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Dokumentation
Planet Erde - Staffel 2
geschrieben von stephan am 19. Apr 2007
So schön ist die Erde
Im Herbst 2006 war die erste Staffel von "Planet Erde" mit fünf Folgen im ERSTEN zu sehen (eine DVD gibt's natürlich auch) und ich war ganz begeistert von der Qualität der Aufnahmen. Besonders die Folgen "Höhlenwelten" und "Wüstenwelten" gefielen mir sehr gut, weil man viele Bilder und Tiere zu sehen bekommt, die man vorher noch nie oder zumindest nicht auf diese Art gesehen hatte. Logisch, dass ich ganz gespannt auf die zweite Staffel war, die kürzlich bei ORF und ARD zu sehen war und nun auf DVD erschienen ist.
Planet Erde - Staffel 2
Großbritannien 2006
Veröffentlichung: 23.03.07
Regie: Alastair Fothergill
Sprecher: Norbert Langer
"Nochmal"-Faktor: hoch - tolle Bilder zum immer wieder Anschauen
Unsere Wertung: 98%
FSK: o.A.
Laufzeit: ca. 380 Min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch & Englisch (DD 2.0)
Bildformat: 16:9
Untertitel: leider keine
Extras:
Elf Filmtagebücher á ca. 10 Min. (OmU):
Das Auge im Himmel
Die Schneeleoparden-Suche
Tauchgang mit Piranhas
Reise in den Abgrund
Die Jagd nach dem Wildkamel
Lebendig im Gefrierschrank
Dreh im Dunkeln
Ärger im Paradies
Die Hai-Suche
Die Waldflieger
Die Ozeanwanderer
Kinotrailer "Unsere Erde - Wunder des Lebens"
Wie ich erwartet habe, sind auch die neuen sechs Folgen von sehr hoher Qualität. Man merkt in jeder Sekunde, dass das Team mit hervorragender Technik unterwegs war und sich verdammt viel Mühe bei der Produktion gegeben hat. Einen Einblick in die extrem aufwändige Produktion bieten diesmal elf zehnminütige Filmtagebücher, in denen in Ausschnitten gezeigt wird, wie schwierig es zum Teil war, an die gewünschten Bilder zu gelangen.
Um zum Beispiel einen Schneeleoparden mussten Kameraleute und Co. tagelang durch die Berge des Himalayas wandern um dann an einem Ort geduldig auszuharren in der Hoffnung, dass irgendwann mal ein Tier vorbei schaut. Viele Stunden täglich alleine in einem ungemütlichen Unterstand - für mich wär das nix. Man muss die Leute nur bewundern, mit welcher Ausdauer und Begeisterung sie bei der Sache waren um uns Zuschauern solch einmalige Bilder präsentieren zu können.
Damit wir die Baobab-Bäume auf Madagaskar von allen Seiten sehen können, wurde extra ein neuer Kamerballon konstruiert, in dem Pilot und Kameramann saßen wie in einem Sessellift. Zunächst kollidierte der Ballon mit einem der Bäume, doch keinem der Beteilgten passierte etwas. Danach entstanden sehr beeindruckende Bilder dieser Riesenbäume. Auch bei der Beobachtung einer Wildhundejagd im Okawango-Delta ging manches schief; im Lager brach ein Feuer aus und die Wildhunde wollten nicht so wie das Team. Doch schließlich gelangen mit der an einem Hubschrauber angebrachten Heligimbal-Kamera - ursprünglich fürs Militär entwickelt - die gewünschten Bilder.
In der ersten Folge "Eiswelten" begegnen wir Buckelwalen, Eisbären, Pinguinen, Walrossen, Karibus und jede Menge Vögel. Besonders beeindruckend sind die Bilder von den Kaiserpinguinen, die in der Antarktis jedes Jahr rund 200 Kilometer landeinwärts wandern, um dort für Nachwuchs zu sorgen. nachdem die Weibchen ihre Eier gelegt und an die Männchen zum Ausbrüten übergeben haben, machen sie sich wieder auf den Rückweg um Nahrung zu besorgen. Währenddessen drängen sich die Männchen eng aneinander um die Eiseskälte (bis zu Minus 60 Grad!) zu ertragen. Dabei muss kein Tier die ganze Zeit an der Außenseite stehen bleiben, sondern es findet ein steter Wechsel statt.
