Folge uns über twitter
RSS Feed: DVDmaniacs.de auf den Desktop oder auf eure Site
Action
Kill Bill - Vol.1
geschrieben von phlip am 19. Apr 2004
Anime Fiction
Eine Frau atmet schwer im Dunkeln. Das Bild wird heller, das Gesicht einer blutverschmierten Braut ist zu sehen, die am Boden liegt. Männerstiefel kommen näher. Der Mann fragt: "Findest du mich sadistisch?" Mit einem Taschentuch, auf dem BILL steht, wischt er ihr das Blut aus dem Gesicht. Er sagt, dass er gegen sie nicht sadistisch sein könne. Er sei sogar masochistisch. Sie: "Bill, es ist dein Baby." Er schießt. Einblendung: "Der 4. Film von Quentin Tarantino." Noch Fragen?
Kill Bill Vol. 1
USA 2003
Veröffentlichung: 22.4.2004
Regie: Quentin Tarantino
mit: Uma Thurman, Lucy Liu, Vivica A. Fox, Daryl Hannah, Sonny Chiba u.a.
"Nochmal"-Faktor: mittel
Unsere Wertung: 75%
FSK: ab 18
Laufzeit: ca. 106 Min.
Sprachen und Tonformate: deutsch und englisch Dolby Digital 5.1, deutsch dts 5.1
Bildformat: 2,35:1 (16:9 Widescreen) mit sehr guter Qualität
Untertitel: deutsch, englisch, englisch für Hörgeschädigte, italienisch, spanisch
Extras: Making of, 2 Songs der Band 5,6,7,8's, 1 Trailer, 2 Teaser
"Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird" steht auf der ersten Tafel im Film, darunter "Altes klingonisches Sprichwort". Wir sollen also alles nicht so ernst nehmen? Schnitt. Pasadena, Kalifornien. Das Haus der Familie Bell. Die Braut (Uma Thurman, muss ich mehr sagen? O.k.: Pulp Fiction, Gattaca, Mit Schirm, Charme und Melone) klingelt. Vernita Green (Vivica A. Fox aus Independence Day und Batman & Robin) öffnet. Die Braut erinnert sich, wie Vernita an ihrer Hochzeit über ihr stand, als sie blutend am Boden lag. Sie begrüßt Vernita mit einem Faustschlag. Der Anime-gestylte Kampf kann beginnen. Glas splittert, Körper fliegen, Messer schwirren, it's Martial Arts time. Als sich die zwei mit gezückten Messern gegenüber stehen, steigt draußen vor dem Fenster Vernitas kleine Tochter aus dem Schulbus.
Kaum kommt das Kind zur Tür rein, unterbrechen die Damen ihre angenehme Nachmittagsunterhaltung. Die Braut stellt sich vor, ihr Name wird jedoch ausgepiepst. Um das zu verstehen, muss ich wohl Vol. 2 sehen. Vernita schickt das Kind raus, aber anstatt dass der Kampf nun weitergeht, bietet Vernita der Braut einen Kaffee an. Aus dem Off erzählt uns die Braut, dass sie früher mal zu einem "Attentatskommando Schwarze Viper" gehörte und "Black Mamba" genannt wurde, Vernita war "Copperhead". Die Braut will Vernita nicht vor den Augen ihrer Tochter töten. Doch Vernita hat einen Colt versteckt und schießt auf die Braut, trifft aber nicht. Die Braut dagegen trifft mit ihrem Messer.
Draußen im Wagen streicht die Braut schon den 2. Namen von einer Todesliste. Dann fährt sie mit ihrem quietschgelben "Pussy Wagon" davon. Nächstes Kapitel.
El Paso, Texas, viereinhalb Jahre früher. Ein Sheriff fährt seine 4 Sonnenbrillen spazieren bis zu einer Kirche. Dort erklärt ihm sein Polizisten-Sohn, dass ein Massaker stattgefunden hat. Bei einer Trauung sind 9 Menschen einschließlich Braut, Bräutigam und Pfarrer erschossen worden. Bewundernd meint Papa Cop, dass das das Werk von mexikanischen Profis gewesen sein muss. Als er sich über die Braut beugt, spuckt ihn der "blutbespritzte Engel" mit Blut voll. Sie lebt also noch. Auch im Krankenhaus ist die Braut nicht sicher. Doch sie überlebt.
Vier Jahre später liegt die Braut immer noch im Krankenhaus im Koma. Eine Mücke sticht sie in den Arm. Sie schreckt hoch und beginnt, um ihr verlorenes Kind zu weinen.
Erneut zeigt Tarantino einen Film über eine Frau, die mit enormem Einsatz und Willen für ihre Sache kämpft. Falsch, nicht nur über eine Frau. Nächstes Kapitel.
