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Dokumentation
Die Erde von Oben - Teil 1: Artenvielfalt - Erde und Ressourcen
geschrieben von klaus_h am 27. Dez 2008
Leben mit der Erde - La terre vu du ciel
Wenn eine Fotoausstellung weltweit 50 Millionen Besucher zählt und der dazu gehörige Bildband alleine in Deutschland 400.000 mal verkauft wird, dann verdankt man diese beeindruckenden Zahlen vor allen Dingen der Perspektive des Fotografen und (!) gelernten Biologen Yann Arthus-Bertrand. Denn der Franzose ist dank seines Studiums wirklich in der Lage, seine Botschaft zu verkünden: Nur im Einklang mit der Natur vermag der Mensch sowohl seine Umwelt als auch sich selbst zu erhalten.
Die Erde von Oben Teil 1: Artenvielfalt - Erde und Resourcen
Frankreich - 2004
Veröffentlichung: 18.09.08
Regie: Pascal Plission, Yann Arthus-Bertrand
Mitwirkende: Yann Arthus-Bertrand, Hans Christians, Peter Banza, Bob Brown, Jonathan Scott, Ho Shi Xiu, Norah Njiriani, Carolina Vargas, Benjamin Okalo, Heidi Douglas, Patrick Duncan, Mauricio Copetti u.a.
"Nochmal"-Faktor: sehr hoch
Unsere Wertung: 100%
FSK: frei
Laufzeit: 200 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1 Französisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9, 1,85:1
Untertitel: Deutsch
Extras:
• Vorstellung des WWF durch Pressesprecher Jörn Ehlers
• 3 WWF-Spots
Was nicht jedermann über Bertrand ahnt, ist, dass er Ende der 70er Jahre, nachdem er eine Zeitlang als Geschäftsführer eines Wildparks in Frankreich gearbeitet hatte, für seine wissenschaftliche Abschlussarbeit über das soziale Leben der Löwen fünf Jahre in Kenia lebte. Dort finanzierte er seine Studien unter anderem damit, dass er Touristen mit dem Heißluftballon über das faszinierende Land "fuhr" und dabei seine eigene Perspektive "von oben" für sich entdeckte. Mit seinen beeindruckenden und bis heute unvergessenen Fotoserien über freilebende Löwen sollte er jedoch in den beiden nächsten Jahrzehnten seinen Lebensunterhalt vorzeichnen.
Aus dem Biologen wurde der Fotograf Bertrand, der alles Mögliche und Unmögliche fotografierte - von den hippen Surferhosen an den Leibern von Papua Neuguinea-Eingeborenen bis hin zu den intimen Farmfamilienbildern zur französischen Landwirtschaftausstellung. Auf dem Umweg über einen schönen Bildband über Paris, den er ebenfalls aus dem Heißluftballon aufnahm, kam er zu seinem wohl bekanntesten Projekt: "Die Erde von oben". Dank dieses Erfolges wird der Fotograf nun wieder zum Biologen, dem endlich sein Publikum wieder zuhört - und Bertrand ist ein guter Geschichtenerzähler - und Zuhörer.
Denn dank seiner mehrjährigen Arbeit rund um die Welt hat er ein vorzügliches Netzwerk an naturkundlichen Koriphäen aufgebaut, die mit höchsten Einsatz und Herzblut für den Erhalt "ihrer" Biotope kämpfen und sich für diese einsetzen. Ob es ein älterer Zoologe und Tierfilmer wie Jonathan Scott ("Tagebuch der Elefanten") in Kenia ist, den Bertrand noch aus alten Tagen kennt, oder die brasilianische Forscherin Carolina Vargas, die ein Riesenotterjunges im Pantanal aufgezogen hat - sie alle wissen eine Geschichte zu erzählen, die Bertrand und das Kamerateam in aufwändige und beeindruckende Bilder kleiden.
Da ist das beindruckende Ökosystem des Eduardsees im Kongo, in denen die Nilpferde der Wilderer wegen immer mehr verschwinden und damit auch die Fischbestände, die sich zum Teil von deren nährstoffreichen Kot ernähren, zum Erliegen bringen. Dass darunter die örtlichen Fischer leiden, ist nachvollziehbar. Wenn man jedoch sieht, wie recht große Fische in Schwärmen den Nilpferdkot, kaum das Tier verlassen, wegputzen, schmunzelt man amüsiert über derart einzigartige Bilder.
Doch Bertrand lässt den Zuschauer sich nicht nur an schönen oder seltenen Bildern ergötzen, er weiß ihn auch zu entsetzen. Denn wo das BBC nur den unentwegt im Wasser paddelnden Eisbären zeigt, der trotz Tagesleistungen von 150 km ohne rettende Eisschicht und Robbenjagdgründen verhungern oder ertrinken wird, schockiert uns der schnauzbärtige Asterixvetter mit einem bis zum Skelett abgemagerten Eisbären, der durch die Steintundra taumelt. Ebenso verstörend ist die "Abholzung" des einzigartigen Urwalds von Tasmanien mittels Napalm.
Bei dem Kapitel "Resourcen" geht es Bertrand vor allen Dingen darum aufzuzeigen, wie sträflich leichtsinnig die Westeuropäer und vor allen Dingen die Amerikaner mit dem lebenswichtigen Rohstoff Wasser umgehen. Denn angesichts der enormen Mengen Wasser, die allein für das Existieren grüner Oasen in den Wüsten Nevadas, genannt Las Vegas, muss man sich als zivilisierter Mensch schämen. So wie der Mensch dank der Elektrizität die Nacht zum Tage macht, macht er die Wüste grün, solange es Profit verspricht. Egal, ob andere darunter leiden. Als klarer Gegenentwurf dazu dienen das antike Petra und die Hauptstadt Jordaniens, Aman, wo Zigtausende bzw. Millionen innerhalb von Metropolen mit klar reglementierten Wasserzuteilungen auskommen mussten bzw. müssen.
All diejenigen, die erneut "nur" die Bilder Bertrands wie in "Die Erde von oben" als mit Musik und Text unterlegter Slideshow erwartet haben, sollten nicht enttäuscht sein, da diese mehrteilige DVD-Reihe eine Botschaft verkündet, die dem Fotografen und Biologen sehr am Herzen liegt und einer Dringlichkeit bedarf, die uns alle angeht. Dabei sind die Beiträge von diversen Teams redaktionell hochwertig auf- und vorbereitet, womit Bertrand der wichtige Teil der Moderation und Interviews zum allseitigen Nutzen zugefallen ist.
Somit ist diese Doppel-DVD ein guter Startpunkt der Reihe "Green is universal", die mit den DVD-Boxen "Die Erde von Oben - Teil 2: Wasser - Seen und Ozeane", "Das Letzte Paradies. Die Südseeinsel Espiritu Santo" und "Szenario 2100" fortgesetzt wird. Beeindruckende Bilder, eindringliche Geschichten, passende Animationen und schöne Filmmusik (Armand Amar) - was will man mehr bei einer Dokumentationsreihe!
(kh)
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