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Komödie
King of California
geschrieben von klaus_h am 19. Jun 2008
Der Herr von Los Angeles
Manchmal gibt es sie doch. Jene wundervoll schrägen Märchen voller Poesie und Moral abseits der ausgetretenen Pfade der Traumfabrik. Diese Schelmengeschichte um einen abgedrehten Unvater und Überphantasten, gespielt vom großen Michael Douglas, der seine Tochter das Glauben an Träume wieder lehrt, ist eine der positiven Überraschungen dieses Filmjahres. Und sie zeigt uns noch etwas: Don Quichote lebt!
King of California
USA - 2007
Veröffentlichung: 19.06.08
Regie: Michael Cahill
Darsteller: Michael Douglas, Evan Rachel Wood, Allisyn Ashley Arm, Willis Burks II, Willis Chung u.a.
"Nochmal"-Faktor: sehr hoch
Unsere Wertung: 96 %
FSK: 12
Laufzeit: 89 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 1,85:1
Untertitel: Deutsch
Extras:
• Making of
• Originaltrailer
• Bildergalerie
Die 17-jährige Miranda (Evan Rachel Wood: "The Missing", "Down in the Valley", "Das Leben vor meinen Augen") lebt trickreich ein Leben am Rande der Gesellschaft. Nachdem ihre Mutter von zu Hause weggelaufen ist, der Vater Charlie (Michael Douglas: "Die Straßen von San Francisco") wegen "ungebührlichen Verhaltens in der Öffentlichkeit" in eine geschlossene Anstalt verwiesen worden ist, meistert sie ihr Leben selbst. Das Jugendamt glaubt, sie sei bei der Mutter, diese denkt, sie weile beim Vater und dieser denkt, sie sei bei der Mutter. So wird sie schneller als gedacht erwachsen, jobbt bei McDoof und leistet sich einen klapprigen, aber eigenen Volvo.
Da kommt eines Tages wie ein Wirbelwind ihr Vater Charlie nach seiner Entlassung wieder auf und möchte Versäumtes als "Vater" nachholen. Schnell merkt man, wer der eigentliche Erwachsene ist. Aber Charlie denkt nicht daran, sich einen Job zu suchen und einem geregeltem Leben nachzugehen. Stattdessen jagt er der Illusion nach mitten in Los Angeles einen verlorengegangen Schatz der spanischen Conquistadores zu finden.
Ist er verrückt? Besessen? Völlig abgedreht? Letzteres mit Sicherheit, aber sein Wahnsinn hat Methode. Hat er doch in der Anstaltsbibliothek eine spanische Abhandlung über die Tagebücher jenes Mönches gefunden, der die Expedition im 16. Jahrhundert bis zum bitteren Ende begleitete, sich die Sprache selbst beigebracht und versucht nun - Schliemann gleich - den Weg bis zum Versteck des Goldschatzes zu rekonstruieren.
Kopfschüttelnd und widerwillig hilft ihm Miranda, damit er nicht direkt von der Polizei verhaftet wird. Aber mit all seinem zauseligen Charme, seiner Chuzpe und seiner Intelligenz hat er ihre Hilfe dank seiner nie aufsteckenden Begeisterung fast nicht nötig. Als er eine Dublone findet, glaubt auch sie allmählich daran. Aber als der Schatz ausgerechnet unter den Gewölben eine riesigen Supermarkts in einem alten unterirdischen Fluss liegen soll, möchte sie aufstecken. Aber für Charlie ist dies erst der Startschuss, bei dem er dank der unbegrenzten Mittel (Taucheranzug, Preßlufhammer etc.) dieses Supermarkts erst so richtig aufdreht...
Dieser Film ist eine wundervolle Parabel darauf, was eine Eltern-Kind-Beziehung ausmachen kann und dass man seine Träume unbedingt ausleben sollte. Douglas spielt seine Rolle als wundervolle Mischung aus seinem Glanzpart in "Wonderboys", dem guten, alten Catweazle und Don Quichote. Wenn er hierfür keinen Filmpreis ergattern sollte, weiß ich es auch nicht mehr. Evan Rachel Wood spielt erstaunlicherweise schon wieder in einem ähnlichen Milieu aber auch auf ebenbürtigem Niveau wie in "Down in the Valley". Und selbst das Set scheint "Carolina" entsprungen zu sein.
Wer schlitzohrige Tragikomödien wie "Der Tolle Mr. Flim-Flam" (George C. Scott, 1967) mag, die auch ein bittersüßes Ende verkraften können, ist mit dieser DVD bestens bedient. Allein die beiden Hauptdarsteller sind im Zusammenspiel ihr Geld wert - von der schönen Geschichte ganz zu schweigen. Außerdem lehrt er die ganze Filmindustrie sich zu erinnern, dass Kalifornien nicht umsonst einst nur eine Utopie in der fiktiven Reisebeschreibung eines Träumers war, bevor es überhaupt entdeckt wurde. Und in solchen Momenten entspringt den strahlenden Augen des Michael Douglas echte Magie...
(kh)