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Animation
Jagdfieber
geschrieben von klaus_h am 13. Mar 2007
Open Season - Von Bären und Hirschen
Eines hat die digitale Pixelflut im Animationsland auf jeden Fall hinweg gespült: die Dominanz von Disney. Jedes Studio möchte nun auch an dieser Technik und den Erfolgen teilhaben. So auch Sony/Columbia, die mit der vorliegenden DVD ihren ersten eigenständigen digitalen Animationsfilm herausbringen. Wieder einmal geht es um Tiere und ihr Verhältnis zur Umwelt, aber gottlob handelt es diesmal nicht um Zootiere, die in die Wildnis ziehen oder eine Fischodysee. Hier ist es in skurril überzeichneter Weise ein zahmer Grizzlybär, der unfreiwillig mit den Tücken des Waldes zu kämpfen hat und dennoch als echtes Weichei den Spieß gegen die Jäger umdreht.
Jagdfieber
USA - 2006
Veröffentlichung: 13.03.07
Regie: Roger Allers, Jill Culton, Anthony Stacchi
Sprecher (engl.): Martin Lawrence, Ashton Kutcher, Debra Messing, Gary Sinise, Jane Krakowski, Jon Favreau, Billy Connolly u.a.
Sprecher (dt.): Thomas Heinze, Jürgen Vogel, Alexandra Neldel u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 93 %
FSK: frei
Laufzeit: ca. 83 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch, Türkisch Dolby Digital 5.1 DTS/ Englisch Dolby Digital 2.0 (Audiokommentar)
Bildformat: 16:9, 1,85:1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras:
• Audiokommentar des Regisseure u. des Produzenten
• Kurzfilm "Boogs & Elliots nächtlicher Raubzug" (4:11)
• Dokumentationen:
• Making of (15:00); Synchrostimmen (7:00)
• Entfallene Szenen (Waldlehre, Zeckenalarm; Storyboardversion)
• Musikvideo: "I wanna lose control" v. Deathray (2:10)
• Spiel mit! (Sprachspiel, Glücksrad, Splash Mountain m. Multiangle)
• Umfangreicher Trailer zum nächsten Animationsfilm aus dem Hause Sony: "Könige der Wellen" mit wellenreitenden Pinguinen
Ein Bär und ein Hirsch als Tierduo? Funktioniert nicht? Entschuldigung, aber ist eine pfiffige Maus und ein grenzdebiler Köter etwa logischer?! Eben! Der dickplauzige Bär Boog (Lawrence: "Bad Boys II"/ Heinze: "Ich bin ein Berliner"), der zusammengerollt in etwa so aussieht wie eine große Fellzitrone, lebt völlig zahm in der Garage (!) bei der netten Wildhüterin Beth (Messing: "Wedding Date"/Alexandra Neldel: "Verliebt in Berlin", "Berlin, Berlin"). Eines Tages rettet der strunzfaule Grizzly mehr aus einer Laune heraus dem Schmachtlappen-Hirsch Elliot (Kutcher: "So was wie Liebe"/Vogel "Die Apothekerin") das Leben. Diesen hatte sich der "American Rifle"-Redneck Shaw (Sinise "CSI:NY") auf die Motorhaube seines Pickups geschnallt, nachdem er ihn mutwillig angefahren hatte.
Fortan meint der hyperaktive Elliot, dass sie nun beide für einander verantwortlich seien und Boog mit ihm in die Wildnis fliehen müsse. Diese hat daran jedoch kein Interesse. Schließlich hat er bei Beth alles, was er braucht, wird umhegt und gepflegt - kurz gesagt, mit der Wildnis kann er überhaupt nichts anfangen. Am liebsten möchte er den lästigen Elliot so schnell wie möglich loswerden. Doch dieser lässt sich nicht abschütteln. Gerade als dieser wieder durch die Stadt läuft ("Ein Hirsch auf zwei Beinen - das ist wider die Natur", meint dazu nur entsetzt Shaw) kommt es zur turbulenten Verfolgungsjagd, bei der er sich hinter die Bühne von Boogs Wildtiershow zu retten versucht.
Bei Boogs verzweifeltem Versuch, den enervierenden Hirsch abzuschütteln, sieht es durch den Theatervorhang und das Schattenspiel so aus als würde er seine gehörnte Klette jagen und dann töten. Die Menge flieht in Panik und nachdem auch eine gemeinsame Sause durch den Minimaat beider Tiere im Zuckerrausch Boogs geendet hat, folgt Beth dem Rat des indianischen Sheriffs und setzt beide per Helikopter im Reservat aus. Und damit fangen Boogs Problem wirklich erst an.
