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Drama
Candy - Reise der Engel
geschrieben von klaus_h am 28. Jun 2007
Love, Sex & Drugs
Romantische Liebesgeschichten, die in ein Drogendrama abgleiten, hat es schon einige gegeben. Hier sind es Heath Ledger ("Vier Federn", "Brothers Grimm") und Abbie Cornish ("Stop-Loss"), die jung und talentiert im Liebenswahn aneinanderkletten und sich wechselseitig in den Drogensumpf ziehen. Eindrucksvoll gespielt und originell inszeniert als Belebung eines Themas, das in den letzten Jahren etwas in den Hintergrund geriet.
"Nochmal"-Faktor: mittel bis hoch - je nach Schmerzgrenze
Unsere Wertung: 82%
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 104 Min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1 DTS/ Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9 (1,85:1)
Untertitel: Deutsch
Extras: Fehlanzeige
Gerade hier im deutschen Sprachraum hat man zum Thema Drogensucht seit "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" eigentlich nur aus der zeitlichen Distanz heraus thematischen Nachholbedarf. In "Candy - Reise der Engel" geht es auch weniger darum, wie jemand in den Drogenrausch abdriften kann, sondern um die Veranschaulichung des Dilemmas, dass ein junges Paar meint, nur mittels Drogen auf der Woge des Glückgefühls reiten zu können und dabei jede soziale Beziehung und letztlich auch ihre Liebe auf's Spiel setzt.
Freizeitpoet Dan (Ledger) und die bildhübsche Sonntagsmalerin Candice alias Candy (Cornisch) sind bis über beide Ohren ineinander verliebt. Während seine Eltern ihn längst aufgegeben haben, wohnt sie noch wohlbehütet bei der Familie. Der Vater sagt Dan klar, dass er ihn für Candys eigentliches Problem hält, aber letztlich unternimmt er nichts gegen den Willen der rebellierenden Tochter.
Denn diese erlebt im Drogenrausch selbst Banales als höchstes Glücksgefühl, erfüllten Sex und Höhenflüge der Phantasie, die sie für alles andere blind machen. Als das Geld ausgeht, holt die Realität Candy und Dan allzu hart ein: Ladendiebstähle und Prostitution, zu der Candy zunächst ohne Druck Dans greift, um an den nächsten Schuss zu gelangen. Die hastige, zugekiffte Hochzeit, die nur den Anstrich des Bürgerlichen vorgibt, ist nur der verzweifelte Versuch sich in die Normalität zu retten.
Was folgt ist der unweigerliche Absturz, in dem Dan immer mehr zu einer sehr jämmerlichen Selbstmitleidsfigur wird. Abgestoßen von Dans Passivität wagt Candy schließlich den Entzug - und am Ende wird einer von Beiden verzichten, um dem Anderen den Weg ins Leben zu ebnen... Selten habe ich einen Film gesehen, der zum einen so sehr vom Spiel zweier Akteure lebt, zum anderen aber durch seine Schlusszene so sehr frustiert wie diese australische Version von "Leaving Las Vegas"
Ledger hatte für mich bereits in "Die 4 Federn" das Talent zum Charakterdarsteller bewiesen, aber wenn man sieht, wie stark Newcomerin Cornish (AFI Award und FCCA Award für diese Rolle!) dagegenhält, hat man wohl einen neuen weiblichen Star mit Sexappeal und Darstellervermögen vor sich. Geoffrey Rush ("Fluch der Karibik", "Shine") brilliert wieder einmal in einer Rolle als schlampiger Bonvivant Casper: hier gibt er den väterlichen Freund Dans, der zunächst der freundliche schwule Drogendealer ist und später als Assistenzprofessor für Chemie(!) in der Normalität verschwindet.
Eine aufwühlende DVD mit betörend schönen (Einleitungszene auf der Jahrmarktszentrifuge) und verschreckenden Bildern (die Überdosis in der Badewanne, die Totgeburt), die deutlich die Ambivalenz der Liebenden und der Drogengefahr zeigen. Sehr melancholisch aber eben passend ist auch der Score geraten. Teilweise etwas zu verspielt in der Inszenierung, um den wahren Ernst oder die eigentliche Ursache der Abhängigkeit zu offenbaren, aber als Charakterstudie einer großen Liebe, die zum Scheitern verurteilt ist, durchaus sehenswert. (kh)
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