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Animation
Lissi und der wilde Kaiser - Premium Edition
geschrieben von klaus_h am 05. Apr 2008
Die wilde Jagd durchs Kaiserreich
Vollblutkomödiant und Regisseur "Bully" Herbig ("HUI BUH - Das Schlossgespenst") ist wohl der demokratischste unter allen Filmschaffenden. Hat er doch seinerzeit seine Fans entscheiden lassen, in welcher Reihenfolge seine Adaptionen aus der Bullyparade ins Kino kommen würden. Nach "Der Schuh des Manitou" und "Traumschiff Surprise" kam mit "Lissi und der wilde Kaiser" auch "Sissi & Franz" als ewig schmachtend überzogende Verballhornung des Sissi-Booms erst in die Kinos und nun auch auf DVD heraus. Und wer Bullys Leidenschaft für DVD-Ausstattungen kennt, ahnt, was auf ihn zukommt...
Lissi und der wilde Kaiser - Premium Edition
Deutschland - 2007
Veröffentlichung: 13.03.08
Regie: Bully Herbig
Sprecher: Bully Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian, Waldemar Kobus, Lotte Ledl, das Duo Badesalz u.a.
"Nochmal"-Faktor: mittel bis hoch
Unsere Wertung: 77%
FSK: ab 6 Jahren
Laufzeit: 85 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1 / Deutsch Dolby Digital 5.1 DTS (Hörfassung)
Bildformat: 16:9, 2,35:1
Untertitel: Deutsch
Extras:
• DVD 1: Mit Bully den Film ansehen
• Der wilde Soundmixer (Auswahl einzelner Tonspuren zu einer Szene)
• DVD 2: Bully Spezial - das Making of (41 min)
• Produktionstagebuch (Auszug)
• Bayerischer Filmpreis und TV-Auftritte
• Die original Filmskizzen
• So entstand der Film (4 entscheidende Phasen)
• Interviews
• Lissie und die wilde Kaiserfahrt 3-D, plus 3-D-Brille
• Anrufbeantworter-Sprüche und Geburtsgrüße (auch als ROM-Teil mit *mp3-Dateien)
Doch zu Anfang hatte Bully - wie er es recht ausführlich auf der Bonus-DVD erläutert - ein Problem bei der Realisierung des Stoffes. Bereits bei den Dreharbeiten zur Bullyparade war ihm der mordsmäßige Aufwand (Schminke, Kleid, Frisur) für die Sissi trotz aller Liebe zur Figur ein Gräuel geworden. Mit bald 30 kg mehr am Körper wäre das gleichzeitige Stehen "hinter der Kamera" schier unmöglich gewesen. Da er immer ein Freund der Animation war, blieb nur eine Lösung: Computeranimation. Womit man bei der nächsten Herausforderung war: wie, mit wem und mit welchen Mitteln?
Doch der bekennende Perfektionist hat die technischen Herausforderungen auf hohem Niveau bewältigt bekommen. Etwas anders sieht es jedoch bei der Story aus, da bereits die Sketche dank ihrer absichtlichen Absurdität nie den Hauch einer Geschichte hatten. Herbig gibt klar zu, dass man bei der Story etwas Probleme bekommen habe, doch dann sei ihm die Idee gekommen, auf den Yeti ("Yeti am Mittag") zurückzukommen, der dann die Sissi aka Lissi (ein alter Transkriptionsfehler widerlegte die Legende; vgl. "Sisi") raubt, um seine Seele vor dem Teufel zu retten. Daraus resultiert der alte Verfolgungsplot mit allen (un)möglichen Wirrungen und Irrungen.
Und leider liegt trotz allem Charme und Phantasie der Umsetzung, der köstlichen Nebenfiguren wie der Rückkehr von Ignaz & Schweiger, des wienerischen Cruella Creville-Verschnitts Sibylle (Lotte Ledl), der Ruhrgebietskodderschnauze Waldemar Kobus als Yeti und "des Dudes" König Bussi von Bayern (Kavanian) auch der Grund dafür begraben, warum der Film im Kino nicht so recht zünden wollte.
Manche einäugigen Kritiker bemängelten den zotenhaften Humor. Offensichtlich haben sie die Bullyparade kaum gesehen, denn das war ein Hauptcharakteristikum der schrägen Dialoge zwischen Tramitz ("Falco - Verdammt, wir leben noch!", "Tramitz & Friends") und Herbig. Aber weil im Hauptteil des Films eben Lissi und Franz auseinandergerissen werden, fehlen diese Dialoge bis auf wenige Ausnahmen zu Anfang des Films. Und zu allem Übel wollten manche Fans schließlich das Schmachten, Dramolieren und Grimassieren echter Darsteller sehen.
Somit hat der Film zwar ein hohes Tempo und mitunter eine hohe Gagdichte, aber der Schmelz einer wie auch immer gearteten Realverfilmung oder die verspielte Skurrilität des ersten Shreks, mit der er offenkundig kokettiert, gehen ihm leider ab. Die Figuren sind gut animiert und entworfen, agieren aber in einer zum Teil schablonenhaften Landschaft, der die Dreidimensionalität aufgrund einer gewissen perfektionistischen Kälte fehlt.
Außerdem scheint man aus Kostengründen auf weitere animierte Akteure neben den neun Hauptfiguren komplett verzichtet zu haben, wodurch der Film zwar einerseits den Sketchen ähnelt, in denen außer Sissi und Franz nur der Feldmarschall zu sehen war, andererseits er aber eine latente Sterilität besitzt, die den optischen Genuss schmälert. So wirken auch die beiden Hauptfiguren zu glattpoliert und "fad".
Die Testvorführungen müssen Herbig geschmerzt haben, da ich es noch nie erlebt habe, dass vor der eigentlichen Kinopremiere bereits das Making of zu Promotionzwecken zur Prime Time im TV ausgestrahlt wurde. Dies findet man neben dem anderen üppigen Bonusmaterial auf den beiden Scheiben der Premium Edition, die sicherlich die bessere Wahl ist, weil somit vieles über den Herstellungsprozess offenbart wird. Allerdings hätte ich z.B. auf die alberne Split Screen-Vorführung "Bully Herbig schaut mit ihnen die DVD", bei der er sich absichtlich sein Getränk in den Schritt kippt, um sich dann umständlich trocken zu föhnen, getrost verzichten können.
Ein anständiger Audiokommentar wäre allen ausgesprochenen Bully-Fans sicherlich lieber bei vergleichbarem Zeitaufwand gewesen. Den "wilden Soundmixer" kennt man bereits aus "Ice Age 2", aber auch hier macht es Spaß. Die Merchandising 3-D-Fahrt ist zwar gelungen, aber letztlich nur Werbung für einen Themenpark der Bavaria Filmstadt. Vorbildlich ist hingegen die gut inszenierte Hörfassung für Blinde. So gesehen scheiterte Herbig an den Kinokassen auf hohem Niveau, aber allen Fans wird die DVD dennoch Spaß machen. Denn Phantasie und Wagemut hat er allemal damit bewiesen. (kh)