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Komödie
Born to be Wild - Saumäßig Unterwegs
geschrieben von klaus_h am 23. Aug 2007
Wild Hogs
Was macht ein Esel, wenn es ihm zu gut geht? Er geht auf's Eis. In dieser Komödie zieht es vier Herren im mittleren Alter auf die große Motoradtour quer durch die Vereinigten Staaten an den Pazifik. Und da dieses keine Dokumentation im Stil von "Long Way Round" ist, sondern es sich um eine Touchstone-Produktion von Regisseur Walt Becker ("Party Animals") handelt, schickt man vier Hochkaräter auf Reisen: John Travolta ("Schnappt Shorty"), Tim Allen ("Cletis Tout"), William H. Macy ("Fargo") und Martin Lawrence ("Bad Boys II").
Born to be Wild - Saumäßig Unterwegs
USA - 2007
Veröffentlichung: 23.08.07
Regie: Walt Becker
Darsteller: John Travolta, Tim Allen, William H. Macy, Martin Lawrence, Marisa Tomei, Ray Liotta, John C. McGinley, Peter Fonda u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch, ab in die Sammlung
Unsere Wertung: 88%
FSK: 12
Laufzeit: 96 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch, Italienisch, Russisch Dolby Digital 5.1 / Türkisch, Ukrainisch Dolby Digital 2.0
Extras:
• Audiokommentar des Regisseurs Walt Becker & Drehbuchautors Brad Copeland
• Alternatives Ende
• Zwei zusätzliche Szenen
• Pannen beim Dreh
Moment: Hatten wir dieses Filmkonzept von den reiferen Herren, die das Abenteuer suchen, nicht schon zweimal? Korrekt, wenn man an "City Slickers" denkt! Und angesichts einer "Bullenklapsszene" wird man sogleich an die damalige Jagd durch Pamplona erinnert. Doch besser gut geklaut, als schlecht erfunden... So gesehen geht es den hiesigen vier Herren sogar noch schlechter:
Denn Woody (Travolta) hat gerade seine Frau verlassen und faktisch ist er pleite. Der Zahnarzt Doug (Allen) steckt mitten in der Midlife Crisis, da er von seiner Frau (Jill Hennessy: "Crossing Jordan") zum Gesundleben angehalten wird und für den Sohn nur als Langweiler gilt. Der ungeküsste Programmierer Dudley (Macey, "Amok - He Was a Quiet Man") leidet an Komplexen gegenüber Frauen und beherrscht auch seinen Chopper nicht wirklich. Bobby (Lawrence) steht als Do-it-yourself-Autor mit Schreibblockade und Hausmann unter dem Pantoffel. Doch die Freunde begehren auf und wollen die große wilde Tour von Cincinnati, Ohio, bis nach Kalifornien machen - ohne Netz und doppelten Boden.
So wird das von Doug angezettelte Wegwerfen der Handys schon zur großen Lachnummer, wenn ausgerechnet Dudley das letzte eigentlich zu verbleibende Gerät in die Windschutzscheibe eines Trucks wirft. Dabei ist dies gerade das erste Mal, dass die "Wild Hogs" (dt. = wilden Eber) Reissaus nehmen müssen. Da wäre noch ein schwuler Motoradpolizist (John C. McGinley: "Scrubs"), der ihnen vorwirft, dass sie gar nicht wüssten wie gut es ihnen geht und schließlich die "richtige" Motoradgang der "Del Fuegos" unter Boss Jack (Ray Liotta: "Identität", "The last Shot - Die letzte Klappe"), die für "Poser" (also protzende Angeber) wenig übrig hat.
Dummerweise hat Doug ihren Choppern die Benzinleitungen gekappt, um sie an einer Verfolgung zu hindern. Dass dabei gleich auch deren Clubheim in einer Explosion über den Jordan ging, erhöht selbstverständlich deren Verfolgungseifer. Im beschaulichen Grenzdörfchen Madrid, New Mexico lernt Dudley in der schnuckeligen Dinerbesitzerin (Marisa Tomei, "Die Wutprobe", "War Inc.") zwar endlich die Liebe seines Lebens kennen - hier kommt es aber auch zum großen Showdown.
Wenn hier irgendjemand an "Easy Rider" denkt, so gönnt ihm Buena Vista zwar den nicht unwichtigen Cameo eines seiner Stars (Peter Fonda: "Ghost Rider"), aber eben nicht das bekannte und titelgebende Stück von "Steppenwolf". Dies ist wieder einmal der "Geniestreich" des deutschen Vertriebs, dem "Wild Hogs" wohl zu nah an den "Die wilden Kerle" lag. Egal - eine spaßige und unterhaltsame Komödie mit vielen kleinen und ein paar großen Gags ist es allemal. Die Stars sind zwar allesamt unterfordert, aber wenigstens Macy und Allen gelingt es ihren Figuren etwas Tiefgang zu geben. Am meisten musste ich übrigens über den schwulen Chilifestsänger (Kyle Gass) mit der Baritonstimme lachen, der so einige Pop und Country-Klassiker gekonnt "verhunzt".
Ironischerweise bietet der Abspann einen der doppelbödigsten Lacher, während der eigentliche Film aus rountiniertem Mainstream-Humor besteht. Das "Making of" ist recht informativ, da es zum einen den Stunt Coordinator miteinbezieht, der viele technische Details beisteuert. So erfährt man neben der Tatsache, dass der Regisseur sich sein Studium mit dem Export von Harleys nach Europa verdient hat und daher den Film einfach drehen musste, dass Lawrence extreme Angst vor dem Motorradfahren hatte und sich entsprechend ungeschickt anstellte. Der Audiokommentar geht detailliert auf die Drehbedingungen ein, während die Outtakes nur Allens und Travoltas extreme Lust am Improvisieren zeigen.
Wer also trotz beträchtlich viel Product Placement für einen gewissen Computerhersteller und eine allbekannte Suchmaschine sowie diverse Junkfoodprodukte einen amüsanten Abend auf der heimischen Couch verbringen möchte, der ist mit dieser ansprechend ausgestatteten DVD gut bedient. "Echte" Motorradfreaks werden den ein oder anderen Poser in ihrem Bekanntenkreis ebenso wiedererkennen, wie die Bestätigung, dass der Weg das Ziel ist.
Übrigens bin ich selbst kein Motorradfahrer, aber einige der Missgeschicke (abgebranntes Zelt, Stürze ungeübter Biker, Insekten und Vogelsch... im Gesicht) erinnern mich doch sehr an die Erzählungen über die "GROSSE PFINGSTENTOUR" aus dem Freundeskreis. So gesehen also gar nicht unrealistisch - vielleicht werden sich manche der Zuschauer wiederentdecken. Psst: Ich kann Rollerfahren - und habe damit die identische Basis wie William H. Macy, der sich in der Realität besser schlägt wie "Dudley". Na, dann bin ja beruhigt. (kh)