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Drama
Die Queen
geschrieben von klaus_h am 31. Aug 2007
Königin von England
Wenn eine gestandene Theater- und Filmschauspielerin wie Helen Mirren ("King George", "Kalender Girls") für eine Rolle einen Oscar, Golden Globe und den Coppa Volpi bekommt, in dem sie ausgerechnet die Personifikation der verkrusteten britischen Monarchie nachvollziebar sympathisch spielt, muss etwas an diesem Film sein. Dass ausgerechnet Stephen Frears ("Mein wunderbarer Waschsalon", "The Snapper") die Regie dieses Film übernommen hat, spricht ebenfalls für ihn. Also nehmen wir die DVD unter die Lupe.
Die Queen
GB - 2007
Veröffentlichung: 31.08.07
Regie: Stephen Frears
Darsteller: Helen Mirren, Michael Sheen, James Cromwell, Helen McCrory u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 95%
FSK: ab 6
Laufzeit: ca. 111 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1 DTS/ Englisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9, 1,78:1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras:
• Audiokommentar des Regisseurs und Drehbuchautors
• Making of
• Fotogalerie
• Informationen zu Cast & Crew
• 7-seitiges Booklet mit Auszügen aus Tina Brown: "Diana. Die Biographie"
So lange ich denken kann, gibt es nur EINE KÖNIGIN: Queen Elizabeth II - als junges Mädchen zur Königin gekrönt nach dem frühen Tode ihres Vaters, der nie König sein wollte. Von Winston Churchill väterlich ins Amt als Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs eingewiesen und im Laufe der Jahrzehnte zum Inbegriff der britischen Monarchie geworden. Bei den Allüren und Marotten der Royals und ihrem eigenen spleenigen Modeverstand, gelang es ihr doch meist das Haus Windsor zusammenzuhalten.
Egal, ob es ein zur Logorrhöe neigender Prinzgemahl, eine trinkfeste Schwester oder ein aufbegehrender Thronfolger war, Lizzie wusste die Dinge zu regeln. Erst als Prinz Charles Diana Spencer ehelichte, wurde die gesamte Familie zum Medienereignis - und dies umso schlimmer, als deren Trennung ab einem gewissen Punkt unausweichlich schien. Dass dabei die Fundamente der britischen Monarchie erschüttert wurden, hängt untrennbar mit dem Unfalltod Dianas vor 10 Jahren zusammen. Denn damals war die britische Öffentlichkeit geradezu verstört über das Unvermögen des britischen Könighauses, ihre Trauer bzw. ihr Mitgefühl in der Öffentlichkeit zu zeigen.
Dabei zeigen sowohl das einfühlsame Spiel Helen Mirrens die in veralteten Konventionen erstarrte Routine des britischen Hofes als auch die Regie die geradezu groteske Idealisierung eines Medienereignisses zur "Prinzessin der Herzen", der gleichermaßen die Presse wie die Politik erliegt. Auf der einen Seite eine Frau, die mehr um die Gefühle ihrer Enkel besorgt ist und im Stillen ihren Schmerz bewahren will, auf der anderen Seite ein noch stürmischer Premierminister Tony Blair (Michael Sheen: "Vier Federn", "Frost/Nixon"), der durch die Gefährdung des Könighauses eine Erschütterung der eigenen Macht befürchtet.
Dabei spielt Sheen fast ebenso großartig wie Mirren. Beiden glaubt man in Mimik, Gesten und Maske die Annäherung zum Vorbild. Auch James Cromwell ("Ein Schweinchen namens Babe", "Die Tochter des Generals") nimmt man den Erztraditionalisiten, dem Herzog von Edinburgh ab. Einzig der Prinz Charles-Darsteller ist optisch wie schauspielerisch eine herbe Enttäuschung, da er nie dessen Tonfall und niemals dessen Erscheinungsbild trifft. Dabei macht er in dieser ganzen Szenerie noch die traurigste und opportunistischste Figur, wenn er stets vor Attentaten auf die eigene Person Angst hat und lieber andere Personen des Hofes in die vorderste Ziellinie bringt.
In einer schönen Metapher bleibt die Queen mit ihrem Range Rover beim Durchqueren einer Furt im Hochland von Schottland stecken. Dabei begegnet sie sinnbildlich ihrem eigenen Spiegelbild - einem majestätischen Rothirsch, der von ihrem Mann vergeblich zur Ablenkung der Kinder gejagt wird. Auch sie wird von der Öffentlichkeit gejagt, muss sich der Herausforderung stellen - und verscheucht den Hirsch beim Nahen der Jäger. Danach ist ihr Entschluss gereift. Der Rest - die Heimfahrt ins heimische Schloss, die Begutachtung der Blumenlawinen, die Wendung zum Volk und die öffentliche Ansprache ist historisch verbürgt.
Was sie gleichzeitig als Erniedrigung, aber auch als Zweckmäßigkeit versteht, hat letztlich das "dumme" Volk noch immer nicht als Teil der Medienvermarktung verstanden. Frears bringt diesen Aspekt wie auch die gesamte Ambivalenz ohne eigene Wertung allein durch die Präsentation zum Tragen. Eine passende Filmmusik, eine exquisite Ausstattung und schön durchkombinierte Bilder runden eine gelungene Darbietung ab.
Das "Making of" erklärt sowohl die Motive des Regisseurs als auch des Drehbuchautoren Peter Morgan ("Der letzte König von Schottland") und der Hauptdarstellerin diesen Film machen zu wollen, was man angesichts der häufigen belanglosen Lobhudeleien, die in den meisten Extras zu sehen sind, selten behaupten kann. Ein schöner Film, eine gute DVD - und ein Lehrstück über jene Boulevard-Prominenzen, die so sehr zum Medienereignis aufgebauscht werden, dass sich selbst die Politik darum kümmern muss. Schade, dass selbst im Booklet ein im Gegensatz dazu verklärendes Buch "beworben" werden muss. (kh)
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