Folge uns über twitter
RSS Feed: DVDmaniacs.de auf den Desktop oder auf eure Site
Fantas(y)tisch
Der Sternwanderer
geschrieben von klaus_h am 06. Mar 2008
Stardust
Wenn der Produzent von "Snatch - Schweine und Diamanten" und Regisseur von "Layer Cake" daran geht einen Fantasyfilm nach einer Buchvorlage Neil Gaiman ("Die Legende von Beowulf", "Coraline") zu verfilmen, dann kann eigentlich nur ein Genrestück herauskommen, das sich selbst kaum ernst nimmt und mit schwarzem Humor brilliert.
Der Sternwanderer
USA - 2007
Veröffentlichung: 06.03.08
Regie: Matthew Vaughn
Darsteller: Claire Danes, Charlie Cox, Robert De Niro, Michelle Pfeiffer, Mark Strong, Sienna Miller, Rupert Everett, Peter O'Toole, Nathaniel Parker, Henry Cavill, Olivia Grant u.a.
"Nochmal"-Faktor: sehr hoch
Unsere Wertung: 97 %
FSK:12
Laufzeit: 122 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch/Englisch/Türkisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 2,40:1
Untertitel: Deutsch/Englisch/Türkisch
Extras:
• Leseprobe der preisgekrönten illustrierten Geschichte v. Neil Gaiman und Charles Vess als kleines Panini Comic
• "Ein gutes Omen - Making of" (30 min)
• Deleted Scenes - fünf entfallene Szenen (5:56)
• Bloopers - Outtakes (3:26)
• Originaltrailer
England im 19. Jahrhundert. Bei dem Versuch, das wunderschöne, aber berechnende Mädchen Victoria (Sienna Miller) für sich zu gewinnen, verspricht Tristan (Charlie Cox), ihr eine fallende Sternschnuppe zu bringen. Doch um den Stern zu finden, muss Tristan die verwunschene Steinmauer überwinden, die seine kleine Heimatstadt Wall der Legende nach von dem phantastischen Königreich Stormhold trennt. Das Abenteuer seines Lebens beginnt, als er herausfindet, dass es sich bei dem Stern in Wahrheit um eine himmlische Schönheit namens Yvaine (Claire Danes: "Familienfest und andere Schwierigkeiten") handelt.
Das Königreich Stormhold hat gleichzeitig mit Nachfolgeproblemen zu kämpfen. Der alte König (Peter O'Toole: "Was gibt's Neues, Pussy?", "Masada") sucht einen Erben und hatte einmal sieben Söhne, die sich jedoch bis auf drei gegenseitig umbrachten. Der König bringt das Ganze in Gang, da er einen verzauberten Rubinanhänger gen Himmel schleudert - wer seiner drei verbliebenen Söhne ihn wiederbringt, erlangt das Königreich. Dumm nur, dass der Rubin bei seinem Flug den Stern herabgerissen hat, während die anderen Prinzen als Geister deren Treiben sarkastisch kommentieren. Insbesondere Prinz Septimus (Mark Strong: "Fever Pitch", "Der Adler der Neunten Legion", "The Guard") trachtet nach ihr, da sie Unsterblichkeit bedeutet.
Als die alte Hexenfürstin Lamia (Michelle Peiffer) versucht, Yvaines Herz zu stehlen, um für sich und ihre Schwestern ewige Jugend zu erringnen, muss Tristan Yvaine unter allen Umständen beschützen. Aber noch eine Verwicklung gibt es: 18 Jahre vor unseren Ereignissen war nämlich Tristans Vater Dunston Thorne (Nathaniel Parker: "The Inspector Lynley Mysteries 2", "Merlin - Die neuen Abenteuer") angelockt von den wunderlichen Sagen ebenfalls über die Mauer gegangen. Dort hatte er sich unsterblich in die Sklavin einer Hexe verliebt. Ein Abenteuer, das - schaut man sich Tristan an - nicht ohne Folgen blieb, zumal jene Sklavin einst eine Prinzessin war. Beste Voraussetzungen für Abenteuer-, Märchen- und Romantikfans...
Wenn man erfährt, dass diese märchenhafte Geschichte einer Zeit, in der die Magie so alltäglich ist wie das Bezahlen einer Rechnung, ihren Anfang nahm bei einem Irlandurlaub des Autors 1988, dann hat das "Making of" sein Ziel erreicht. Denn damals sah er in Irland eine wunderschöne Mauer mit einem Loch darin. "Was wäre, wenn dahinter eine Märchenwelt existieren würde?", fragte sich Gaiman. Vier Jahre später sah er eine Sternschnuppe - und schon war die Grundidee der Geschichte geboren.
Vaughns Zugang zur Geschichte war die Idee, den jedem bei diesem Film einfallenden "Die Braut des Prinzen" mit "Midnight Run" zu verschmelzen. Und dies ist ihm gelungen. Denn sowohl der Zauber der Romantik und Magie dieses "Märchens für Erwachsene" als auch die Suspense halten im ganzen Film ein hohes Niveau. Dies ist der phantasiereichen Vorlage, der entsprechenden Umsetzung des Sets, der Maske, der Kostüme und der CGI-Effekte, sowie beherzt aufspielender Darsteller vollends gelungen.
