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Fantas(y)tisch
Invisible
geschrieben von Aleks_A am 13. Apr 2004
Sympathy for the devil
Schweden, Land der hohen Preise für Alkohol und der ewigen sozialen Ruhe. Ewig? Das Bild Schwedens bekommt nicht erst seit den Morden an Politikern Risse - und eines der Themen in diesem Film (außer das Übernatürliche) ist die Gewalt an schwedischen Schulen. Dies hier ist kein Astrid Lindgren Roman.
Invisible Schweden 2002
Veröffentlichung: 15.04.2004
Regie: Joel Bergvall & Simon Sandquist
mit: Gustaf Skarsgard, Tuva Novotny, Li Bradhe u.a.
"Nochmal"-Faktor: niedrig bis mittel. Das mittelmäßige Drehbuch nimmt viel vom Spaß weg
Unsere Wertung: 45%
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 95 Min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch und Schwedisch, DD 5.1 und DD 2.0
Bildformat: 2,35:1 (Anamorph Widescreen)
Untertitel: Deutsch, bei der Originalfassung nicht auszublenden
Extras: Interview mit der Synchornsprecherin von Tuva Novotny
Nicklas (Gustaf Skarsgard) sehnt sich danach, der Schule endlich den Rücken kehren zu können. Er gehört zwar zu den besten Schülern seines Abiturjahrgangs, doch heransehnen heißt nicht, sich darauf zu freuen: Er würde am liebsten nach London gehen und dort auf eine Schule für Schriftsteller gehen. Seine Mutter beharrt aber eisern darauf, dass er BWL studieren muss. Nicklas plant, die Schule hinzuwerfen und sich heimlich nach London abzuseilen. Einen Flug hat er schon gebucht.
Doch es kommt alles anders. Die kriminelle Schülerin Annelie (Tuva Novotny) wird verhaftet und verbringt einen Tag bei der Polizei. Als sie rauskommt will sie wissen, wer sie da rein gebracht hat: Nicklas' bester Freund gibt unter Folter Nicklas' Namen als denjenigen preis, der Annelie bei der Polizei angekreidet hat. Er weiß, dass es nicht stimmt, aber wenn er keinen Namen nennt, tötet ihn Annelie. Und außerdem ist Nicklas zu dem Zeitpunkt eh schon im Flieger...
Doch falsch gedacht. Nicklas hat es sich anders überlegt. Prompt wird er von Annelie zusammengeschlagen, für tot gehalten und in einem Loch im Wald verscharrt. Als am nächsten morgen Nicklas wieder in die Schule kommt wundert er sich zwar, dass er keine Schramme hat, freut sich aber, das Ganze überlebt zu haben. Von seinen Mitschülern und Lehrern scheint ihn jedoch keiner zur Kenntnis zu nehmen. Ist er tot? Ist er jetzt ein Geist? Und wie kann er die einzige Person, die ihn sieht, davon überzeugen, der Polizei zu sagen, wo er liegt? Diese Person ist nämlich keine andere als Annelie...
Der Film ist ganz interessant und geht mit der Mythologie der Geister auf seine eigene Art um. Schauspieler und Regie sind gut. Doch ein großer Schwachpunkt dieses Filmes ist das Drehbuch. So richtig Spannung baut sich nur in wenigen Szenen auf, der Rest der Geschichte plätschert hin. Man will zwar wissen, wie es ausgeht, spielt aber regelmäßig mit dem Gedanken, den eher langweiligen Szenen irgendwie Pepp zu geben. Zum Beispiel mit der Vorspul-Taste.
Sehr stark gestört hat mich jedoch die "message", die mir der Film scheinbar mit auf den Weg geben will. Ab ungefähr der Mitte des Films verfällt er nämlich in einen sozialpädagogischen "sie können nichts dafür, es ist ihre Umwelt" Modus und verlangt letztendlich von uns, dass wir für die Mörderin, Kriminelle und Schlägerin Annelie Sympathie und Verständnis entwickeln, nachdem man uns gezeigt hat, wie wenig ihr ihre Mitmenschen wert sind. Tod und Verstümmelung derselben nimmt sie ja problemlos in Kauf.
Und nach solch menschenverachtendem Verhalten soll ich plötzlich Sympathie für sie empfinden, weil sie aus "schwierigen familiären Umständen" kommt? Das kann ich nicht. Nicht im geringsten. Mir tun die Opfer Annelies leid, Annelie selber aber nicht. Auch dann nicht, wenn uns mit dem Vorschlaghammer eingetrichtert wird, dass Annelie ja nur ein Produkt ihrer Umwelt ist. Bu-huu, die Ärmste.
Am Ende des Films fragt man sich tatsächlich, ob das alles ist, was Schweden zu bieten hat.. Ich gehe nicht davon aus. Denn außer dem Drehbuch fehlt diesem Film nichts. Doch wenn eine noch so spannende Geschichte nicht richtig erzählt wird, dann geht der ganze Film flöten. Das Drehbuch und die "message", man sollte mit der Täterin doch Mitleid haben, haben mir den Spaß an diesem Film reichlich vergällt. (aks)
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