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Musical
Flashdance SCE
geschrieben von klaus_h am 09. Okt 2007
"Oh, what a feeling!"
Ja, was für ein Gefühl, sang 1983 Irene Cara im oscarpreisgekrönten Tanzfilm "Flashdance". Dieser romantisch-kultige Überraschungshit war Anfang der 80er Jahre einer der drei großen "F": "Fame" und "Footloose" waren die beiden anderen. Nicht nur hatte Regisseur Adrian Lyne einen optischen Meilenstein der Popkultur gesetzt, sondern Produzent Jerry Bruckheimer ("King Arthur", "Fluch der Karibik") besaß mit seinem allzu früh verstorbenen Kompagnon Don Simpson den richtigen Riecher, aus einem Tangaminimun an Story dank Skript-Aufpoliermeister Joe Eszterhas ("Basic Instinct"), fetziger Musik und pfiffigen Tanznummern einen Erfolg zu landen. Und das, obwohl Hauptdarstellerin Jennifer Beals in den Tanzszenen gar gedoubelt werden musste!
Flashdance - Special Collector's Edition
USA - 1983
Veröffentlichung: 04.10.07
Regie:Adrian Lyne
Darsteller: Jennifer Beals, Michael Nouri, Sunny Johnson, Kyle T. Heffner, Cynthia Rhodes, Lilia Skala, Belinda Bauer u.a.
Extras:
• Die Geschichte von Flashdance
• Der Stil von Flashdance
• Flashdance: Musik und Songs (4.56 min)
• Flashdance: Die Choreographie (14.23 min)
• Das Phänomen von Flashdance
• Teaser und Trailer
Aber die eigentliche Geschichte von "Flashdance" war schon recht "löchrig". Ein junges Mädchen namens Alex Owens (Jennifer Beals: "The L Word", "Out of Line - Neben der Spur"), dessen höchste Leidenschaft das Tanzen ist, verdingt sich tagsüber als Schweißerin (!) und jobbt abends als Stageperformance-Tänzerin in "Mawby's Bar". Dort verdreht sie in aberwitzigen Choreographien sämtlichen Arbeitern aus der Stahlstadt Pittsburgh den Kopf.
So auch ihrem noch ganz knackigen Chef Nick Hurley (Michael Nouri), der ihr kraft seiner Beziehungen ein Vortanzen in einer renommierten Tanzakademie "ebnen" will. Obwohl sie ihn liebt, möchte sie dies nicht dank Vitamin B erleben, bezwingt ihre Ängste und lebt ihren Traum, indem sie das Vortanzen mit Bravour absolviert. So ganz nebenbei bewahrt sie ihre Freundin Jeanie (Sunny Johnson) noch davor aus Frust von der verpatzten Eislaufkarriere auf den windigen Stipclubbesitzer Richie (Kyle T. Heffner) hereinzufallen und als Tabledancer zu enden.
Als Regisseur und Produktion einen Choreographen suchten, fand man nach zu sterilen Entwürfen in Jeffrey Hornaday den richtigen Kandidaten, der jedoch sehr rasch das Einsetzen eines Doubles bei den Tanzszenen forderte. Denn Jennifer Beals sieht zwar selbst heute zum Anbeissen aus, aber eine professionelle Tanzausbildung hatte sie niemals absolviert. Nach einem Casting stieß man auf Marine Jahan, eine Französin, die den unverwechselbar sportlich-akrobatischen Tanzstil dieses Films auch dank der Vidoclipära zum Evergreen machte. Dass bald alle davon wussten, schadete dem Film nicht. Schließlich hatte Audrey Hepburn in "My Fair Lady" ebenfalls nicht selbst gesungen!
Denn bei der Musikauswahl hatte man dank Altprofi Arthur Rosen ein glückliches Händchen: Neben der bereits genannten Irene Cara, fanden sich mit Giorgio Moroder, Michael Sembello, Laura Brannigan und etlichen anderen mehr einige der trendigsten Musiker und Komponisten der frühen 80er ein, deren Lieder durch die Direktumsetzung der Filmausschnitte in Videoclips dem Film dankbare Synergieeffekte geschenkt haben. Selbst diejenigen die den Film selbst nie gesehen haben, kennen entweder die Workout-Sequenz Michael Sembellos "I'am a Maniac" oder das finale Vortanzen in der Prä-MTV und Viva-Zeit durch den Vorreiter "Formel 1".
Musik (Oscar für den Besten Filmsong, "What a Feeling!, Golden Globe für den Besten Soundtrack) und Tanz waren also die eine Seite des Erfolgsrezepts. Neben den schnuckeligen Hauptdarstellern garantierte jedoch auch der sehr visuelle Look Adrian Lynes Inszenierung das unverwechselbare Bild. Nicht nur die Stroboskop-Kabukiszene mit ihrem New Wave-Touch auch die Eröffnungsszene, in der es den Regisseur einfach nach einer nassen Tänzerin verlangt hatte, da ihn das Lichtspiel der Wassertropfen so faszinierte, waren stilbildend. Dass man dabei mit der Duschszene einen Klassiker produzierte, der selbst in "Shrek 2" und von Jennifer Lopez 1:1 in einem Videoclip zitiert wurde, spricht für sich.
All diese Elemente überdecken dabei die frech-flapsig z.T. gar ordinären Sprüche wie auch die riesigen Logiklöcher: Denn so wirklich klar wird nie, was eigentlich in Nouris Firma "gemacht" wird! Außer der Produktion von viel Dampf, trendigem Wasser- und Funkenregen bei Discoausleuchtung scheinen Schweißgeräte und Trennschleifer keinen tieferen Sinn zu haben.
Was diese Special Collector's Edition über viele andere vergleichbare Neuauflagen heraushebt, ist zum einen die herausragende Bildqualität, da man anscheinend eine Neuabtastung von der Ursprungskopie gemacht hat. Dadurch wirkt der Film wie frisch aus dem Ei gepellt. Zum anderen hat man eine Vielzahl wirklich informativer Features aus verschiedenen Blickwinkeln zusammengetragen, die den Stil und die Entstehung des Film nachvollziehen lassen. Dass dabei Bruckheimer, Nouri, Lyne und etliche andere des Teams vor die Kamera getreten sind, hebt diesen 90-Minuten-Videocliptraum der 80er auf eine Stufe mit den Special-Editions von "Grease" oder "Ein Offizier und Gentleman". Für Fans von romantischen Tanz- und Musicalfilmen (Bruckheimer betont ausdrücklich dieses Etikett) ist diese Neuauflage ein Muss.
(kh)
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