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Sportfilm
 GOAL!
geschrieben von DvB am 19. Apr 2008

Vom Gärtner zum Fußballstar

CoverSportlerfilme sind immer ein Wagnis. Denn es gibt kaum Schauspieler, die sich auf dem Sportplatz ähnlich gut bewegen können wie vor der Filmkamera. Die Szenen wirken oft peinlich, im besten Falle unrealistisch (siehe Boxerfilme, bei denen sich die Protagonisten ohne Deckung mit sauberen Schlägen wie die Verrückten vors Maul hauen). Auch am ambitionierten Fußballfilm "GOAL!" geht dieses Problem nicht spurlos vorbei. Hauptdarsteller Kuno Becker ("Nomad") kann einfach nicht Fußball spielen. Auch sonst ist der Genuss des Streifens eher mittelmäßig.

GOAL!
USA/GB - 2005
Veröffentlichung: 27.10.05
Regie: Danny Cannon
Darsteller: Kuno Becker, Alessandro Nivola, Stephen Dillane, Anna Friel u.a.
"Nochmal"-Faktor: mittel
Unsere Wertung: 50%
FSK: ab 12
Laufzeit: ca. 113 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1, Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 2,35:1
Untertitel: Deutsch
Extras: • Making of,
Audiokommentar
• Interviews,
Kinotrailer
Santiago Munez – dargestellt vom mexikanischen Soapstar Kuno Becker - pflegt als illegaler Einwanderer in Los Angeles die Pools der High Society. Nebenbei kickt er in einem Hobbyteam. Wie es der Zufall will, sieht das der ehemalige britische Profi und Talentscout Glen Foy (Stephen Dillane - "Spy Game", "King Arthur"). Er ist von dem Fußballtalent so begeistert, dass er sich fortan zum Ziel setzt, ihn in die englische Premier League zu bringen. Er bemüht seine Kontakte und schließlich darf Munez ein Probetraining bei der zweiten Mannschaft von Newcastle United absolvieren. Das geht natürlich vollkommen schief, die gestandenen Kicker nehmen den jungen unbedarften Munez gehörig in die Zange. Zu allem Überfluss regnet es aus allen Kübeln, der Platz ist matschig. Ungewohnte Bedingungen für den Mexikaner. Er fällt durch, Glen Foy wird wieder tätig und schafft es, dass Munez nun einen Monat mittrainieren darf.

BeispielIn dieser Zeit entsteht so etwas wie eine Freundschaft zum gerade verpflichteten, aber von den Newcastle-Fans ungeliebten Superstar Gavin Harris. Allessandro Nivola ("Face-Off", "Jurassic Park 3", "Carolina") mimt den Lebemann, der neben Fußball vor allem dem Alkohol und Partyleben frönt. Munez zieht bei ihm ein und bringt ihn natürlich auf den richtigen Pfad. Gleichzeitig entsteht eine nie offen augesprochene enge Beziehung zur Clubkrankenschwester Roz Harmison, (Nora Tschirners unentdeckter Zwillingsschwester Anna Friel - "Timeline"). Von nun an geht es für das Riesentalent darum, sich im Verein Newcastle United nach oben und vor allem ins Profiteam zu kämpfen, um seine in Los Angeles in eher ärmlichen Verhältnissen lebenden Familie stolz zu machen. Dabei lässt er sich auch nicht von seinem Asthma abhalten.

Beispiel"GOAL!" ist auf drei Teile ausgelegt. In Teil 2 wechselt Munez in die spanische Liga zum Starensemble von Real Madrid, im dritten Teil soll er bei der WM auflaufen. Danny Cannon, einer der Köpfe der formidablen Serie "CSI – Den Tätern auf der Spur", führte Regie bei der ersten Ausgabe des von der FIFA gesponsorten Filmreihe, die den ohnehin schon bekannten Sport Fußball noch bekannter und beliebter machen soll. Mit "GOAL!" kann das gelingen. Denn Hauptdarsteller Kuno Becker kommt sehr sympathisch und unbedarft daher. Die weiblichen Zuschauer werden ihn mögen. Für Fußballfans sind die sehr realistischen Darstellungen der Fußballszenen echte Leckerbissen. Die echten Spielszenen mit Stars wie Steven Gerrard werden angereichert mit nachgedrehten Filmszenen mit Becker und Nivola, die dann technisch perfekt eingesetzt werden. Der Zuschauer denkt, die beiden spielen tatsächlich gegen die Großen aus der Premier League. Dabei macht Kuno Becker eine eher unglückliche Figur. Er wirkt in seiner ganzen Körpersprache und seinen Bewegungsabläufen nicht wie der selbstbewusste Jungprofi, sondern eher wie ein Fan, der mal mit seinen Idolen kicken darf. Alessandro Nivola dagegen, ein sehr talentierter Fußballer, ist wie schon im John Woo-Desaster "Face/Off" ein Lichtblick. Seine Technik und Ballbehandlung sind profi-like.

