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Drama
Tagebuch eines Skandals
geschrieben von Aleks_A am 10. Sep 2007
Einsamkeit
Es gibt wohl kein Gefühl, dass unsere Zeit besser definiert. Und die Strategien, ihr zu entrinnen sind vielfach. "Social Networks" in der Online-Welt auf der einen, Tanzbars auf der andern. Und dazwischen unzähliche andere Versuche, den Tag zu überstehen. Judy Dench auf den einen, Cate Blanchett auf der anderen. Dank eines fantastischen Drehbuchs laufen die Damen zur Höchstform auf.
Tagebuch eines Skandals GB, 2006
Veröffentlichung: 10.09.2007
Regie: Richard Eyre
mit: Cate Blanchett, Judy Dench, Bill Nighy u.a.
"Nochmal"-Faktor: Hoch!
Unsere Wertung: 99% für den Film, 85% wegen schnarchlanweiliger Extras für die DVD
FSK: ab 12 (grenzwertig, ich weiss nicht, ob ich mit 12 mit dem Film hätte umgehen können)
Laufzeit: Ca. 88 Minuten
Sprachen und Tonformate: Deutsch und Englisch DD 5.1
Barbara (Judy Dench - "Die Kühe sind los", "Chocolat")ist eine "alte Jungfer". Nicht, weil sie keine sexuellen Beziehungen gehabt hätte, sondern weil sie alleine mit ihrer Katze ihr Dasein fristet, als Lehrerin eher geführchtet denn geehrt wird und sich (zu Recht oder zu Unrecht) gegen Versuche wehrt, die Art zu verändern, wie sie Geschichte lehrt.
Ihr Tagebuch, gespickt mit bösen, zynischen, ironischen und allzu oft zutreffenden Beobachtungen über ihren Umfeld, wird für uns dann interessant, als Sheba (Cate Blanchett - "The Good German", "The Missing", "Die Journalistin"), die neue Kunstlehrerin, die Schule betritt. Die zarte Figur, unbeholfen als Lehrerin, wird von allen Lehrern bewundert. Sie bringt einen Hauch "Niveau" in eine Schule, die allen Anschein nach eher von der niederen Mittel- und der Arbeiterklasse besucht wird.
Zwischen Barbara und Sheba entwickelt sich eine Freundschaft, in der Barbara mehr hinein liest, als zu finden ist, und in der Sheba hineintappt, um ihrer Einsamkeit zu Hause zu entrinnen. Denn schon die Stelle als Lehrerin war eine Flucht aus dem unerfüllten Leben als Mutter und Ehefrau. Ihr wesentlich älterer Ehemann (Bill Nighy - "Underworld", "Flutsch und weg", "Per Anhalter durch die Galaxis") kümmert sich hingebungsvoll um die Familie und dem geistig zurückgebliebenen Sohn, aber die Zeit reicht nicht dafür, seine Frau aus ihrer Kapsel herauszuholen.
Kein Wunder also, dass Sheba sich geschmeichelt fühlt, als ein Schüler ihr Avancen macht. Im Bewusstsein des großen Fehlers, mit ihm was anzufangen, weist sie ihn von sich ab, doch wird ihre Kraft wohl nicht reichen. Ein willkommene Möglichkeit für Barbara, sich Freundschaft und Zuneigung von Sheba zu erpressen - bis der Skandal ausbricht.
Ich hatte anderswo schon gelesen, wie gut der Film und die Schauspieler wären. Aber Himmel:
Judy Dench spielt - auch dank der Persönlichkeit Ihrer Rolle - Cate Blanchett gegen die Wand. Und das nicht deswegen, weil "la Blanchett" schlecht spielen würde. Sie presst jede Nuance raus aus ihrer Rolle und gibt uns eine Tiefe, die schlechtere Schauspielerinnen nur hätten erahnen lassen. Auch Bill Nighy gibt sein absolut bestes, sehr zur Freude des Zuschauers. Doch Judy Dench hat die besseren Texte und die grössere Erfahrung und kann somit sogar eine Cate Blanchett und einen Bill Nighy übertrumpfen.
Wie ich oft sage könnten Schauspieler nichts bringen, wenn die anderen Beteiligten mittlemässige Arbeit liefern. Beim vorliegenden Film verstärkt die exzellente Arbeit von Regie (Richard Eyre - "Stage Beauty", "Iris") und Kamera (Chris Menges "The Mission", "The Killing Fields") die der Schauspieler. Wir werden ohne Eile aber ohne Müssiggang in die Geschichte, die Persönlichkeiten und deren Lebensumstäde eingeführt. Schnell werden wir erkennen, wie einsam die Menschen in diesem Film leben. Jeder trägt seinen einsamen Kreuz und traut sich nicht, aus sich rauszukommen.
Ein Minimum an Kritik an das in England so verwurzelte Klassensystem ist klar zu erkennen, doch weiss ich nicht, wie ein Brite die Andeutungen verstehen würde. Auf jeden Fall hilft das Drehbuch dabei, dass wir die Notizen des Skandals genießen, und uns am Ende fragen, von welchem der Skandale überhaupt die Rede ist. Shebas Beischlaf mit einem Minderjährigen ist das Eine, aber nicht der einzige Skandal des Filmes.
Eine schöne Überleitung wäre es gewesen, wenn ich die Extras auch skandalös hätte nennen können. Doch sie sind nicht ein Mal das. Sie sind eher langweilig und nicht aufschlussreich. Gerne häte ich Näheres zum Film erfahren, aber die Beteiligten bleiben in Platitüden und Allgemeinplätze stecken und erzählen nichts, was nicht auch zu anderen Filmen passen würde. Bei einem so beeindruckenden Film erwartet man doch etwas Besseres.
Leicht besser verhält es sich mit dem Kommentar des Regisseurs. Zwar erzählt er uns hier und dort eh das, was wir sehen, aber immerhin hält er einen "inneren Monolog" für uns und erzählt uns dabei, wie der Film so wurde, wie sich uns darstellt. Kamera, Schnitt, die Arbeit der Schauspieler und andere Details kommen zur Sprache. Leider scheint die "britishness" vom Regisseur durch, und der Kommentar wirkt leicht langweilig durch seine monotone Art. Natürlich ist nicht jeder ein passionierter Orator, und ein Regisseur braucht das nicht zu sein, um gut zu sein, so dass ich den Kommentar letztendlich von der Mittelmässigkeit der anderen Extras retten möchte.
Fazit
"Dame Dench" zeigt Unmengen an Können, was die anderen Beteiligten wohl dazu anspornte, besser zu werden. Heraus kam ein unglaublich guter Film, den ich jedem empfehle, der Dramas mag - und gutes Kino. Ein empfehlenswerter Film, der leider in einer mit mehrheitlich mittelmässigen Extras verfrachteten DVD platziert wurde. Was die Wertung der DVD entsprechend nach unten schiebt. Man sollte den Film gesehen haben, und ob ein Mal ausleihen genügt mag ich nicht beurteilen. Unter Umständen möchte man den Film mehr als ein Mal sehen. Stoff genug für wiederholte Sichtungen bietet der Film allemal. (aks)
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