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Thriller
Ripley under Ground
geschrieben von klaus_h am 23. Okt 2007
Patricia Highsmiths Liebling
Die Meisterin des psychologischen Thrillers, Patricia Highsmith, hat vor mehr als 40 Jahren mit ihrem "talentierten Mr. Ripley" den charismatischen, amoralischen Antihelden schlechthin geschaffen. Ihr erstes Buch wurde dann auch mehrmals verfilmt, erst mit Alain Delon oder gar zum letzten mal mit Matt Damon. Aber diese Verfilmung hier greift den skupellosen Hochstapler als Thema auf, als dieser ausgerechnet kurz vor dem Ziel seiner Träume in höchste Bedrängnis kommt. Und schon tut er einem fast leid...
Ripley under Ground
USA - 2005
Veröffentlichung: 22.10.07
Regie: Roger Spottiswoode
Darsteller: Barry Pepper, Jacinda Barrett, Alan Cumming, Tom Wilkinson, William Dafoe, Claire Forlani, Ian Hart, Douglas Henshall, François Marthouret u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 91%
FSK: 12
Laufzeit: 96 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1 / Englisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9, 1,85:1
Untertitel: Fehlanzeige
Extras: Trailer
Tom Ripley (Barry Pepper: "Flags of Our Fathers", "25 Stunden") lebt einige Jahre seit seinem erfolgreichen Coup an der Côte d'Azur nun in London, wo er sich dank seines chamäleonhaften Talents recht erfolgreich als Amateur-Schauspieler im Künstlermilieu herumtreibt und Schauspiel studiert. Doch so langsam geht das ergaunerte Geld zur Neige und der Dekan hat entdeckt, dass einige seiner Zeugnisse gefälscht sind. Kurz vor der Vernisage seines Künstlerfreundes Derwatt (Douglas Henshall: "Primeval - Die Rückkehr der Urzeitmonster) lernt er die entzückende Heloise Plisson (Jacinda Barrett: "Der Menschliche Makel") kennen, die er gewitzt deren Freund auspannt.
Doch gerade als sein Künstlerfreund vor seinem großen Durchbruch steht und seiner Muse Cynthia (Claire Forlani: "Rendezvous mit Joe Black", "Hooligans", "Das Medaillon", "Not Forgotten") einen Heiratsantrag macht, lehnt sie ihn ab. Volltrunken fährt Derwatt rasend mit seinem Citroen von dannen. Der Freundeskreis, Galerist Constant, Ripley & Co, eilt ihm nach, da sie seinen Selbstmord fürchten. Tatsächlich rast er gegen einen Baum. Tom rettet ihn zwar noch aus dem brennenden Wagen, aber es ist zu spät.
Als ihnen Jeff Constant (Alan Cumming: "Romy und Michele - Alle Macht den Blonden", "The X-Men") eröffnet, dass sich im Gegensatz zur landläufigen Meinung nun dessen Bilder gar nicht erst verkaufen würden, da er als toter Maler keine Geldanlage mehr darstelle und ihnen keine Möglichkeit mehr bleibe, stoppt Ripley die allgemeine Panik: Was wäre, wenn Derwatt erst ein wenig später sterben würde, bis man alle bereits vorhandenen Bilder verkauft habe? Also versteckt man die Leiche in der Kühltruhe des Galeristen und versenkt den Wagen im nahegelegenen See.
Der Plan scheint aufzugehen. Doch alle sind auf den Geschmack gekommen. Und so überzeugt Ripley den talentvollen, aber labilen Maler Bernard (Ian Hart: "Wenn Träume fliegen lernen"), die unvollendeten Bilder fertig zu malen und ihn fortan zu kopieren. Das Quartett profitiert erheblich davon, aber Ripley ist es, der sie dank seiner Tricks und Besonnenheit zusammenhält. Als der Kunstsammler Neil Murchison (William Dafoe: "American Dreamz", "Auto Focus", "Zurück im Sommer", "Ein Leben für ein Leben - Adam Hundesohn") Zweifel an der Echtheit eines Werkes bekommt, räumt er diese dank eines perfekt gefälschten Briefes zunächst aus.
Aber Murchison reist ihm nach Frankreich nach, wo Tom im väterlichen Schloss seiner Freundin weilt. Im Wettlauf gegen die Zeit bleibt ihm nur eine Möglichkeit: in die Rolle des Malers zu schlüpfen. Fast geht der Plan auch auf, da er ihn perfekt imitiert. Nur hat er leider nicht die von Terpentin zerfressenen Hände eines Malers und der Kunstsammler stürzt in seiner Hast zu Tode. Jeder anderer würde in Panik verfallen. Nicht so Ripley, der unter Zeitdruck erst zur Höchstform aufläuft. Denn er hat ein Ziel, das Herz der schönen, von dem ihm auch ein argwöhnischer Schwiegervater in spe, wankelmütige Kumpane und der gerissene Inspektor Webster (Tom Wilkinson: "Stage Beauty", "Das Mädchen mit dem Perlenohrring", "Vergiss mein nicht!") von Scotland Yard nicht abbringen können. Oder doch?
Ich muss zugeben, dass ich den Film mit diebischem Vergnügen gesehen habe. Barry Pepper ist alles andere als ein Schönling, auf den jeder sofort hereinfallen würde, und somit fast die Idealbesetzung für "Ripley". Darüber hinaus nimmt man ihn die raubtierhaften Reflexe bei seiner Charade jederzeit ab. Außerdem ist es Skript (W. Blake Herron: "Die Bourne Identität") und Regie (Roger Spottiswoode: "Mörderischer Vorsprung", "James Bond 007 - Der Morgen stirbt nie") wunderbar gelungen, das Geschehen von den 60er Jahren in die Jetztzeit zu transportieren.
Witzigerweise hat man dabei in Dekor, Maske und Autos immer wieder Anspielungen auf jene Zeit unternommen. Wenn man am Ende mit dem größten Betrüger der Kriminalliteratur mitfiebert und sich freut, dass er vielleicht am Ende eine Frau bekommt, die ihm ebenbürtig ist, dann hat der Film wirklich sein Ziel erreicht. Trotz der mageren Ausstattung eine gute Wahl für den heimischen DVD-Player. Denn Anthony Mingellas Retrothriller mit Matt Damon litt in meinen Augen unter der grandiosen Fehlbesetzung des Titelhelden. (kh)