Robert De Niro ("Die durch die Hölle gehen", "Der letzte Tycoon") spielt den polternden Wolkenpiraten Kapitän Shakespeare, hinter dessen Maskerade sich "eine Cancan tanzende Tunte" von heroischem Format verbirgt, in einer wundervollen Mischung all seiner typcast-Klischees. Newcomer Cox verkörpert glaubhaft die Wandlung vom Naivling zum Mantel-und-Degen-Helden, während Clair Danes ("Les Misérables", "Shopgirl") ebenso zauberhaft zu strahlen wie auch herumzuzicken versteht. Bei der Besetzung Michelle Pfeiffers als Hexenfürstin, die trotz des Altersverfalls dem Jungbrunnen nacheifert, um ihre betörende Schönheit wiederzuerlangen, machte man ebenfalls einen kalkulierten Glücksgriff.
Nie sah man sie gleichsam böse wie schön. Eine Rolle, die auch ihr sichtlich Spaß gemacht hat. Lediglich Rupert Everett ("Stage Beauty", "King George", "To Kill a King", "Palast der Winde") hat man mit einer undankbaren Rolle bedacht, da er zwar als Geist bis zum Schluss präsent ist, aber dank seines Sturzes (alle Prinzen erscheinen nach ihrem Tod, wie sie dieser ereilt hat: verbrannt, erschlagen, erfroren, ertrunken...) recht zermatscht aussieht... Insgesamt verblüfft der Film immer wieder aufs Neue durch gegen den Strich gebürstete, selbstironische Wendungen: welcher Held fragt die Heldin schon bei der ersten stürmischen Begegnung, ob sei seine Mutter sei? Und derartige Momente gibt es viele im Film.
Im Vorfeld des Filmes, der völlig zu unrecht an den Kinokassen nicht recht zünden wollte, lästerten manche notorischen Kritiker an zwei Special Effects-Szenchen herum: dem doppelköpfigen Elefanten im Käfig (Zehntelsekunde sichtbar) und dem Schloss, das manche wohl an Minas Tirith erinnerte. Zwar ist der erste Trick bescheiden, aber sowohl die fliegende Piratengalleone, der fliegende Stern, als auch alle anderen Sequenzen besitzen ein hohes Niveau, das diese beckmesserische Krittelei nicht rechtfertigt. Denn auch beim "Herr der Ringe" wie auch "Harry Potter und der Feuerkelch" fallen einige kleinere Fehler auf. Übrigens ist das Schloss ein Amphitheater mit hohem Turm - wo ist da die Übereinstimmung mit Minas Tirith, wenn man bei jeder Burg einen Turm erwartet?
Auch das Setdesign überzeugte mich vollständig. Die vor Toresschluss geborene Idee Vaughns, den Spiegelsaal von Versailles in Schwarz und Silber als Saal der Hexen für die finale Auseinandersetzung nachbauen zu lassen, erwies sich als ebenso gut, wie der Kampf der per Vodoo-Püppchen ferngesteuerten Leiche des Prinzen Septimus gegen Tristan. Wenn dabei noch die toten Prinzen auf dem Kaminsims Zuschauer spielen, hat man eine der orignellsten Fechtszenen der Filmgeschichte vor sich. Mein Fazit: Ein Audiokommentar hätte die DVD perfekt gemacht, aber bereits die übrige Ausstattung beantwortet viele Fragen. Somit kann man diesen phantastischen Märchenfilm für die ganze Familie empfehlen, denn wirklich abstoßend sind nur die Alterserscheinungen der Hexen.
(kh)
____________
Mitglied seit: Okt 03, 2004
Artikel: 597
Location:Tirol
Geschrieben am:21. Mar 2010 - 13:10
Nachdem ich's jetzt auch endlich mal geschafft habe mir den Sternenwadnerer anzusehen, muss ich Klaus einerseits zustimmen, andererseits aber auch etwas widersprechen.
Zustimmen weil die Ideen und die ironischen bis schwarzhumorigen Anspielungen auf das Fantasygenre wirklich unterhaltsam sind und der ganze Film locker flockige Unterhaltung bietet.
Widersprechen insofern, da ich eben diese Einfälle oft zu wenige ausgearbeitet und zu schnell abgehandelt fand. Klar würde der Film Herr der Ringe-Laufzeiten annehmen, wenn man alles besser ausarbeiten würde, aber oft ging mir alles zu schnell. Da war zuviel Inhalt in zu wenig Zeit.
Werde mir aber wohl Gaimans Buch besorgen. Habe bisher zwar nur sein "Graveyard Book" gelesen (und geliebt) und erhoffe mir, dass da die Geschehnisse etwas mehr ausgeschmückt wurden.
_________________ I'm not supposed to be here today! Dante Hicks in CLERKS