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Kinderfilm
Das große Wilhelm Busch - Album
geschrieben von klaus_h am 20. Sep 2007
Bilderbuch-DVD
"Kein Mensch sieht so aus, wie es ist. Am wenigsten der Mensch, dieser ledener Sack voller Kniffe und Pfiffe", schrieb Wilhelm Busch, der deutsche Urvater des Comics 1893. Aus Anlass seines 175-jährigen Geburtstages veröffentlicht Universal Music diese Bilderbuch-DVD, die einige der bekanntesten Bildergeschichten des begnadeten Zeichners und humoristischen Dichters koloriert, behutsam animiert, mit musikalischer Untermalung und vorgetragen von Schauspielern uns Erwachsenen wieder einmal (wahrscheinlich nach langer Zeit) und den heutigen Kindern endlich einmal vor Augen und Ohren führt.
Das große Wilhelm Busch - Album
D - 2007
Veröffentlichung: 14.09.07
Regie: unbekannt
Sprecher: Astrid Bless, Jürgen Kern, Ekki Göpelt, Michael Niekammer, Alexander Flügge
"Nochmal"-Faktor: mittel bis hoch (je nach Altersstufe)
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 4:3
Untertitel: Fehlanzeige
Extras: Fehlanzeige
Nach den vielen Hörbüchern empfinde ich die Idee jene Begleiter der eigenen Jugend in dieser zeitgemäßen Form aufzubereiten sehr reizvoll und gerade auch den Bildern Buschs angemessen. Zwar exisitieren ein paar ältere Animationsfilmchen, diverse Hörspiele und eine fürchterlich altbackene Realverfilmung - aber fast ausnahmslos nur zu "Max & Moritz":
"Ach, was muß man oft von bösen
Kindern hören oder lesen!!
Wie zum Beispiel hier von diesen,
Welche Max und Moritz hießen."
Diese markanten ersten Textzeilen wird man vielleicht noch von der genialen Hörfassung Vico von Bülows (aka "Loriot") im Ohr haben. Und damit fängt das Übel an. Jeder Mensch neigt beim Urteil zum Vergleich. Zwar preist der Vertrieb die o.e. Sprecher als "angenehm" und "bekannt" an, aber lediglich zwei von ihnen kamen mir bekannt vor. Umso bezeichnender, dass diese dann ebenfalls die passende Intonation für den Vortrag besaßen! So ist der Sprecher (Göpelt?) für den ebenfalls recht langen "Fipps der Affe" mit seiner nöligen und diskantierend kiecksigen Stimme und dem schlecht verhüllten sächsischem Akzent eine regelrechte Zumutung.
Dadurch geht leicht unter, dass die anderen SprecherInnen einen grundsoliden "Job" machen. Ja, beim gar nicht so sehr bekannten "Der Bauer und der Windmüller", hinter dem sich eine bitterböse Racheanekdote verbirgt, deren Reiz und Brutalität für Kinder mir aber verschlossen bleibt, bewegt sich der offenbar routinierte Sprecher dieser Geschichte auf sehr hohem Niveau. Welche Geschichten verbergen sich noch in der Zusammenstellung?
"Max und Moritz", "Das Bad am Samstagabend", "Hans Huckebein", "Die Rutschpartie", "Der Bauer und der Windmüller", "Der Bauer und sein Schwein", "Der Hahnenkampf", "Der hinterlistige Heinrich" und der besagte "Fipps der Affe" - insgesamt eine nette Auswahl, bei der mir für Kinder jedoch das "Naturgeschichtliche Alphabet" (Lehrneffekt!), "Das Pusterohr" (Lausbubengeschichte mit bösem Ende!) und "Der Bauer und das Kalb" fehlen. Aber so etwas ist sicherlich Geschmackssache.
Auch die sonstige Präsentation des Silberlings ist eine Interpretationssache. Sicherlich greift man in den heutigen Zeiten zu kolorierten Fassungen - aber die zum Teil quitschbunte Ausgestaltung mancher Zeichnungen war mir zu wenig dezent; von welcher Vorlage sie auch wohl stammen mögen. Die im Gegensatz dazu pointierten Animationen (Wasserblasen beim "Bad", fliegende Maikäfer beim Menü) sind dagegen besser gewählt. Was mich etwas enervierte, war die zum Teil zylophonlastig-eintönige GEMA-freie Hintergrundmusik und die recht phantasielosen Zwischentitel der einzelnen Kapitel. Dies hätte man auch liebevoller gestalten können.
Wem dies alles als Beckmesserei vorkommen mag, dem sei entgegnet, dass man sich nun einmal bei einem derartigen mutigen Versuch, den ich ausdrücklich loben möchte, an dem Niveau des zu ehrenden Meisters orientieren sollte. Wenn diese DVD nur jeweils denjenigen Erwachsenen, der für sein Kind diese Scheibe erwirbt, wieder bewegt zum alten Wilhelm-Busch-Band zu greifen - dann ist die DVD schon ein Gewinn. Und wenn den Kindern damit sein Werk wieder nahe gebracht werden kann - warum nicht? Aber das nächste Mal bitte mit komplett hochkarätigen Sprechern! Astrid Bless als Stimme von Candice Bergen und Pam Grier möchte davon ausdrücklich ausnehmen. Aber "Schlagersänger" Göpelt sowie sein Intimus und Texter Michael Niekammer sind die deutlichen Fehlbesetzungen.
(kh)
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