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Action
 Musa - Der Krieger - SE
geschrieben von klaus_h am 17. Jun 2007

The Korean wild bunch

Umschlag-Cover Musa bedeutet auf Koreanisch "Krieger". Wir schreiben das Jahr 1375. Eine koreanische Gesandtschaft wird von ihren chinesischen Gästen aus Rache für einen Eklat buchstäblich in die Wüste geschickt. Dort geraten die überlebenden Soldaten und Diplomaten mitten zwischen die Fronten der herrschenden Ming-Dynastie und der Yuan (Mongolen). Ein gutes Dutzend macht sich auf mit Hilfe einer chinesischen Prinzessin (Zhang Ziyi: "Hero", "2046"), die man den Yuan abgejagt hat, wieder die Gunst der Ming zu erlangen und in die Heimat fahren zu können. Mitten in der Einöde kommt es in einer verlassenen Festung zum Showdown dieses fernöstlichen Schwertkampf-Epos.

Musa - Der Krieger
Südkorea/China - 2001
Veröffentlichung: 01.03.07
Regie: Kim Sung-Su
Darsteller: Jung Woo-Sung, Jong Jin-Mo, Ahn Sung-Ki, Zhang Ziyi u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 95%
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 155 Min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Koreanisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9 (2,35:1)
Untertitel: Deutsch
Extras:
  • Making of Musa
  • Behind the Scenes
  • Cast & Crew Interviews
  • Die Musik
  • Bildergalerie
  • Originaltrailer
  • 12-seitiges Booklet
  • Diese knappe Einleitung war auch der Ausgangspunkt des jungen Regisseurs, der sich dieses Mammutprojekt vornahm, welches man komplett in Zusammenarbeit mit japanischen und chinesischen Partnern in China gedreht hat. Die sehr umfangreichen Extras legen davon ein deutliches Zeugnis ab, wie beschwerlich die Dreharbeiten aufgrund der extremen Entfernungen der Drehorte, der Kälte und Wüstenstürme sowie der Sprachschwierigkeiten waren.

    BeispielFür uns westliche Zuschauer spielt mit der ätherischen Zhang Ziyi ("Horsemen") zumindest ein bekanntes Gesicht mit. Doch hier gibt sie weder die Konkubine noch die geheimnisvolle Schwertkämpferin. Dieser Film hier hat etwas handfestere Strukturen. Wer steptanzende Duellanten auf der Wasseroberfläche sehen möchte, ist hier falsch aufgehoben.

    Überhaupt haben wir bereits mehrmals festgestellt (vgl. "The Legend of the Evil Lake"; im Gegensatz dazu: "Shadowless Sword"), dass der koreanische "Martial Arts"-Film meist weniger der Überwindung der Naturgesetze als der realistischen Demaskierung der Gewalt im Stile eines Peckinpah huldigt. Seine Helden gehen nie ohne Verletzungen aus einer Konfrontation heraus, ihre Waffenbeherrschung ist zwar auch stets vollkommen, aber nie so ästethisch überhöht wie im Hongkong-Kino. Allerdings muss der Zuschauer auch einen harten Magen haben, da hier das Blut nur so spritzt und die Gliedmaßen gleich körbeweise abgeschlagen werden. Daher ist die FSK-16-Einstufung auch absolut nachvollziehbar.

    BeispielDabei besitzt der recht lange Film jedoch den Vorteil sowohl seinen Handlungsstrang logisch als auch die Zeichnung seiner Charaktere überwiegend glaubwürdig zu entwickeln. Die Konfrontation zwischen dem noch sehr jungen, karrieresüchtigen General Choi Jung (Joo Jin-Mo) und dem nur scheinbar stummen (sichtbare Django-Parallelen, wenn er den Sarg seines Herren durch die Wüste zieht) Krieger-Sklavens Yeosol (Jung Woo-Sung), der mit der Schwertlanze Erstaunliches zu Wege bringt, um die Gunst der Prinzessin Buyoung. Der mongolische General Rambulhwa (Rongguang Yu), dem es nur um Pflichterfüllung geht und dennoch Yeosol bewundert. Der altgediente Sergeant und Meisterbogenschütze Daejung (Hye-jin Yu), der als einziger stets vernünftig die Ermöglichung der Rückkehr aller vor Augen hat und der loyale Leutnant, der an seinem Kadavergehorsam zugrunde gehen wird.

    Kernpunkt dieser Zeichnung ist die Aussage, dass die Gruppe nur dann Bestand haben kann, wenn alle Protagonisten ihre Vorbehalte gegeneinander ablegen. Die Kampfszenen sind in ihrer Choreographie, was die Realität angeht, vorbildlich und sehr atmosphärisch. So ist das Scharmützel im Geisterwald zur Mitte des Films auf der einen Seite eine deutliche Hommage an den absoluten Klassiker "Ein Hauch von Zen", aber auch ein deutlicher Fingerzeig wie man dieses Thema auch entwickeln kann. Gewalt ist bei den Koreanern dennoch nie Selbstzweck, sondern deutliches Anzeichen dafür, dass die Überlebensstrategie wieder einmal versagt hat.

    BeispielDie Schauspieler haben mir durch die Bank gut gefallen, wobei die Nebendarsteller das in Asien oft verbreitete hektische Overacting manchmal allzu oft kultivieren. Als wortkarger "Held" entspricht Yeosol noch am ehesten dem Eastern-Klischee. Witzigerweise bringt es dessen Darsteller Jung Woo-Sung im Interview tatsächlich fertig sich im Nachhinein von dieser Rollenanlage zu distanzieren, da er selbst der Rolle lieber mehr Tiefe gegeben hätte. Soviel Offenheit sieht man selten bei Darstellerinterviews. Mein heimlicher Favorit war der Darsteller des Daejung, der wie die meisten eigentlich vom Theater kommt und somit wirklich "schauspielern" kann.

    Während die Kameraarbeit von Kim Hyung-Ku wirklich hervorragend ist, besitzt die Filmmusik des Japaners Shiro Sagisus ("Neon Genesis Evangelium") etwas Monotones in ihrem verzweifelten Versuch eine Synthese zwischen westlicher und östlicher Filmmusik zu finden. Auch wenn dies im Score nicht gelungen ist, so muss man die Inszenierung und auch die Bildsprache jedoch als regelrechte Kulturbrücke empfinden. Wer Spaß an "Braveheart", "Gladiator", "Herr der Ringe" und den asiatischen Klassikern des Genre hat, wird auch hier auf seine Kosten kommen. Trotz der Bruttolänge weist der Film dabei bis zum bitteren Ende mit einem kleinen Hoffnungsschimmer keine Längen auf. Optisch sehr ansprechend, spannend, glaubwürdig - empfehlenswert. (kh)

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