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Komödie
Funny Bones - Tödliche Scherze
geschrieben von klaus_h am 31. Jul 2007
Wird man zum Komiker geboren?
Diese Frage wird sich mancher Möchtegern-Comedian stellen. Doch wer wie Tommy Fawkes (Oliver Platt) als Sohn der Komikerlegende George Fawkes (Jerry Lewis: "King of Comedy", "Rudis Lacharchiv") geboren wurden, hat gleich zweimal ein schweres Erbe! Denn dieser Vater stiehlt ihm ausgerechnet bei seinem geplanten Durchbruch in Las Vegas nicht nur den Lieblingsgag sondern gleich die ganze Show. Was nun? Zurück zu den Wurzeln ins englische Blackpool, wo Vater Fawkes sich seine Meriten verdiente...
Funny Bones - Tödliche Scherze
USA/GB - 1995
Veröffentlichung: 15.05.07
Regie: Peter Chelsom
Darsteller: Oliver Platt, Lee Evans, Jerry Lewis, Leslie Caron, George Carl, Oliver Reed u.a.
"Nochmal"-Faktor: teilweise genial, dann wieder verschroben, aber daher auch nach Jahren noch interessant
Unsere Wertung: 78%
FSK: 12
Laufzeit: 123 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 5.1 / Italienisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9, 1,85:1
Untertitel: Deutsch, Englisch, Italienisch, Englisch für Hörgeschädigte
Extras: Fehlanzeige
Was uns Regisseur Peter Chelsom ("Darf ich bitten?") hier präsentiert, ist eine Verbeugung vor den britischen Wurzeln der amerikanischen Comedy! Was jedoch extrem irritiert, ist der seltsam anachronistische Rahmen der Geschichte, die scheinbar in den späten 80ern stattfindet, sich selbst immer auf die Jugend Tommys in den 50ern bezieht, aber selbst mehr nach 60er Jahren aussieht. Außerdem findet man jene besagten Wurzeln bereits vor dem 1. Weltkrieg in dem gesetzlich vorgeschriebenen Pantomimentheater, das mittels der Karnotruppe später so berühmte Komiker wie Charles Chaplin oder Stan Laurel in die Staaten exportierte.
Welchen Einfluss dies auf den Stummfilm und die Karrieren aller Beteiligter hatte, dürfte wohl jedem Zuschauer klar sein. Daher verwirrt die etwas verschachtelte Handlung mit dem wirren Halbbruder Jack (Lee Evans: "Das Medaillon") ebenso sehr wie sie uns fasziniert. Denn Jack ist in seiner genial-abstoßenden Paranoia ein viel interessanterer Charakter als der meist weinerlich-selbstverliebte Tommy.
Einem anderen Regisseur als Chelsom wäre das Verknüpfen der Handlungsfäden, bei dem die Jagd des mysteriösen Gangsterbosses (Oliver Reed: "Liebende Frauen", "Omar Mukhtar - Löwe der Wüste") nach den Unsterblichkeit verheißenden Dracheneiern trotz skurriler Szenen (Einleitungssequenz mit dem gar nicht komischen Tod des Fischers) völlig überflüssig erscheint, auch nicht gelungen. Aber dank Chelsom sehen wir schöne altmodisch wie hingebungsvolle Comedynummern, die beeindruckend in ihrer Schlichtheit und ihrem Timing sind.
Vorgetragen werden sie zum Teil von echten Typen wie George Carl, die man einige Jahre später erst bei Junoud wieder sehen durfte. Bis zum furiosen Finale als Revival der Keystone-Cops sollte man auf jeden Fall durchhalten. Der eigentliche Star des Films ist wohl ungewollt Lee Evans, der beeindruckend mit fast primatischen Grimassen das Zerrbild eines Komikers zwischen Genie und Einfalt darbietet. Jerry Lewis zeigt wie in "King of Comedy" erhaben, dass Komik eine ernste Sache ist, während für Oliver Platt ("Pieces of April") dieser Film wohl einige Jahre zu früh kam.
Ein mehrmals verstörender Film, zu dem man sich den Zugang etwas erarbeiten sollte - denn eine Vielzahl von poetischen Szenen und Typen ist es einfach wert gesehen zu werden. Da ich Chelsoms Audiokommentare schätze, vermisse ich hier etwas gleichwertiges. Doch mit diesem zeitlichen Abstand werden wohl nur die absoluten Kassenschlager angemessen geehrt. Sehenswert - aber keine leichte Kost mit gewissen unlogischen Brüchen und unnötigen Längen. Übrigens war der wesentlich geschlossenere "Hear my song" ebenso ahistorisch, aber ein kommerzieller Erfolg. (kh)
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