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Thriller
Kobra, übernehmen sie - Season 3.1 u. 3.2
geschrieben von klaus_h am 06. Okt 2008
No Mission Impossible
Vier Dinge machten "Kobra, übernehmen sie" in den frühen 70er Jahren des deutschsprachigen TVs aus: es war die erste wirkliche Thrillerserie, sie besaß überraschende Wendungen bzw. Tricks und wechselnde Spielorte sowie "die" stilbildende Titelmusik Lalo Schiffrins ("Der grosse Coup"). Das Agenten-Team der IMF (Impossible Mission Force) um Silberhaargentleman Jim Phelps (Peter Graves) übernimmt jeden Auftrag - auch wenn sich das verkündende Tonband fast immer in Rauch auflöst und bei einem Misslingen ihre Auftraggeber leugnen würden sie zu kennen...
Kobra, übernehmen sie - Season 3.1 u. 3.2
USA - 1968/69
Veröffentlichung: 06.10.08
Regie: Alexander Singer, Paul Stanley, Paul Krasny, Sutton Roley, John Florea, Don Richardson, Lee H. Katzin, Richard Benedict, Robert Butler, Robert Gist, John Llewellyn Moxey, Stuart Hagmann, Bruce Kessler, Stuart Hagmann, Gerald Mayer, Reza Badiyi
Darsteller: Peter Graves, Barbara Bain, Martin Landau, Peter Lupus, Greg Morris, Pernell Roberts, Charles Aidman, Bo Svenson, Val Avery, Theodore Bikel, Sid Haig, John Vernon, Edward Asner, Lloyd Bochner u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch, Kultstatus
Unsere Wertung: 82 %
FSK: 12
Laufzeit: 573 + 631 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 2.0 Mono
Bildformat: 4:3
Untertitel: Deutsch
Extras: Fehlanzeige
Bei diesen Kultserien glaubt man eigentlich den Ablauf zu kennen. Am Anfang einer jeden Folge sucht Jim Phelps einen "toten Briefkasten" auf, in dem das fragliche Tonband steckt, stopft es in sein sehr handliches Abspielgerät und bekommt meist nur ein bis zwei Fotos dazu. Dann erzählt stets die gleiche Stimme ihm das Szenario und seinen Auftrag mit der o.e. Warnung und mit heftigem Qualm löst sich das Band auf ("This tape will selfdestruct in 5 seconds"). Doch - oh, Wunder - in der Doppelfolge "Comeback für Richy" muss Phelps es doch tatsächlich selbst in einen Teich werfen!
Und so löst das Team, dem keine Mission unmöglich erscheint mit viel Planung, ihren Begabungen, technischen Gimmicks und vor allen Dingen Improvisationstalent jeden Auftrag. Ist Phelps unbestritten der Boss des Teams, so steht Cinnamon Carter (Barbara Bain: "Mondbasis Alpha 1") als geheimnisvolle wie attraktive Lady der Verwandlung dar. Rollin Hand (Martin Landau: "Verbrechen und andere Kleinigkeiten", "Rounders") brilliert als ihr männliches Pendant der Verwandlungskunst, der sogar jede Stimme nachahmen kann. Willy Armitage (Peter Lupus) und der farbige Barney Collier (Greg Morris) sind quasi die Techniker und "Muskeln" der Truppe, die jedoch wie Barney in "Comeback für Richy" auch in Doppelrollen schlüpfen müssen.
In einem Balkanstaat muss Cinnamon (# 1 "Das Geheimnis der Schatulle") eine vermeintlich von den Toten wieder auferstandene blinde Prinzessin mimen, um einen machtgierigen General am Staatsstreich zu hindern. Im Herzen Afrikas bringen sie den geldgierigen Söldnerführer Colonel Prim (# 4 "Der Söldnerführer") (Pernell Roberts, "Bonanza", "Trapper John, M.D." als Fidel-Castro-Kopie) erst um dessen Gold und dann um seine argwöhnische Gefolgschaft (u.a. Bo Svenson: "Kill Bill Vol. 2"). Doch selbst im Weißen Haus (# 8 "Ein großes Risiko") werden sie eingesetzt.
Parallelen zur realen Geschichte (Schicksal der Romanovs, Anastasia-Legende) und zum Wunschdenken des Kalten Krieges (viele Einsätze hinter dem Eisernen Vorhang) sind klar erkennbar. Aber all jene Folgen sind gekennzeichnet durch einen Wesenszug ihrer Helden: Köpfchen statt Gewalt! Kommt irgend jemand zu Schaden, so sind es in der Regel die "Bösen", die einander umbringen. Die insgesamt 25 Folgen sind in der Reihenfolge angeordnet, in der sie im deutschen Fernsehen um 1973 zu sehen waren.
Bei einigen, wie z.B. "Das Geheimnis der Schatulle", hat man die beim deutschen Endschnitt herausgeschnittenen Szenen unsynchronisiert wieder eingefügt, sodass man merkt, dass insbesondere die Dialoge gestrafft wurden. Dies tat jedoch in einigen Fällen auch not, wenn man gerade die Suspense-Szenen betrachtet. So braucht Cinnamon geschlagene 5 Minuten, um den Schließmechanismus der fatalen Schatulle zu ertasten und das Anbohren, Schmelzen und Vertigeln des Söldnergoldes scheint sogar gefühlte 10 Minuten zu dauern. So viel Zeit gönnt man sich heute nicht mehr in Serien.
Ohne viel Filmschmutz, hinreichend scharf, aber mit leichtem Bild- und Farbrauschen präsentiert uns Paramount einen Klassiker der TV-Geschichte in vertretenswerter technischer Qualität und zumindest bei mir mit der Erkenntnis, dass manche dieser Folgen selbst heute einen gewissen Pfiff besitzen, der vielen heutigen Serien und in meinen Augen auch der actionhörigen Leinwandverfilmung grundweg abgeht. Übrigens: Jeder Vorspann ist individuell mit Einzelsequenzen der jeweiligen Episode geschnitten - heute undenkbar!
(kh)
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