meinen, es gäbe Lila Kühe sollten die Macher des Filmes sich trauen, Stiere zu zeichnen. Möchte man zumindest meinen.
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Mitglied seit: Apr 03, 2006
Artikel: 185
Location:Dortmund
Geschrieben am:23. Feb 2007 - 15:08
Aleks_A wrote:
...und wenn mir einer zum Henker erklären könnte, was denn eine "männliche Kuh" sein soll...
Das ist tatsächlich so gemeint und auch deswegen von mir explizit so geschrieben Es ist eben eine "männliche Kuh" inkl. des dazu gehörenden Euter.
Aleks_A wrote:
Bei diesem Film scheint die "PC Police" zugeschlagen zu haben. In Zeiten, in denen Kinder tatsächlich meinen, es gäbe Lila Kühe sollten die Macher des Filmes sich trauen, Stiere zu zeichnen. Möchte man zumindest meinen.
Glaube ich nicht. Eine Kuh wird sicherlich unter anderem auch wegen des Euters als eine solche identifiziert. Es ging glaube ich mehr um Vereinfachung zugunsten der Wiedererkennung (der Film ist ja "o.A."). Und so recht kann ich mir das Aussehen eines auf den Hinterläufen wandelnden Stiers auch nicht vorstellen...
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Mitglied seit: Sep 16, 2003
Artikel: 1313
Geschrieben am:24. Feb 2007 - 10:15
Torsten, deine Besprechung meinte ich ja nicht. Sondern die Macher des Films. Natürlich hast du das beschrieben, was im Film zu sehen ist. Männliche Kühe eben.
Nuja, Geschmackssache, ich fand's albern.
Aleks
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