Der Film fängt sehr vielversprechend an. Die aufwendige Produktion erkennt man schon in den ersten Minuten. Tolle Kameraaufnahmen von Michael Barrett ("CSI") mit einem echt guten Bild und Ton erfreuen das Auge und das Ohr. Graeme Revell untermalt das Ganze mit passender Musik. Ärgerliche Klischees wie der Altprofi, der neidisch auf den Jungprofi ist und ihn deshalb schikaniert, wo er kann, sind zu verkraften. Erfreulich ist, dass die Beziehung zur Krankenschwester nicht, wie sonst üblich, sofort unter Dach und Fach gebracht wird. Und auch, dass Alessandro Nivola, von der Konstellation her eigentlich der natürliche böse Film-Widerpart des guten Protagonisten, sich als leicht chaotischer Sympath und Freund des Hauptdarstellers entpuppt. Danny Cannon wirft sein ganzes Können in die Waagschale, um einen hochwertigen Film zu produzieren. Doch an den branchenüblichen Klischees kommt halt auch er nicht vorbei. Natürlich schießt Munez ein wichtiges Tor nach dem anderen, vornehmlich in der letzten Spielminute. Und natürlich ist er am Ende der Sieger in Verbund mit seinem Freund Gavin Harris. Aber das Pathos zum Schluss, als er Sekunden nach dem Abpfiff auf dem Feld mit seiner mexikanischen Oma telefoniert, die ihm sagt, dass sein inzwischen verstorbener Vater, der strikt gegen eine Fußballkarriere war, anscheinend seine Karriere voller Stolz verfolgt hat, ist dann doch des Guten etwas zu viel.

BeispielDer Film ist logisch aufgebaut, wenn auch absolut vorhersehbar. Die ständigen Auf und Abs, die Santiago Munez während der 113 Minuten durchleben muss, münden in einem wenig furiosen Finale. Der Abspann überrascht sogar etwas und man denkt: Wie? Das war es jetzt? Über Munez' Status bei Newcastle United bleibt der Zuschauer unaufgeklärt. Stars wie David Beckham, Zinedine Zidan und Raul bekommen kurze Gastauftritte, um dem Fan das ganze noch schmackhafter zu machen. Sympathisch hölzern spulen die Fußballstars ihren Text runter. Trotzdem können Fußballfans sich den Streifen sehr gut antun. Die amerikanische Produktion kommt aber nie an Sportlerdramen wie zum Beispiel "An jedem verdammten Sonntag" ran.

Die Extras auf der DVD sind ok. Ein nettes fürs TV produziertes "Making of" und kleinere Interviews. Dass die Interviews sowohl separat abzuspielen sind, als auch im Making of vorkommen, ist allerdings ärgerliche Augenwischerei. Und der Trailer zu "GOAL!" ist überflüssig. Besonders hervorzuheben ist allerdings der Audio-Kommentar von Philipp Köster, Herausgeber von 11 Freunde - ein weiterer Leckerbissen für Fußballfans. Denn Köster erzählt während des Films die ein oder andere Anekdote aus seinem Fanleben. Insgesamt ist der eher mittelmäßige Streifen nur etwas für Fußballfans. Alle anderen werden sich sofort langweilen.

Tolle, realistische Darstellung eines Profifußballclubs mit Stars wie Alan Shearer wechseln sich mit klischeehaften Darstellungen von rivalisierenden Fußballern, vorhersehbaren Entwicklungen und zum Ende viel zu viel Pathos ab. (DvB)


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