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Fantas(y)tisch
Das unbesiegbare Schwert - GE
geschrieben von klaus_h am 13. Sep 2007
The Bride with white Hair
Seitdem ich vor vielen Jahren den Klassiker "Ein Hauch von Zen" gesehen habe, bin ich ein Fan des epischen Eastern. In den letzten Jahren haben "Hero", "The Legend of the Evil Lake" oder "Musa - Der Krieger" dessen Nachfolge eindrucksvoll angetreten. Dessen märchenhaften Stil hat jedoch dieser vorliegende Film wie auch der etwas ältere "A Chinese Ghost Story" für mich am eindruckvollsten bewahrt. Nicht umsonst spielen Leslie Cheung und Brigitte Lin in dieser limitierten Gold-Edition unter Produzent/Regisseur Ronny Wu ("Chucky und seine Braut") mit, die allerdings einen irreführenden Titel hat.
Das unbesiegbare Schwert
Hongkong - 1993
Veröffentlichung: 31.08.07
Produzent: Ronny Wu
Darsteller: Leslie Cheung, Brigitte Lin, Elaine Lui, Francis Ng, Kit Ying Nam u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch, visuelles Kleinod
Unsere Wertung: 88 %
FSK: ab 18
Laufzeit: ca. 86 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1 / Kantonesisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9, 2,35:1
Untertitel: Deutsch
Extras:
• Making of (ca. 12 min)
• Trailershow (8 Eastern)
Zur Zeit der Ching-Dynastie herrschen in China mächtige Familienclans. Der Wu-Dang Clan besitzt dabei die Vorherrschaft. Eines ihrer Mitglieder ist der junge Yi Hang Cho (Leslie Cheung - "Bullet In The Head", "Lebewohl, meine Konkubine"), ein ehemaliger Waisenknabe, der von dem jetzigen Clanoberhaupt streng, aber wie ein potenzieller Nachfolger erzogen wurden. Dabei hat die Erziehungsmaxime stets den Schwächeren zu helfen, bei Cho ein starkes Unrechtsbewusstsein konditioniert. Dies hat ihn zum Missfallen des "Onkels", d.h. des Bruders des Clanältesten, oft über die Stränge schlagen lassen. Denn der liebe Onkel sieht lieber seine eigene Tochter, die Yi Hang Cho insgeheim liebt, in der Nachfolgerolle.
Als man dem mächtigen Mandschu-Clan zuvorkommen will, der von einem geheimnisvollen Zwillingspärchen dank ihrer Zauberkünste beherrscht wird, soll Cho die Truppen der Schwertkämpfer führen. Cho lehnt es ab, da er derartige Präventivaktionen ablehnt. Er ist stattdessen bezaubert von dem mysteriösen "Wolfsmädchen" (Brigitte Lin - "Chungking Express"), das wie er lieber den ausgebeuteten Bauern hilft und dabei außergewöhnliche Kampfkräfte mit ihrer langen Peitsche und ihren Haaren(!) entwickelt.
Dabei ist sie ausgerechnet jene Attentäterin, die als Wolfskind (Mogli lässt grüßen) von den Zwillingen ausgebildet wurde. Nun ist sie auf seine Truppen und ihn angesetzt worden. In einem furiosen Kampf, in dem er statt Schwert nur einen Bambusschößling einsetzt, flieht er aus dem Kampfgetümmel mit der nun von ihm Lien Chu Dang ("Das Mädchen, das im Mondlicht glänzt" oder kurz "Mondschein") genannten Liebe seines Lebens als Abtrünnige beider Clans. Beide schwören sich zwar Liebe und Vertrauen, werden am Ende doch zumindest in ihrer Zuneigung Opfer des Machtspiels ihrer Clans.
Der Regisseur und der Produzent geben in dem aufschlussreichen "Making of" offen zu, dass es sie sehr gereizt habe auf der Basis eines chinesischen Fantasy-Romans diesen sehr klassischen Eastern zu drehen, obwohl beide als Vertreter des modernen Eastern gelten. Viele Motive und Sequenzen sind bei den Vorbildern entlehnt, entwickeln aber eigene Wendungen. Sind es bei "Hauch von Zen" z.B. die Bänder der Kung-Fu-Kämpferinnen, die ihre Gegner fesseln, so lässt Lien Chu Dang gar ihre Haare wie Schlingpflanzen die Gegner "umgarnen". Am faszinierendsten empfand ich jedoch die ambivalente Doppelfigur des Zwillings:
Denn zu Anfang glaubt man eine Illusion Lien Chu Dangs oder eine Verwandlung als sie im Sekundenbruchteil sowohl von einem Mann als auch einer Frau bedrängt wird: Es ist der siamesische Zwilling (am Rücken zusammengewachsen) Ji Wushuang (Elaine Lui, Francis Ng), der sich für die Verbannung durch den Wu-Dang-Clan rächen möchte. Und einen teuflischeren Doppelbösewicht hat man schon lange nicht mehr im Eastern gesehen. Denn dass ausgerechnet der männliche Part sich in Liebe zu Lien verzehrt, während der weibliche Part in inzestuöser Liebe buchstäblich an ihm "hängt", ist noch eine weitere Pointe des Films.
Die gut ausgestattete DVD hat also alles, was ein Eastern braucht: packende Schwertkämpfe, durch die Luft fliegende und über das Wasser steppende KämpferInnen und ein furioses Finale, das auch der englische Titel besser verkörpert. Dabei merkt man vielen Szenen und Wendungen auch die Vorbildwirkung für "Tiger & Dragon" oder "Hero". Denn in beiden Filmen stecken Grundzüge der Kampf-Choreographie wie auch der Storyentwicklung aus "The Bride with white Hair" ("Bai fa mo nu zhuan").
Darüber hinaus bekommt man aufgrund der amourösen Verstrickungen für einen derartigen Film erstaunlich viel nackte Haut aller Hauptdarsteller und wirklich leidenschaftliche Liebesszenen (natürlich als Wet-Shirt-Nummer ;-) zu sehen, die auch Brigitte Lin und Leslie Cheung als Herausforderung ansahen. Denn dies war etwas, was in "A Chinese Ghost Story" allenfalls dezent angedeutet wurde. Aber wie alle Beteiligten nicht müde werden zu betonen: Dies ist in erster Linie eine phantasievolle Liebesgeschichte und erst in zweiter Linie der klassische Eastern. Und diese Intention wurde meiner Meinung nach gut erreicht.
Was den Genuss des Films etwas einschränkt, ist der in vielen Szenen geringe Tonwerteumfang des Bildes, gerade in den Mittentönen, was sicherlich durch die vielen Nacht- und Fantasysequenzen zu erklären ist. Außerdem sind viele Szenen bewusst unscharft gestaltet, um das Übernatürliche des Geschehens zu unterstreichen. Im direkten Vergleich zur heute typisch hart-knackigen Abtastung auf DVD verlieren derartige Hongkong-Klassiker, denen der Vertrieb Splendid mit seiner Amazia-Reihe ein würdiges Forum bietet, etwas an Schmelz. Visuell beeindruckend, tonmäßig auf einem sehr guten Level (der Soundcreator war für "Dick Tracy" zuständig) und mit recht westlicher Musik ausgestattet begeistert der Film vor allem durch seine phantasievollen Wendungen.
(kh)
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