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Thriller
Black Box - SE
geschrieben von klaus_h am 26. Mai 2007
Was, wenn ein Mörder in dir schlummert?
Arthur (José Garcia: "Après vous - Bitte nach Ihnen!") ist gerade nach einem Verkehrsunfall aus dem Koma aufgewacht. Seine Erinnerungen sind wirr, teilweise leidet er an Amnesie. Da ist die hübsche Krankenschwester Isabelle (Marion Cotillard: "La Vie en Rose", "Love is in the Air"), die seine während des Komas ausgesprochenen Wortfetzen während der Nachtwache protokollierte und meint, dass alles wie in einem Flugschreiber, einer "Black Box" aufgezeichnet sei. Er müsse es nur noch aus sich herausholen. Wie Hitchcocks Held in "Der unsichtbare Dritte" sucht nun Arthur nach seiner Identität, seiner Vergangenheit und seiner Zukunft. Was wäre, wenn er einen Mord begangen hätte?
Black Box
Frankreich - 2006
Veröffentlichung: 30.03.07
Regie: Richard Berry
Darsteller: José Garcia, Marion Cotillard, Michel Duchaussoy, Bernard Le Coq, Gerald Laroche, Helena Noguerra, Marisa Borini u.a.
"Nochmal"-Faktor: sehr hoch
Unsere Wertung: 98%
FSK: ab 16
Laufzeit: 86 Min:
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Französisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9 (2,35:1)
Untertitel: Deutsch
Extras:
Alternatives Ende
Making of inkl. Interviews etc. (ca. 52 Min.)
Dieser Film des in den 80er Jahren sehr erfolgreichen französischen Schauspielers Richard Berry erzählt uns in düsteren, anregenden Bildern die Geschichte eines Thrillers, die wir in ähnlicher Form schon mehrfach erzählt bekommen haben. Das Neue an dieser Geschichte ist zum einen die elegant-verzwickte Erzählstruktur, in der die Charaktere und die Handlung entwickelt werden, und zum anderen die Optik des Films, der uns mit einer Vielzahl von raffinierten Rück- und Trickblenden ebenso wie den Helden in die Irre führt.
Denn wie sagt die schöne Isabelle so pointiert: "In jedem von uns leben drei Personen: der Mensch, der wir sein möchten, der, der wir zu sein glauben, und der, der wir wirklich sind." Kaum aus dem Krankenhaus entlassen, versucht Arthur Seligmann, das Puzzle seines Lebens zusammen zu setzen. Dabei entwickelt er eine ähnliche Besessenheit wie der Protagonist in "Memento" und erlebt haarsträubende reale und surreale Momente wie in "Sieben". Jene Parallelen sind wohl eindeutig beabsichtigt, wirken aber nicht künstlich aufgesetzt und fügen sich organisch in die Handlung ein.
Bald glaubt Arthur seinen Bruder umgebracht, seine (Noch)-Ehefrau mit einer Stewardess betrogen zu haben und er verzweifelt an der Passivität seiner Eltern. Gerade, als er sich Isabelle auch intim zuwendet, wird der Horror komplett. Denn nun glaubt die Polizei, dass er sie und seine Ehefrau umgebracht habe. Alle Beweise und sein eigener Glaube scheinen in diese Richtung zu zeigen.
Doch als er dieser Lösung ins Auge blicken möchte, wacht er erneut aus dem Koma auf: eine Krankenschwester namens Isabelle hat es nie gegeben, sein Bruder ist schon im Kindesalter gestorben und er selbst scheint sich stets die Schuld daran gegeben zu haben. Aber warum hatte er den Autounfall ausgerechnet auf jener Straße, wo vor 30 Jahren ein Wagen die auf einem Fahrrad radelnden Brüder von der Straße drängte?
Diese Tour de Fource ist zwar in der Besetzung und Inszenierung ein sehr französischer Film, die Bildsprache jedoch sehr international und wird hoffentlich überall seine potenziellen Fans finden. Lange habe ich keinen Film mehr gesehen, bei dem wie hier "suspense" im klassischen Sinne erzeugt und bis zum Schluss gehalten wird. Garcia, den ich selbst bisher nur als guten Darsteller einer Tragikomödie kannte, überzeugt auf der ganzen Linie, wenn er treffend die Zerrissenheit seines Antihelden verkörpert. Marion Cotillard spielt in ihrer Doppelrolle jene zerbrechliche Erotik der uniformierten Krankenschwester bzw. Stewardess als femininer Leitpfaden der Obessesion Arthurs.
Die DVD wird in dieser Special Edition in einer schmucken Steelbox geliefert, mit einem alternativen Ende, das man sich hätte sparen können, da es nur verwirrt und eine recht hoffnungslose Alternative aufzeigt, sowie einem 52-minütigen "Making of". Ein Thriller im besten Sinne des Wortes, den man sich unbedingt gönnen sollte. Nach "Wer tötete Bambi?" bereits der zweite französische Film dieser Gattung, der durch seinen Stil wie seine Originalität überzeugt. (kh)