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Komödie
Wo ist Fred?
geschrieben von klaus_h am 15. Mai 2007
German Screwballcomedy
Eine Komödie über Behinderte? Ist das politisch korrekt? In den USA wohl im Moment nicht, da die ursprünglich amerikanische Drehbuchvorlage dort auf wenig Gegenliebe stieß. Aber genau genommen
gibt es in Europa bereits längst romantische Komödien über/mit Behinderte/n: "Jenseits der Stille", "Stille Liebe", "Erbsen auf halb 6" oder "Am achten Tag". Also fasste sich Produzent Philipp Voges ein Herz, schnappte sich Drehbuchautor Dora Dagtekin ("Türkisch für Anfänger - Staffel 1", "Türkisch für Anfänger - Staffel 2.1 & 2.2"), Til Schweiger ("Der Bewegte Mann", "King Arthur"), Jürgen Vogel ("Die Apothekerin"), Christoph Maria Herbst ("HUI BUH - Das Schlossgespenst") und drehte dank Regisseur Anno Saul eine muntere Screwballcomedy. Diese hat sogar den Vorteil mehr Tiefgang zu haben als man vielleicht annehmen möchte.
Wo ist Fred?
Deutschland - 2007
Veröffentlichung: 15.05.2007
Regie: Anno Saul
Darsteller: Til Schweiger, Jürgen Vogel, Christoph Maria Herbst, Anja Kling, Tanja Wenzel, Kurt Krömer, Ursula Monn u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 94%
FSK: ab 12
Laufzeit: 107 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 1,85:1
Untertitel: Deutsch
Extras:
• Audiokommentar des Regisseurs
• Making of
• Interviews Cast & Crew
• Outtakes
• B-Roll
• "Wo ist Fred?"-Premiere
• Trailer
Eigentlich möchte der Polier Fred (Schweiger) seiner Freundin Mara (Kling) nach dem Baskeballspiel von Heimmannschaft Alba Berlin endlich einen Heiratsantrag machen. Dumm nur, dass er dabei erstmals ihren Sohn Linus, einen dicken, verzogenen 10-jährigen Kotzbrocken kennenlernt. Dieser weiß ganz genau, dass er seine Mutter im Griff hat und Fred nur über ihn an die Mama kommt. Da Linus bisher alles bekommen hat, erpresst er nun Fred, dass dieser für ihn den persönlich von Star Mercurio Müller geworfenen Rekordball ergattert. Dumm, dass Mercurio diesen aufgrund des von Marketing-Hai Held ausgeklügelten Werbeprinzips stets auf die Behinderten-Tribüne geworfen hat.
Freds Kumpel Alex (Vogel) vom Bau erkennt sofort, worin Freds Problem liegt: "Du bist nicht behindert!" Also karrt er den widerstrebenden Möchtegernhochzeiter in einem Rollstuhl zum nächsten Spiel. Bereits dort bekommt Fred einen Vorgeschmack auf das, was später folgen wird. Als er sich vermeintlich über den letzten entgangenen Platz aufregen möchte, wird er einfach vom übereifrigen Ordnerpersonal mithilfe eines Sanitäters per Riesenberuhigungspritze "ruhiggestellt". Nun sitzt er "regelrecht" behindert im Drogenrausch neben Ronnie (Herbst), dem eigentlich größten Fan von Alba und Mercurio, der seinerseits endlich den Ball ergattern will.
Rechtzeitig flaut die Wirkung ab, Fred greift schnell zum Steuerknopf von Ronnies Rollstuhl und hält endlich den Ball in Händen. Doch nun geht es erst richtig los.
Denn Alba Berlin möchte ein Behinderten-Benefiz-Promotion-Filmchen produzieren. Die schnuckelige Denise (Lara) soll darin Regie führen und Fred der Hauptdarsteller sein. Statt 15 min zweifelhaften Ruhms blühen ihm nun eine Woche Dreharbeiten, Pflegeheim, ungesicherten Fahrten auf Alex' Pickup (juppidka), rasante Abfahrten das Treppenhaus herunter ("boah, neuer Rekord!") und viele, viele peinliche Momente, die ihn am liebsten im Boden versinken lassen möchten. Darüber hinaus merken die anderen Behinderten recht schnell, dass er selbst keine Behinderung hat.
Doch sie spielen die Komödie weiter, weil Ronnie - selbst ein regelrecht bemitleidenswertes Ekelpaket - nur eben diesen einen großen Traum hat: als Megafan in diesem Spot mitzuspielen. Also läuft der wechselseitige Deal - Fred, der angeblich nicht sprechen kann, lässt Ronnie möglichst oft ins Bild und eben zu Wort kommen. Allerdings merkt Fred allmählich, dass er mit dieser ganzen Aktion allen Beteiligten keinen Gefallen erweist und sich Denise und er ineinander zu verlieben scheinen...
Was peinlich werden könnte, ist dank des Drehbuchs und der Schauspieler eine richtig gute Komödie mit viel Dialogwitz und Situationskomik geworden. Dazwischen gibt es auch einige Slapstickmomente. Diese tun dem Ganzen aber keinen Abbruch. Denn es gibt auch etliche schräge Momente, wie z.B. das Überreichen der immer mehr verwelkenden Sonnenblume als moralische Botschaft zwischen den einzelnen Behinderten, die sehr deutlich zeigen, dass der Film auch die Vereinnahmung von Behinderten durch die Werbung kritisiert. Er selbst lässt hingegen allen Betroffenen, die in erster Linie von Akteuren der Behindertenmannschaft von Alba Berlin dargestellt werden, ihre menschliche und darstellerische Würde.
Vogel ("Buddies - Leben auf der Überholspur", "12 Winter") und Schweiger spielen sich die Bälle nur so zu. Herbst hat - wie er selbst bekundet - kindischen Spaß bei den Dreharbeiten gehabt, da er ja den Ferrari unter den Rollstühlen zu Verfügung hatte und füllt die Rolle des traurigen Ekels sehr gut aus. Kurt Krömer hat einen herrlichen Cameo als nörgelnder Beamtenfuzzi von der Bauaufsicht und TV-Altstar Ursula Monn glänzt als Maras Mutter mit betulicher Schwiegermama-Korrektheit: "Der Schäuble sitzt doch auch im Rollstuhl". Alexandra Maria Lara hat mir hier endlich einmal gefallen, weil dies aber auch ihrer eigenen Persönlichkeit entsprochen haben dürfte. Die Extras sind umfassend, allerdings zündet nicht jeder der allzu vielen Outtakes und die Premierenfeier zeigt auch nur, wie hilflose Pro7-Moderatoren sich verzweifelt an Kinderdarstellern "festhalten", wenn sie die eigentlichen Stars (noch) nicht ans Mikro bekommen. Der selbstironische Audiokommentar des Regisseurs hingegen gibt viele Aufschlüsse über die Drehbarbeiten. Insgesamt also überzeugendes Comedyfutter mit passablen Extras. Empfehlenswert. (kh)