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Thriller
 Unruly
geschrieben von klaus_h am 14. Apr 2007

Ohne jede Regel!

Unruly-CoverFilme und DVDs verkaufen sich meist mit prominenten Darstellern. So ist es sicherlich legitim, wenn beim ein oder anderen Durchbruch von den Vertrieben auch Jugendwerke aus dem Archiv hervorgekramt werden. Der französische Thriller steht eh in einem guten Ruf und das Darsteller- und Ehepaar Vincent Cassel ("Die purpurnen Flüsse", "Entgleist", "Public Enemy") und Monica Belluci ("Agents Secrets", "Brothers Grimm") sollte für gute Qualität sorgen.

Unruly
Frankreich - 1996
Veröffentlichung: 15.02.07
Regie: Philippe Bérenger
Darsteller: Vincent Cassel, Monica Belluci, Enrico Lo Verso, Richard Bohringer u.a.
"Nochmal"-Faktor: mäßig
Unsere Wertung: 55%
FSK: ab 18
Laufzeit: 97 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1 DTS/ Italienisch/Französisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9 (1,78:1)
Untertitel: Deutsch
Extras: Fehlanzeige
Der Marseiller Kleinganove Pitou (Cassel) kehrt nach einigen Jahren Gefängnis in seine Heimat zurück. Doch diese ist ihm fremd geworden. Seine damalige Freundin Marguerite (Belluci) ist nun mit seinem recht bürgerlichen Bruder Georges verheiratet und hochschwanger. Der beste Freund Gilles (Enrico Lo Verso: "Alatriste"), der eigentlich aus gutem Hause kommt, hat nun enge Verbindungen zur Mafia. Pitou hat sich gewandelt, will trotz seiner aufbrausenden Natur keine "krummen Dinger" mehr drehen und wird dennoch in ein Netz der Gewalt verstrickt, das sich dank Gilles und seiner skrupellosen Handlanger immer mehr zuzieht.

BeispielEines Abends verhindert er als Barkeeper in Gilles' Nachtclub die Vergewaltigung einer jungen Frau, was die erwähnten Handlanger schon gegen ihn aufbringt. Als aber deren Freunde die Täter zur Rede stellen wollen, richten diese ein Blutbad an: Fortan werden Pitou und ein kleiner Araberjunge, die beide Augenzeuge des Massakers wurden, von Gilles unbarmherzig gejagt. Als sich Pitou bei seinem einstigen Freund Hassan im Araberghetto unerreichbar verkriecht, geht Gilles zum Äußersten und erschießt hinterrücks Pitous Bruder, um den lästigen Augenzeugen aus seinem Versteck zu locken...

Zugegeben - derartige Rachegeschichten, die dann noch in Marseille spielen, hat es gerade im französisch-italienischen Kino häufig gegeben. Allerdings lebt dieser Film in seinen positiven Teilen von der schauspielerischen Stärke und physischen Präsenz Cassels und der schonungslosen Schilderung der Marseiller Elendsquartiere. Was den Film schwächt, ist die überaus brutale und schlecht inszenierte Form der Gewalt. Der Geräuschakustiker scheint einem "Bud Spencer & Terence Hill"-Film entsprungen zu sein - derart knallende Schläge und pfeifende Schüsse habe ich seit den 70er Jahren nicht mehr gehört.

BeispielZudem scheint sich der Regisseur stellenweise an den Leidens- und Sterbeszenen über Gebühr zu weiden. Logiklöcher gibt es in dem Film einige, das Verhalten der meisten Akteure ist in keiner Weise rational und die eigentlichen Mafiageschäfte Gilles' bleiben im Dunkeln. Amüsanterweise sind dessen Handlanger extrem rassistisch, sehen aber wie ihr Chef mehr wie Araber aus als jene, die sie ständig verachten bzw. beschimpfen. Außerdem empfand ich die aktive Beteiligung des Araberjungen am finalen, völlig chaotischen Showdown als überflüssige Dreingabe eines unbeholfenen Drehbuchs.

Was von dem Film bleibt, sind ein paar gute Szenen Cassels, die Erinnerung an die Ghettos Marseilles und das schön skurrile Bild der hochschwangeren Belluci im schwarzen Kleid, die Pitou mitten in das Araberviertel hinein die Pistole zur Rache überbringt. Als Comic ein schönes Motiv - im Film leider nur mäßig umgesetzt und letztlich unglaubwürdig. So gesehen ist die DVD dann auch nur kategorischen Cassel-Belucci-Fans zum empfehlen, die einmal sehen wollen, was diese vor ihrem Durchbruch so alles geleistet haben. Ihr Potenzial zeigen sie auf jeden Fall. (kh)

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