Die zweite Folge heißt "Graswelten". Ich verbinde mit Gras eigentlich nur Wiesen und Kühe; dass Gras mehr als ein Viertel der Erdoberfläche bedeckt und in unzähligen Erscheinungsformen in allen Gebieten der Erde vorkommt, war mir nicht wirklich bewusst. Zudem ist es sehr robust und wächst in allen Klimazonen, sogar wenn es überflutet wird. So ist auch diese Folge sehr abwechslungsreich und Kühe sucht man vergebens. :-).
Stattdessen sehen wir zum Beispiel Blutschnabelweber, die mit anderthalb Milliarden (!) die zahlreichsten Vögel der Erde stellen. Die Geräusche, die das Flattern so vieler Tiere verursacht, sind unbeschreiblich. Dazu gesellen sich Gnus, Kaffernbüffel, Bärenpaviane in Afrika, Elefanten, Nashörner und Wildschweine in Indien und Schneegänse, Karibus und Polarfüchse in der arktischen Tundra.
Die Folgen "Meereswelten" und "Tiefseewelten" bieten ebenfalls tolle Aufnahmen und seltsame Tiere, aber da ich schon "Der blaue Planet" mehrfach von vorne bis hinten gesehen habe, haben mich diese erst einmal nicht sonderlich interessiert - im Gegensatz zu den "Waldwelten". Zuerst einmal geht es wie mit einem Aufzug langsam auf die hächsten Bäume der welt, die Redwoods in Kalifornien. Danach zeigen uns Regisseur Alastair Fothergill und seine Mannschaft erstaunlich vielfältige Waldgebiete.
In den verschneiten Wäldern Sibiriens erleben wir die tapsigen ersten Flugversuche eines Bartkauzkükens, dass den Baum mehr herunterfällt als fliegt. In Chile leben einige Tiere im Miniaturformat, zum Beispiel der Pudu, der kleinste Hirsch der welt und das Kodkod, die kleinste Katze Amerikas. In Russland treffen wir Mandarinküken, die todesmutig aus ihrem in ca. zehn Meter Hähe gelegen Nest springen ohne sich dabei zu verletzen und im Osten der USA schlüpfen alle siebzehn Jahre mehr als eine Milliarde Zikaden, der größte Masenschlupf der Welt. Das bedeutet für die anderen Bewohner des Waldes erst jede Menge Futter - und nach kurzer zeit ist der Spuk schon wieder vorbei und erst siebzehn jahre später schlüpfen wieder neue Tiere.
Die letzte Folge bringt uns dann in "Dschungelwelten". Die tropischen Regenwälder bedecken zwar nur ca. drei Prozent der Erdoberfläche, aber in ihnen leben mehr als die Hälfte aller Arten. Von geduldigen Kameramännern eingefangene Bilder der Balz der Paradiesvögel (sehr erstaunliche Tiere) sind ebenso zu sehen wie jede Menge Affen, Frösche, Insekten, Waldelefanten.
"Planet Erde" kann ich jedem, der sich auch nur ein wenig für die Natur interessiert, dringend ans Herz legen. Die Bilder sind einfach toll (ich weiß, ich wiederhole mich) und auch beim wiederholten Mal beeindruckend. Dabei hat man anscheinend auf digitale Tricks verzichtet, dafür aber die modernsten Kameras eingesetzt. Man ist in die abgelegensten Winkel der Erde gereist, hat mit Geduld und ferngesteuerten Kameras Aufnahmen gemacht, die einen immer wieder fragen lassen "Wie haben die das gemacht?". Was die Filmtagebücher leider nicht erklären ist, wie man es geschafft hat, die ganzen Zeitrafferaufnahmen herzustellen, die nicht nur statisch sind, sondern auch Kamerabewegungen beinhalten.
Anscheinend soll in diesem Jahr auch ein Film in die Kinos kommen. Da man insgesamt fünf Jahre an dem Projekt "Planet Erde" gearbeitet hat, kann ich mir vorstellen, dass noch weitere Serien oder Filme entstehen werden. Genug Material müsste man jedenfalls haben. Vielleicht widmet sich man dann in den einzelnen Folgen bestimmten Ländern/Regionen oder Tiergruppen. Ich würde mich freuen, denn obwohl es inzwischen elf Folgen gibt, habe ich noch nicht genug. (svl)
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