O-Ren Ishii (wie immer supercool: Lucy Liu aus Ally McBeal und Charlie's Angels) ist auch Mitglied der schwarzen Vipern ("Cottonmouth"). Der Film schaltet in den Anime-Modus (Nien, nicht schon wieder ein Kampf, sondern tatsächlich Zeichentrickfilm in japanischem Stil - aks), um von O-Rens Jugend zu erzählen. Mit 9 beobachtet sie die Ermordung ihrer Eltern durch einen japanischen Unterweltboss, schon mit 11 jedoch kann sie sich an dem pädophilen Gangster sehr blutreich rächen. Mit 20 ist sie dann eine der Top-Killerinnen der Welt. Und bei der tödlichen Hochzeit war sie natürlich auch dabei. In der Folge verliert der Film dann erst einmal deutlich an Fahrt. Mit Ennio-Moricone-Musik wird er zum Italo-Eastern. Der japanische 70er-Superstar Sonny Chiba hat seinen Auftritt als Schwerthersteller Hattori Hanzo. Doch später wird der Rachefeldzug der Braut gegen Bill und seine Elevinnen um so blutreicher fortgesetzt, viele Körperteile verlieren ihren Halt.
Der Film ist zunächst eine Freude für den Japanisch-Studenten. So viel Japanisch wurde meines Wissens noch in keinem englischen Film gesprochen. Tarantino hat den Film in Peking und Tokio gedreht und nur wenig Crew aus Amerika dabei gehabt, sich von den Locals inspirieren lassen. Und er macht Bilder wie sonst nicht einmal die Wachowskis. Als die Braut aus dem Koma erwacht, gibt es eine Rückblende, wie sie sich an ihre Ermordung erinnert. In riesengroßer Einstellung drückt Bill ab. Man sieht die Kugel im Colt, superlangsam die Zündung und wie die Kugel sich in Bewegung setzt und auf die Braut zukommt. Bewundernswert ist wie in seinen ersten Filmen die stilistische Sicherheit, mit der er seinen Cocktail mixt. Japan plus Anime plus Kung Fu plus Sergio Leone plus Brian De Palma (die Szene mit Elle Driver (Daryl Hannah) im Krankenhaus ist split screen) plus Soul plus Surfer-Musik. Überhaupt, die Musik: Ich behaupte mal, dass Tarantino zur Zeit der beste Musik-Bild-Kombinierer ist. Die Mischung aus Original-Tracks von The RZA und Songs vorwiegend aus den 70ern ist mehr als gelungen. Wenn am Anfang nach der Einblendung "Der 4. Film von Quentin Tarantino" der Titelsong Bang Bang (My Baby Shot Me Down) von Sonny und Cher in einer ganz ruhigen Version von Nancy Sinatra einsetzt, ist Gänsehaut angesagt.
Andererseits muss man schon ein beinharter Fan digitalen Blutvergießens sein, damit einem die Blutmengen nicht auf den Keks gehen, die das ewige große Kind Tarantino uns zumutet. So ein abgeschlagener Arm oder Kopf mag ja ein, zwei mal noch ganz eindrucksvoll sein, aber auf die Dauer wird das richtig öde und ist in dieser Häufung auch nicht mehr nachzuvollziehen. Aus den Arm- und Kopfstümpfen spritzt das Blut wie aus dem Gartensprenger, auch die digitalen Bilder wirken hier zeitweise lächerlich. In Pulp Fiction und Jackie Brown gab es zwar auch viel Gewalt, aber dort ging meiner Meinung nach nie so die Balance hin zu Nervigkeit und Sinnlosigkeit verloren wie hier. Schade eigentlich, denn der Film hat viele 100%-Szenen, aber das gibt dicke Abzüge.
Auch die Extras sind leider etwas mager ausgefallen. Interessant ist nur das Making of, immerhin 22 Minuten lang. Außerdem gibt es noch zwei Songs von den 5,6,7,8s, einer japanischen 3-MÄdels-Band, die Surf-Musik spielt. Wer sich mehr erwartet, sollte vielleicht auf zukünftige Kill Bill Gesamtausgaben spekulieren.
Gut, dass auch ein Tarantino zwangsweise älter wird. In Zukunft können wir uns von seinen genialen opto-akustischen Kombinationen und Stil-Mixen sicher noch viel Freude erhoffen. Kill Bill hat das auch, leidet aber unter dem Ausleben seiner diesmal von keinem Produzenten gestoppten spätpubertären Gewaltphantasien. Trotzdem natürlich ein Muss für alle Quentin-, Uma-, Lucy-, Anime- und Samurai-Fans. (pk)
Sofort bei amazon.de kaufen? Einfach nur auf den Link klicken! Beitrag per E-Mail versenden druckerfreundliche Ansicht