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Animation
Dornröschen 2 Disc Platinum Edition
geschrieben von klaus_h am 15. Jan 2009
Sleeping Beauty
"Sleeping Beauty", also "schlafende Schönheit", heißt das gute alte Märchen Dornröschen in Amerika und nach Schneewittchen wollte Walt Disney erneut mit einem abendfüllenden Spielfilm als Kunstform ernstgenommen werden. Wie er sich dabei fast übernahm und das Studio wegen der nicht enden wollenden Produktion an den Rande des Ruins gewirtschaftet wurde, erzählt die ausführliche Extra-DVD erstaunlich offen und aufschlussreich. Neben einem wunderbar restaurierten Disney-Klassiker erhält man somit einen guten Einblick in die Geschichte des Trickfilms.
Dornröschen 2 Dic Platinum Edition
USA - 1959/2002
Veröffentlichung: 16.10.2008
Regie: Clyde Geronimi, Wolfgang Reitherman, Eric Larson
Darsteller: Aurora, Malefiz, drei Feen, Prinz Philipp u.a.
"Nochmal"-Faktor: sehr aufschlussreich
Unsere Wertung: 96 %
FSK: frei
Laufzeit: 73 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch, Italienisch, Kroatisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 2,55:1
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch, Kroatisch, Türkisch, Slowenisch
Extras:
• Alternativer Anfang
• Zusätzliche Songs
• Audiokommentar
• Making of
• Das Gesamtdesign des Films
• Musikvideo mit Emily Osment "Once upon a dream"
• Musikvideo mit Sandy "Eines Nachts im Traum"
• Original Disneyland Dornröschen-Schloss-Attraktion
• Röschens bezauberndes Tanzspiel
• Spielend Englisch Lernen mit Röschen
• Disneys Liederauswahl
Noch einen nicht zu unterschätzenden Wert hat diese DVD: All jene, die für diesen Film noch "zu jung" sind, lernen erst jene verspielt-verzuckerte Bilder- und Formenwelt kennen, die in "Shrek" und "Verwünscht" parodiert werden. Denn niemals zuvor gab es eine singende Prinzessin mit all ihren putzigen Tieren, im Duett tirillierende Vöglein, fürchterlich schaurige Drachen und eine diabolische Hexe, die mit ihrem Mitarbeiterstab hadert.
Gerade mit letztem Punkt hat Disney schon den Grundstein späterer Parodien gelegt - denn bei aller Idylle ist absichtlich nie etwas so perfekt oder schön gestaltet, dass man darüber nicht lachen möchte. Doch zurück zur Story: Zwei befreundete Könige kleinerer Königreiche haben schon vor langer Zeit beschlossen, dass ihre beiden Kinder eines Tages heiraten werden, um die Gebiete zu vereinen. Leider hat man bei der Taufe Auroras "vergessen", aus nachvollziehbaren Gründen die Hexe Malefiz im Gegensatz zu den guten Feen Flora, Fauna und Sonnenschein einzuladen.
Ungebetene Gäste bringen bekanntliche garstige Geschenke mit und so verflucht sie kurzerhand Aurora. Wenn diese vor ihrem 16. Geburtstag von einer Spindel gestochen wird, solle sie und der gesamte Hof in einen nicht enden wollenden Schlaf versinken. Da die letzte der drei Feen ihr "Zaubergeschenk" noch nicht ausgesprochen hat, versucht sie es mit dem Gegenzauber, das der "wahren Liebe Kuss" den bösen Bann brechen könne. Und da die drei Feen lieber sicher gehen wollen, verkleiden sie sich als einfache Landfrauen, entsagen der Zauberei und entfliehen mit der kleinen Aurora in die einsame Wälder.
15 Jahre und 354 Tage später läuft der feschen Maid Aurora der nicht minder schmucke Prinz Philipp im Wald über den Weg und BUMMS - Liebe auf den ersten Blick, was natürlich perfekt ist. Aber dessen Vater denkt natürlich, dass er sich in irgendein Landei verguckt habe. Ausgerechnet jetzt geht auch Malefiz auf, dass ihre dümmlichen Handlanger all die Jahre stets nach drei Frauen und einem Baby (!) gesucht habe und verstärkt ihre Anstrengungen. Gerade als alle am Vorabend der Hochzeit ins Schloss kommen, scheint ihr Plan aufzugehen...
Wem insbesondere der gotisch-pittoreske Stil der einleitenden Hofzeremonieszene stets zu steif war, wird angesichts der Extras mit dem Ergebnis versöhnt werden. Der alternative Anfang (Storyboardzeichnungen und Tonaufnahmen) belegen, dass die Disney-Zeichner eigentlich eine locker beschwingte Einleitung haben wollte, aber der leitende Künstler und Hauptzeichner, Eyvind Earle, ein wahrer Exzentriker, der sich am liebsten an den flämischen "Mille fleur"-Teppichen des 15. Jahrhunderts und der Protorenaissance orientierte, wollte jenen steifen Stil beibehalten, der sich zumindest in den hier stilisierten Hintergründen durch den ganzen Film ziehen.
So diktierte der geniale Sonderling der eigentlichen Créme de la Créme Disneys seinen eigenen Stil und bestand darauf, dass alle lernten wie er zu zeichnen, aber er in jenem Bild zumindest die Grundzeichnung anlegte. Was dies für den Fertigungsprozess bedeutete, kann jeder sich vorstellen. Hinzu kam noch jene berühmte "Szene 21", deren Skizzierung schon 18 Monate dauerte. Es ist jene Tanzszene zwischen Aurora und Philipp sowie die begleitenden Tiere, die nur wegen Disneys Verlangen nach mehr Ausschmückung eingefügt wurden.
Am Ende feuerte man als Bauernopfer den ersten Regisseur und konnte dann allen Widerständen (der erste Kinostart spielte nur die Hälfte der Herstellungskosten ein) zum Trotz mit dem Film einen großen Erfolg feiern. Volkstümlich wie Schneewittchen, dessen Slapstick-Elemente Disney im Grunde genommen hasste, wurde der Film jedoch nie. Ironischerweise sind sowohl die stilistischen Manierismen (das stilisierte Buch im Vorspann, die Hintergründe) als auch die disneytypischen Marotten jene Punkte, die gerne karikiert wurden.
Das Bild ist sehr überzeugend restauriert worden (Neuabtastung von den 70 mm Negativen), der Ton überraschend gut geworden, indem man auch zwei Fehler der Erstsynchronisation (fehlende Hall- und Raumeffekte) behoben hat und die umfassenden Extras (wobei sowohl die Spiele als auch die süßlichen Musikvideos verzichtbar sind) entsprechen dem titelgebenden Anspruch. Gut, dass die "schlafende Schönheit" mit dieser DVD-Edition wieder erweckt wurde! Und eins sollte man nicht vergessen! Nicht umsonst wurde das Schloss Dornröschens zum Logo des Disney-Konzerns...
(kh)
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