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Romantisch
Ein Offizier und Gentleman - SE
geschrieben von klaus_h am 02. Apr 2007
Up where we belong
Ein "Offizier und Gentleman" feiert schon Silberne Hochzeit?! Kinder, wie die Zeit vergeht. Dabei ist es noch das Schönste, dass Paramount diesen immerhin mit zwei Oscars garnierten modernen Filmklassiker in der Special Edition mit wirklich neu produzierten Extras bestückt hat, die den Filmgenuss noch veredeln. Aber auch so hat die Doppel-DVD einiges zu bieten: Richard Gere ("Darf ich bitten?", "Chicago") am Beginn seiner Karriere, Debra Winger ("Eulogy"), Louis Gosset Jr. auf dem Zenit seines Könnens und David Caruso ("CSI: Miami") - in einer Nebenrolle versteckt. Dazu ein guter Score dank Jack Nitzsche ("Crossing Guard"), Joe Cocker und Jennifer Warnes...
Ein Offizier und Gentleman - SE
USA - 1982
Veröffentlichung: 08.03.07
Regie: Taylor Hackford
Darsteller: Richard Gere, Debra Winger, Louis Gosset Jr., David Keith, Robert Loggia, Lisa Blount, Lisa Eilbacher, David Caruso u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch - vorbildliche Special Edition dank der Extras
Unsere Wertung: 92%
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 119 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 2.0 (Mono)
Extras:
• Audiokommentar des Regisseurs
• Ein Offizier und Gentleman - 25 Jahre später (35:00)
• Rückkehr nach Port Townsend
• Schule für Offiziersanwärter in Pensacola - Einblicke
• Die Musik von "Offizier und Gentleman"
• Gere und Gosset im Nahkampf (Karatetraining)
• TV Spots
• Fotogalerie (vom Set)
• Kinotrailer
Dabei wollte ursprünglich den Film - außer dem Regisseur - niemand drehen. Der Vietnam-Krieg machte das Thema Militär zum Kassengift, sodass das Drehbuch des Insiders Douglas Day Stewart fünf Jahre lang zwischen den Studiobossen hin und her geschoben wurde. Erst als sich drei Produktionsbosse bei Paramount zusammen taten, konnte das Projekt ohne offizielle Hilfe der Navy realisiert werden. Wer damals wie heute den Film lediglich als Werbefilm für die Marines abklassifiziert, dürfte jedoch in Unkenntnis des ganzen Films und dessen Vorgeschichte allzu schnell die Parallele zu "Top Gun" ziehen.
Denn sowohl Gere ("Hunting Party", "Der große Bluff - Das Howard Hughes Komplott"), den man nach "American Gigolo" als Zugpferd der Produktion verpflichtete, als auch Hackford ("Ray", "Dolores") hätten mit einem derartigen Sujet nach eigenen Bekunden auf den Extras nichts anfangen können. Hackford sieht in dem Film sogar eine Ode auf den "Working Class Hero". Fast alle Protagonisten stammen aus der Arbeiterklasse und wollen mit Hilfe dieser Ausbildung weitere soziale Stufen erklimmen. Aufgrund der sozialen Situation der Staaten auch heute noch zeitgemäß. Doch kommen wir zur eigentlichen Story:
Zack Mayo (Gere) kommt aus desolaten Familienverhältnissen. Nachdem sich seine alleinerziehende Mutter umgebracht hatte, wird er zu seinem Vater, einem herumhurenden (sorry, anders kann man es nicht beschreibenden), ständig alkoholisierten Sergeant (Loggia) bei der Marine auf den Philippinen abgeschoben. Dort wächst in direkter Nachbarschaft des Rotlichtbezirks auf, wo er alle dreckigen Tricks zum Überleben lernt. Eines Tages entschließt er sich in Port Townsend, Washington, die Offiziersanwärterschule der Marineflieger zu besuchen.
Rasch wird seinen Kameraden und ihm klar, dass ihnen in dieser harten Zeit eine doppelte Gehirnwäsche bevorsteht: Ihr Drillsergeant Foley (Gosset Jr.) scheint den Willen und die individuelle Persönlichkeit jedes Einzelnen brechen zu wollen, um ihnen den "Teamgeist" der Marines nahe zu bringen. Erst sehr spät lernt der schlitzohrige Mayo, der von Foley bald nur noch höhnisch "Mayonnaise" gerufen wird, dass er als Einzelkämpfer in diesem Team kaum überleben kann.
