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Drama
Thumbsucker - SE
geschrieben von klaus_h am 23. Jun 2007
Daumenlutscher
Ein 17-jähriger Daumenlutscher - oder sollte ich sagen "oral-fixierter" Teenager - als Held eines Coming-of-Age-Filmes mit einer verrückten Familie (Tilda Swinton, Vincent d'Onofrio: "Criminal Intent"), einem bärbeißigem Lehrer (Vince Vaughn) und einem Zahnarzt, der wohl besser Therapeut geworden wäre (Keanu Reeves), klingt interessant. Ist es das auch, wenn der Held (Lou Taylor Pucci, "The Chumscrubber", "Fast Food Nation") dafür den Silbernen Bären eingeheimst hat?
Thumbsucker
USA - 2005
Veröffentlichung: 30.03.2007
Regie: Mike Mills
Darsteller: Lou Taylor Pucci, Tilda Swinton, Vincent d'Onofrio, Keanu Reeves, Vince Vaughn u.a.
"Nochmal"-Faktor: nicht existent
Unsere Wertung: 15%
FSK: ab 12
Laufzeit: ca. 92 Min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 2,35:1 (16:9)
Untertitel: Fehlanzeige
Extras: Behind the Scenes, Making of, Interviews mit Cast & Crew
Könnte es, ähnlich wie bei "Kammerflimmern", "Das Lächeln der Tiefseefische" oder anderen Beispielen, die im Moment eher aus Europa zu kommen scheinen, auch sein. Nur leider scheinen in den USA die Drehbuchsorgen noch größer zu sein als hierzulande. Also hat Mike Mills als Regisseur ebenfalls das Drehbuch abgeliefert. Und leider dank des Castings eine ganze Menge unglaubwürdiger Typen und dazu noch unrealistischere Dialoge!
Wer würde wirklich allem Ernstes der großartigen androgynen britischen Darstellerin Tilda Swinton ("Caravaggio", "Michael Clayton", "The Limits of Control") die medienbesessene US-amerikanische Familienmutter abnehmen? Dass Swinton als ausführende Co-Produzentin mit ins Boot gehüpft ist, spricht für sich. Hauptdarsteller Pucci könnte von seinem Aussehen zwar wirklich ihr Sohn sein, langweilt den Zuschauer aber bald Dank seines egozentrischen Selbstmitleids nur noch bis ins kaum erträgliche Herunterfaseln leerer Worthülsen.
Wenn in einem derartigen Ensemble Reeves ("Matrix Reloaded", "Das Messer am Ufer") noch den besten Part abgibt, muss man sich fragen, woran es gelegen hat: An der gewollten Substanzlosigkeit des Plots, der ungeschickten Darstellerführung oder der langweiligen, uninspirierten Kameraarbeit? Meines Erachtens ist bei "Thumbsucker" zu vieles gewollt - quasi ein "American Beauty" für Teenager, der diese Generation selbst aufgrund seiner Halbwahrheiten und unausgegorenen Pseudoweisheiten unendlich langweilen könnte. Auch der Dreh, dass Daumenlutschen dann durch Ritalin und Cannabis eintauschen zu wollen, klingt für mich eher nach einem konstruierten Problem.
Darüber hinaus ist die Filmmusik (Brian Reitzel, Tim deLauthter, The Polyphonic Spree) derart penetrant lächerlich, dass die Hand zur Fernbedienung zuckt. Mein Beileid an all jene, die den Film im Kino gesehen haben. Vor dem schlichten "Genuss" dieser DVD möchte ich alle anderen warnen. Keine besonderen Darsteller- oder Kameraleistungen (sehr flaues und dunkles Bild in den Mittentönen) werten diese DVD in irgendeiner Weise auf. Zeitverschwendung auf hohem Niveau - wenn man sich die Schauspieler ansieht. Da war der in den USA sehr unterschiedlich aufgenommene "Art School Confidential" besser - vom grandiosen "The Chumscrubber", in dem Pucci eine nicht unwichtige Nebenrolle gut spielte, ganz zu schweigen.
(kh)