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Thriller
Journey to the End of the Night
geschrieben von klaus_h am 02. Mai 2007
Ein Koffer voller Koks in São Paulo
Was ich im heutigen Kino am meisten vermisse, ist eine orginelle Idee und eine entsprechende Umsetzung! Hier habe ich dies ausgerechnet in einer Produktion gefunden, die in der Verpackung eines B-Movies auftritt. Ein Reigen der Gewalt um einen Koffer voller Kokain in einer der gefährlichsten Städte Brasiliens und die damit verbundenen Begierden und Träume. Wenn allerdings der Produzent von "Die Bourne Identität" und "Gottes Werk und Teufels Beitrag" das Geld für die Idee des jungen Regisseurs Eric Eason ("Manito") beisteuert und mit Brendan Fraser ("Teuflisch"), Scott Glenn ("Das Schweigen der Lämmer") und Mos Def ("Per Anhalter durch die Galaxis", "Ricky Bobby") drei Zugpferde eingespannt werden, sollte man das Experiment unbedingt probieren.
Journey to the End of the Night
USA - 2006
Veröffentlichung: 01.02.2007
Regie: Eric Eason
Darsteller: Brendan Fraser, Scott Glenn, Mos Def, Catalina Sandino Moreno, Alice Braga, Antonio Pinto u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 91%
FSK: ab 18
Laufzeit: 85 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1 u. DTS/ Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 1,85 (anamorph)
Untertitel: Deutsch
Extras:
• Making of
• Trailer
• Bio- u. Filmographien (wirklich ausführlich!)
Über diesem Koffer scheint ein Fluch zu liegen. Brutal wird der Zuschauer in die Handlung hineingerissen. Ein hünenhafter Neger stirbt beim heftigen, aber kurzen Sex mit einer transsexuellen Hure an seinem schwachen Herzen. Zu dumm, dass er nun als Drogenkurier für seinen Chef Sinatra (Scott Glenn: "Surfer, Dude") ausfällt. Dieser "Nachtclub"-Besitzer war nur deswegen in dessen Besitz gelangt, weil eine eifersüchtige Ehefrau ihren Mann in Sinatras Bordell (nichts anderes ist dieser Nachtclub) erschossen hatte. Zurück blieb der besagte Koffer. Schon entwickelt sich für ihn der Traum vom Ausstieg aus der Halbwelt Sao Paulos schwieriger als gedacht.
Denn für den Job sind gewisse Sprachkenntnisse erforderlich: Nigerianisch, da man stets mit den entsprechenden Besatzungen dieser Schiffe dealt. Also fällt die Wahl auf den Tellerspüler Wemba, einen naiven, aber gutwilligen Toren, dem nicht viel anderes übrig bleibt, um wenigstens seinen eigenen Job zu behalten. Mos Def, der mir übrigens zuvor weder als Rapper noch als Schauspieler gefiel, spielt in dieser Rolle übrigens derart glaubhaft, dass man sich fragt, warum er diese Performance nicht schon früher absolviert hat.
Für Wemba beginnt wahrhaft ein Reise bis ans Ende der Nacht, in der es vor Gefahren nur so wimmelt. Einzig und allein die junge Monique (Alice Braga: "City of God"), die sich ihm mehr zufällig anschließt, scheint ein Hoffnungsschimmer zu sein. Doch für Sinatra rückt das Ziel sich endlich mit seiner jungen Frau Angie (Catalina Sandino Moreno, "Fast Food Nation", "Der Erde so nah")) samt Söhnchen ins Landesinnere Brasiliens abzusetzen in weite Ferne, als ihm sein Sohn Paul (Brendan Fraser, "Der stille Amerikaner") aus erster Ehe dazwischenfunkt. Denn Paul will das gesamte Geld, Angie und in die Staaten zurück kehren. Der Choleriker setzt alles daran, sich in den Besitz des Kokains bzw. Geldes zu setzen.
Dabei schreckt er weder vor Mord noch vor Erpressung zurück. Aber auf diesem Weg macht sich Paul ausgerechnet mit dem oben erwähnten Transvestiten einen Feind, den es nicht zu unterschätzen gilt. Doch selbst der korrupte Polizist Moosbruger (Antonio Pinto: "Lord of War - Händler des Todes", "Alle Kinder dieser Welt") will seinen "Schnitt" machen...
Filme, in denen jeder ein selbstsüchtiges Motiv hat, den anderen zu hintergehen, leben von dem Spiel ihrer Akteure und der eingefangenen Atmosphäre. Regisseur Eacon kam eigenen Worten zufolge bei einer Südamerikareise auf diese Filmidee. Diese wird sowohl von seinem deutschstämmigen Kameramann Ulrich Burtin in hochwertigen DV-Bildern eingefangen als auch vom gesamten Schauspielerensemble gut umgesetzt.
Trotz der verschlungenen Handlungsfäden - so erfährt die Prophezeiung eines Wahrsagers erst im Nachhinein einen tieferen Sinn - wirken die Wendungen nicht unlogisch. Die zum Teil schockierende Brutalität - man denke nur an jene Szene, in der Paul der transsexuellen Hure das Gesicht mit einem Rasiermesser aufschlitzt - ist nicht Selbstzweck, aber dennoch nichts für Zartbesaitete. Der stimmige Score (Elia Cmiral) unterstützt die Handlung gut, das Bild hat trotz der Dunkelheit, durch die nahezu in Echtzeit die Jagd geht, die notwendige Lichtstärke und Kontraste. Die Extras überraschen bei einem derartigen Film positiv.
Außerdem hat mich am Film gefreut, dass das US-Kino einmal nicht nur aus Geldgründen einen exotischen Drehort realistisch eingefangen hat und Fraser damit wohl seinen "typecast-Spell" überwinden konnte. Das Filmende gefällt dank der stilsicheren Auflösung, die bei aller pessimistischen Melancholie doch einen positiven Ausblick beinhaltet. Daher bin ich gespannt auf die weiteren Werke dieses Regisseurs, der es wesentlich besser macht als andere Gelegenheitsdrehbuchautoren (vgl. "Out of Season"). Freunde des schmutzigen Thrillers sollten sich die DVD unbedingt zulegen oder ausleihen!
(kh)
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