Aber auch seinen Kameraden fällt der Dienst schwer. Sein Freund Sid (Keith: "NCIS") fällt entgegen den Warnungen auf die "Verlockungen" der heiratswütigen Frauen aus der benachbarten Papierfabrik herein, um aus scheinbarem Pflichtgefühl heraus eine folgenschwere Entscheidung zu fällen. Aber auch Zack ist hin und her gerissen zwischen seiner Zuneigung zur romantisch-realistischen Paula (Winger) und dem eigenen Karrierestreben. Nicht für alle Protagonisten wird dies am Ende gut ausgehen...
Was einem als erstes an diesem Film auffällt, ist die gute Bildqualität und die immer noch ansprechende Inszenierung. Regisseur Hackford bevorzugte nicht nur fortschrittliche Perspektiven sondern eben auch eine besondere Form der Motivierung seiner Akteure. So bediente er sich des Kunstgriffs, Gosett absichtlich von den anderen Schauspielern zu trennen, um die emotionale Distanz besser darstellen zu können. Gosett selbst bekam seinerseits von zwei verschiedenen Gunnery Sergeants Unterricht, der ihn dazu befähigte seine Rolle wirklichkeitsgetreu zu spielen. Gosetts Aussage, dass eigentlich diese beiden seinen Oscar verdient hätten, klingt daher um so ehrlicher.
Überhaupt sind die eigens produzierten Extras diesmal - wie übrigens auch bei "Grease" - wirklich als solche zu bezeichnen. Neben dem Audiokommentar glänzt "Offizier und Gentleman - 25 Jahre danach" mit ausführlichen Interviews des Regisseurs, des Drehbuchautors, des Texters, Gere, Gosett, Keith, Caruso, Eilbacher, Dana und Washington. An allen ist der Zahn der Zeit nicht vorbeigegangen; was aber überrascht, ist der immer noch vorhandene latente Zusammenhalt dieser Truppe, die laut eigenem Bekunden zumindest noch per Mail Kontakt hält. Caruso, Keith und Dana amüsieren durch einige Anekdoten, während die anderen mehr über die damaligen Drehmethoden erzählen.
"Rückkehr nach Port Townsend" zeigt Gosset am ehemaligen Drehort, dem Teil eines Nationalparks, einer Kaserne aus dem 19. Jahrhundert, die die Ausbildungsstätte darstellen musste. Dabei ist es schon erstaunlich zu sehen, wie sehr selbst die heutige Bevölkerung dieser Stadt noch immer eine gute Erinnerung an den Film hat. Damals machte der Ort eine wirtschaftliche Depressionsphase durch, sodass die zusätzlichen Arbeitsstellen willkommen waren. Makabrerweise dient jenes Motelzimmer, indem sich Sid Walley am Ende erhängt, heute als "Offizier und Gentleman"-Suite. Doch Gere und Keith, die es beide recht schwer mit der Szene hatten, können nur gutmütig darüber lächeln.
"Schule für Offiziersanwärter in Pensacola - Einblicke" mag auf den ersten Eindruck nun doch wie ein Werbefilm für die Marines aussehen. Da man aber zwischen den Zeilen der Aussagen der Kadetten und ihrer jungen Ehefrauen lesen kann, sind deren Aussagen doch recht ambivalent. Jeder sieht darin den möglichen sozialen Aufstieg - aber die meisten haben Angst vor dem möglichen Einsatz. Gerade diese Haltung kommt auch in den Briefen an Michael Moore zum Ausdruck. Einige der Erklärungen sind jedoch sehr hilfreich für das Verständnis des Ausbildungsprozedere.
Die übrigen Extras überraschen zwar nicht so sehr, sind aber guter Standard. Insgesamt also eine lohnende Anschaffung für den echten DVDmaniac. Allerdings hinterlassen einige Szenen des harten Drills in Zeiten, in denen Ausbilder der Bundeswehr wegen angeblich ähnlicher Handlungen gegenüber Rekruten in Coesfeld vor dem Landesgericht Münster wegen Verletzung der Dienstpflicht und Misshandlung verantworten müssen, einen schalen Beigeschmack.
(kh)
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