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Drama
The White Countess
geschrieben von tor7ten am 06. Feb 2008
Der letzte Walzer in Shanghai
Es beginnt mit einem Walzer in Zeitlupe. Nicht zufällig wurde diese Szene gewählt, stellte der Walzer schließlich stets ein Symbol gehemmter politischer Umbruchsstimmungen dar, in dessen Verlauf aggressive Energien durch beständiges Drehen eingebunden und abgeschliffen werden. "The White Countess" spielt im mit Gaunern, Geschäftsleuten, Exilanten und Extremisten durchsetzten Shanghai in den 1930er Jahren. Insofern ist die Walzersequenz recht stimmig gewählt. Ralph Fiennes ("Der englische Patient", "Harry Potter und der Feuerkelch", "The Chumscrubber") spielt den durch eine Bombenexplosion erblindeten Diplomaten Todd Jackson. Die Begegnung mit Sofia (Natasha Richardson, "Manhattan Love Story"), einer russischen Exil-Gräfin, die sich als Barmädchen und Hure durchschlägt, inspiriert ihn zu der Idee, seinen eigenen Club zu eröffnen. Einzige Voraussetzung: Sofia soll für ihn arbeiten und der Mittelpunkt seines Clubs sein.
The White Countess
Großbritannien, USA, Deutschland 2005
Veröffentlichung: 05.12.06
Regie: James Ivory
Darsteller: Ralph Fiennes, Natasha Richardson, Vanessa Redgrave u.a.
"Nochmal"-Faktor: gering
Unsere Wertung: 45% (wegen Ausstattung und Schauspielern)
FSK: ab 12
Laufzeit: 130 Minuten
Sprachen und Tonformate:
Deutsch, Englisch in Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9 (1.85:1)
Extras:
Filmkommentare von James Ivory u. Natasha Richardson
Hinter den Kulissen
Making of
Ralph Fiennes ist ein außergewönlicher Schauspieler. Zwar ist er oft auf den Typus des Mannes mit wenig Worten und vielen Sorgen festgelegt, aber er hat die Fähigkeit, aus den vorgegeben Rollen das Maximum an Präsenz zu holen. Dies gilt auch und umso mehr für seine Rolle in "The White Countess", da sein Charakter Todd Jackson blind und damit eines wichtigen Ausdrucksmittels beraubt ist. Das Maximum an Performance zu zeigen, braucht der Film denn auch, denn das in vielen Aspekten positiv an "Casablanca" erinnernde Melodram krankt leider an anderen Stellen: Stringenz, Drehbuch, Spannung. Dafür erleben wir aber ein rührseliges Ende. "The White Countess" ist zwar ein schöner, aber gleichzeitig auch unnahbarer und äußerlich kühler Film. Denn trotz a) einer farbenprächtigen und aufwändigen Produktion, b) einer eindringlicher Filmmusik und c) guten bis erstklassigen Schauspielern packt der Film nicht.
Fiennes' Charakter Jackson, früher ein amerikanischer Diplomat voller Idealismus, dümpelt ziellos in Shanghais "Gentlemen's Clubs" und Bars herum, desillusioniert und enttäuscht von Politik, Kriegen und Konflikten. Nicht zuletzt der Verlust seiner Frau und Kinder in den politischen Wirren Chinas trägt zu seiner Einstellung bei.
Als er eines Tages auf den zwielichten Japaner Matsuda (Hiroyuki Sanada) trifft, findet Jackson in ihm einen Assistenten bei seinem Plan, einen eigenen Club zu eröffnen, der Jackson anbietet, seinen geplanten Club mit der wichtigsten Zutat für erfolgreiche Nachtclubs bereichern will: Politische Spannungen. Jackson versetzt sein Erspartes beim Pferderennen und gewinnt. Die Gerüchte rund um die Person Matsudas, er sei Schirmherr und Aufseher eine kommenden japanischen Invasion, blendet Jackson ebenso aus wie die Welt um ihn herum - er perfektioniert seinen eigenen Mikrokosmos.
Sofia Belinsky (Natasha Richardson), die zweite Hauptfigur, ist eine russiche Gräfin ("Countess"), deren Familie vor Jahren vor der Revolution der Bolschewiki geflohen ist. Sie lebt in einem Slum von Shanghai und ernährt ihre übrig gebliebene Familie und Tochter durch die Arbeit in schäbigen Clubs und Prostitution, was die Schmähung durch die Verwandten zur Folge hat. Eben diese Verwandte wollen sich mit ihrer Tochter und ohne sie nach Hongkong absetzen. Zeitgleich zur geplanten Flucht besetzen die Japaner Shanghai und es bricht ein Chaos aus, in dem die Russin und Jackson die Tochter suchen und zu sich holen wollen. Durch "Irrungen und Wirrungen" politischer und persönlicher Natur ziehen sich die Stränge der Handlung - besonders im Mittelteil - hin, bis zur japanischen Invasion Shanghais. Die "White Countess" geht in Flammen auf und damit einhergehend findet Jackson zu Hoffnung und Idealismus zurück, während er mit Sofia und ihrer Tochter auf einem Boot flieht.
"The White Countess" ist ein leises, zähes Drama über das Leben im Exil und die Liebe in schwierigen Zeiten. Der Film ist definitiv zu lang geraten und im gleichen Zug sind die Charaktere erstaunlich "blass". Ich persönlich gebe - im Ausschlussverfahren - dem Drehbuch die Hauptschuld dafür, denn wie bereits ausgeführt liegt es nicht an den Darstellern, der Produktion, der Kameraführung oder der Regie. Im Gegenteil: Gerade in diesen Punkten überzeugt der Film (und die technische Übertragung auf die DVD) voll (wer hätte bei einer Ivory-Merchant-Produktion anderes erwartet?)! Die Kameraführung verdient besondere Erwähnung und Beachtung, denn das perfekte Spiel mit verschiedenen Einstellungen, Farbgebungen und Signalen ist ein Fest für die Augen (th).
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