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Kinderfilm
Astrid Lindgren Sammler-Edition
geschrieben von Carmen am 11. Jul 2007
Goodbye Generation Bullerbü!
Sicher wird jedes Kind Gefallen an den fantastischen, mit Trollkindern und Wilddruden bevölkerten Freundschaftsgeschichten von Astrid Lindgren finden, aber die wahre Generation Bullerbü scheint erwachsen geworden zu sein.
Astrid Lindgren Sammler-Edition (Disc 1) Schweden 1989/1990/1993
Veröffentlichung: 11.06.2007
Regie: Agneta Elers-Jarleman, Johanna Hald, Staffan Götestam
mit: Alice Braun, Anna Nyman, Krister Henriksson, Calle Torén, Claes Malmberg, u.a.
"Nochmal"-Faktor: Niedrig, wenn keine Kinder im Haus sind.
Unsere Wertung: 30%
FSK: ohne Altersbeschränkung
Laufzeit: 340 Minuten
Sprachen und Tonformate: Dolby Digital 1.0 (Mono) in Deutsch
Bildformat: Vollbild (1.33:1), 70er-Retro-Look
Untertitel: keine
Extras: nostalgische Trailershow mit Pipi Langstrumpf und Co.
So turnen die Trollkinder "Peter und Petra", die dem kleinen Gunnar das Lesen beibringen und eine ganze Schulklasse in Aufregung versetzen, im Auge des actionverdorbenen Erwachsenen von heute ziemlich lahm durch den Wald. In "Pelle zieht aus" packt Pelle nachdem er von seinen Eltern zu unrecht geschimpft wurde, seine sieben Sachen und zieht zornig in den Schuppen. Leider verliert er aufgrund der schleppenden, kindgerechten Dramaturgie viel von seinem bockigen Charme.
Und bei "Nils Karlsson Däumling" entlocken einem die Special Effects, also Köttbullas in Fußballgröße oder Riesenstreichhölzer ein: "Ach kuck 'mal wie niedlich! Die sind sicher aus Pappmachee gebastelt!". So haust der Däumling bei Bertil unterm Bett und wenn man seine Haustürklingel mit gleichzeitigem Sprechen des Wortes "Schrumpelpumpel" drückt, schrumpft man wie der Blitz auf Däumlinggröße und kann in Nils' Mauselochbehausung reinspazieren. (Da drin geht es durchaus spannend zu, gilt es doch, sich gegen allerhand Nagegetier zu verteidigen!)
Kamen einem denn als Kind nicht nur die ganzen Erwachsenen, sondern auch deren Gegenstände "erwachsen" und übergroß vor? Erste déjá-vu-artige Gedankenbilder blitzen, ansonsten gähnt die Generation Bullerbü: Wie langweilig ist doch diese lineare Erzählstruktur, da wird wohl alles in Echtzeit gefilmt! Und plötzlich tauchen weitere bekannte Bilder, Szenen und Feelings aus der eigenen Kindheit auf. Hat man sich nicht schon einmal wie Pelle Gedanken darüber gemacht, wenn man jetzt einfach ausziehen würde? Seine Lieblingsspielzeuge in eine Tüte stopfen und einfach abhauen? Oder dieses verflixte Langeweile, wenn man alleine zuhause ist.
Alleine? Da knackt's immer so hinter der Heizung, vielleicht wohnt ja da doch ein Kobold oder Trollkind, der oder das alsbald zum imaginären Freund wird.(Wer diesen Freund allerdings noch mit 32 hat, sollte sich spätestens dann Hilfe suchen.)
In Astrid Lindgrens Geschichten geht es um ganz viel Tiefenpsychologisches: um Treue, Freundschaft, Ehrlichkeit, aber auch um Trauer, Zorn, Einsamkeit, Verzeihen, etc.. Also die ganzen wichtigen Sachen, mit denen man sich sowieso sein ganzes Leben herumschlagen muss und zu denen man in der Kindheit erste Orientierungsmuster durch seine Umgebung, sei es Familie oder die unvermeidliche und inzwischen viel zu früh akzelerierende peer-group erfährt. Astrid Lindgren bietet in ihren Geschichten immer Konfliktlösungen an, eindeutige, aber auch nicht zu durchschaubare. Auf jeden Fall passiert immer etwas mit dem Kind: es wächst innerhalb der Geschichte und durchläuft eine moralische Entwicklung.
Als Erwachsener kennt und schätzt man dieses hehre Identifikationspotenzial und seinen pädagogischen Wert. Die filmische Umsetzung mag in ihrer elegischen Langsamkeit manchen langweilen, aber sie ist dramaturgisch absolut kindgerecht. Die Bild- und Tonqualität ähneln der Ausstattung: Retro-Farben mit 70er-Jahre-Touch, sanfte Klaviermusik dient zur Untermalung, der Ton bleibt jedoch auch bei den Sprechern dumpf und ohne Brillanz.
Und noch etwas, Achtung: In "Pelle zieht aus" erlebt man den zerknitterten "Wallander"-Darsteller Krister Henriksson ("Reconstruction") noch als faltenfreien Papa von Pelle! Echt Retro!
Also Fazit:
Die Geschichten der Astrid Lindgren Sammler-Edition sind äußerst empfehlenswert für Kinder, da sie über eine feine Handlung mit Sozialisationseffekt und jeder Menge Identifikationspotential, nette Ausstattung und niedliche Kinderdarsteller verfügen. Der Inzwischenerwachsene der Generation Bullerbü jedoch wird sich nach anfänglichem Nostalgie-Flash eher langweilen. (cm)
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