Denn in Kürze startet die Jagdsaison. Da möchte der wildnisuntaugliche Bär selbstverständlich lieber in der sicheren Garage weilen und nicht von Herden von schottischsprechenden Eichhörnchen (köstlich!), emsigen Bauarbeiterbibern, herrschsüchtigen Hirschen oder traumatisierten Enten terrorisiert werden. Dummerweise sprengt der tolpatschige Bär gleich den Biberdeich und spült die ganze Tierschar mit der gewaltigen Flutwelle (überragende Animation!) aus dem Reservat erst ins eigentliche Jagdgebiet.
Nun wollen alle Tiere ins Refugium der sicheren GARAGE... Warum nicht den Spieß umdrehen?, fragt sich Boog, denn wenn er eines in den paar Tagen gelernt habe, dann sei es, dass die Wildnis ganz schön gefährlich ist! Was danach folgt, ist eine kunterbunte und temporeiche Slapstickjagd der Tiere auf die Jäger, die schließlich einen letztlich gelungenen Animationsfilm abrunden. Wer wie Sony geschickt die zweiten Männer und Frauen hinter den Animations-Erfolgen vergangener Jahre verpflichtet, kann auch durchaus mit einem Feuerwerk an Einfällen rechnen.
Denn Roger Allers ("Die Schöne und das Biest"), Jill Culton ("Monster AG") und Anthony Stacchi ("Hook") verstehen sicherlich ihr Handwerk. Dabei hat der ausführende Produzent Steve More mit seinem 15 Jahre alten Comic "In the Bleachers" bereits die Storygrundlage (Hirsch mit nur einer Geweihstange als schwarzes Schaf des Waldes) gegeben. Vor allen Dingen waren die Macher so klug bei der Ausgestaltung der Handlung und der Dialoge sowohl den digitalen "Zeichnern" als auch den Schauspielern freie Hand gegeben zu haben. Noch nie sah man in einem Zeichentrick sich eine Figur "erleichtern" oder erbrechen. Und dies geschieht hier auf noch nicht einmal peinliche sondern nur komische Art. Dabei gewinnt der Audiokommentar doppelte Prägnanz, wenn das Regiegespann augenzwinkernd erzählt wie lange man über die Konsistenz von Boogs "Brecherchen" am Garagenfenster diskutiert habe.
Die dabei realisierten Szenen und sehr verformbaren Figuren sind ebenso komisch wie aufwändig überzeugend umgesetzt worden. Die mehrfache digitale Kreisfahrt um den Pickup Slays während der Bewegung ist genial eingesetzt worden, wie auch die Flutszene ("Splash Mountain") mittels des extra geschriebenen Wassercodes eine Innovation darstellt. Bei den Extras kann man sich diese sogar dank der Multiangle-Funktion in allen vier Produktionsstadien anschauen. Die optisch zum Teil sehr skurril erscheinenden Tiere und Menschen unterscheiden sich wohltuhend von anderen digitalen Werken. Hier scheint sich wie in "Himmel und Huhn" oder "Der tierisch verrückte Bauernhof" mehr der Trend zur klassischen Zeichentrickkarikatur hin und weg vom puren Realismus durchzusetzen. Dennoch hat man dem Bären eine regelrechte Fellstruktur gegeben - aber selbstverständlich die eines Plüschteddys!
Kommen wir nun zum Manko des Films. Normalerweise empfehle ich ausdrücklich den O-Ton derartiger Produktionen. Doch sehe ich Lawrence und Kutcher als notorische Dummschwätzer schlecht besetzt, während die Nebendarsteller alle gut bis sehr gut gesprochen worden sind, insbesondere Connolly ("Cletis Tout") als dominantes Obereichhörnchen McSquizzy mit den unflätigsten schottischen Flüchen der Filmgeschichte. Gerade in den Hauptrollen empfand ich die deutsche Besetzung besser. Die Filmmusik und auch die eingespielten Songs von Paul Werterburg unterstreichen passend den Charakter der Szenen. Das animierte Menü ist amüsant als Cartoon gestaltet und die umfassenden Extras lassen nichts zu wünschen übrig. Als erste gemeinsame Arbeit von Sony und Imageworks ist der Film ein überzeugende Debüt geworden. Noch etwas: "No rabbits were harmed by making this movie" (Danke @David Feiss - Head of Story) - der Running Gag mit den Kaninchen ist einfach Spitze!
(kh)
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