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Drama
Der Löwe im Winter - Kampf um die Krone des Königs
geschrieben von klaus_h am 17. Jan 2009
Königliche Familienintrigen
Schauspieler Patrick Stewart ("Star Trek", "X-Men") hatte bereits in der Vergangenheit ein glückliches Händchen mit Remakes. So spielte er den Kapitän Ahab in einer Neuverfilmung von "Moby Dick" und den Ebenezer Scrooge in Dickens' "Weihnachtsgeschichte". Den Zuschauern und der Kritikern gefiel es und so wagte er sich als Co-Produzent und Hauptdarsteller an die Rolle Heinrich II. von England, der 1183 gegen die Machtintrigen seiner drei Söhne und seiner mächtigen Gattin Eleonore von Aquitanien ankämpfen muss. Können also Glenn Close und er in die Fußstapfen der großen Katherine Hepburn und des nicht minder zu unterschätzenden Peter O' Toole treten?
Der Löwe im Winter
USA/GB/Slowakei - 2003
Veröffentlichung: 04.12.08
Regie: Andrei Konchalovsky
Darsteller: Patrick Stewart, Glenn Close, John Rhys Meyers, John Light, Andrew Howard, Yuliya Vysotskaya, Rafe Spall u.a.
"Nochmal"-Faktor: mittel
Unsere Wertung: 45 % (inkl. -20% Abzug, da sich die DVD nicht auf einem Laptop abspielen läßt)
FSK: ab 12
Laufzeit: 154 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Englisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9, 1,33:1
Untertitel: Fehlanzeige
Extras:
• Behind the Scenes (6:53)
Dabei sollte man berücksichtigen, dass die gerühmte Erstverfilmung von 1968 (Regie: Anthony Harvey) des Stückes in den Nebenrollen mit den noch jugendlichen Timothy Dalton, Nigel Terry und Anthony Hopkins bereits schon damals schauspielerische Schwergewichte aufwies und das theaterhafte Skript wohl für einen eher kammerstückhaften Stil vorgab. Den eigentlich spielt die gesamte Handlung - bis auf einen kurzen Prolog - ausschließlich auf der Burg Chinon, wo Henry aka Heinrich II. (Stewart) seine verbannte Frau Eleonor(e) (Close: "The Chumscrubber", "Die Affäre der Sunny von B.") und seine drei missratenen Söhne zum Weihnachtsfest geladen hat. Daneben soll hohe Politik mit dem französischen König Phlipp gemacht werden...
Ort und Zeit, d.h. 2 Tage sind relativ begrenzt, werden aber (siehe 154 min. Spielzeit) mit nicht enden wollenden psychologisch ausgefeilten Dialogen der Intrige ausgefüllt. Dadurch bekommt der Film trotz der selbst für einen TV-Film aus der berühmt-berüchtigen Remakeschmiede der Hallmark Produktions der Halmi-Brüder (231 Filme seit 1979!) opulenten Ausstattung einen ziemlichen Theatercharakter. Wer also Theater generell nicht mag, sollte die Finger von beiden Filmen lassen. Gedreht wurde aus Kostengründen in der Slowakei und Ungarn, was die vielen unbekannten und hölzernen Darsteller in den Nebenrollen erklärt, aber mit einer soliden Ausstattung.
Kommen wir zurück zur Geschichte, deren dynastische Verpflechtungen weitaus komplizierter sind als man in einer Rezension erklären möchte oder könnte, aber eines muss man dazu wissen: Eleonore von Aquitanien war die vielleicht schönste, klügste und mächtigste Frau des 12. Jahrhunderts, die das Kunststück fertiggebracht hatte, nachdem sie mit dem (schwachsinnigen) König Ludwig von Frankreich verheiratet war, diese Ehe annullieren zu lassen und dann den damals noch relativ unbedeutenden Grafen von Anjou, Henri, zu heiraten, der dank seiner eigenen Talente und seiner umtriebigen Frau zum König von England aufstieg.
Dieses Kunststück gleich mit zwei Königen verheiratet (gewesen) zu sein, machte ihr so schnell keine nach, zumal Heinrichs Reich sich ja schließlich durch beider Eigentümer auch auf Frankreich (Aquitanien, die Bretagne und die Normandie) ausdehnte und dabei nur eine der vielen Grundsteine der dynastischen Verpfechtungen für den späteren Hundertjährigen Krieg legt. Dieser Superstar des Mittealters war aber auch machtgierig.
Während sie - relativ nachvollziehbar - ihren ältesten Sohn Richard (Löwenherz) zum König gekrönt sehen wollte, favorisierte Heinrich aus Gründen die uns allen (zumindest) verborgen blieben, ausgerechnet den schwächlichen, dicklichen jüngsten Sohn John aka Johann Ohneland. 10 Jahre vor diesem Weihnachtsfest bedeutete dies Krieg, Eleonore und Richard unterlagen, sie kam in Festungsverbannung in Salisbury. Der dritte Bruder, Geoffry hingegen, fühlte sich in diesem Machtdreieck ungeliebt und ist dabei eigentlich der Intelligenteste ihrer Söhne, spielt aber als potenzieller Kanzler beider Kandidaten ein opportunistisches Doppelspiel.
Damit kommen wir - sonst versteht man die Geschichte eigentlich nicht - nun zu diesem verhängnisvollen Weihnachtsfest, dem die Krone noch aufgesetzt wird, da Henry tatsächlich so dreist war, die ihm als Mündel/Geisel gegebene Schwester des französischen Königs Philipp, Alais, erst von Eleonor erziehen zu lassen und nun als seine ihn liebende Geliebte zu halten, die dann doch - in Widerspruch zu alten Verträgen - nicht etwa Richard sondern den "Pickel auf Beinen" John heiraten soll. Aber als seine Geliebte soll sie ihm weiterhin zur Verfügung stehen. Was für ein "netter Mensch".
Das brüskiert selbstverständlich Philipp (John Rhys-Meyers: "Kick it like Beckham", "Die Tudors"), der es ohnehin nicht mag von Henry als "Bürschchen" bezeichnet zu werden und trotz seines jugendlichen Aussehens als Machtpolitiker ihm durchaus Paroli bieten kann. Also intrigiert hier einer gegen den anderen, um am Ende ohne ein regelrechtes Ergebnis dazustehen, dass am Ende wieder der kleine Mann auf den Schlachtfelder ausbaden dürfte...
Close, Stewart und Rhys-Meyers füllen dabei jeder für sich ihre Rollen und auch im Zusammenspiel gut, aber eben nicht perfekt aus. Und das liegt an der allzu biederen Inszenierung (Andrei Konchalovsky: "Runaway Train")und den allenfalls mittelmäßigen Nebendarstellern, bei denen allenfalls der Darsteller des Geoffry (John Light: "Dresden - das Inferno") überzeugen kann. Diejenigen des Richard (Andrew Howard) und des John (Rafe Spall: "Hot Fuzz") sind eine einzige Katastrophe. Gerade letzterer ist eine derartige Karikatur des wohl schwächsten zukünftigen englischen Königs, die nur einfach enerviert und somit kaum ernstgenommen werden kann.
Die Darstellerin der Alais (Yuliya Vysotskaya) ist eindeutig zu blass, um ihre Dialoge ausfüllen zu können. Denn die Worte (James Goldman wie im Original) hört man wohl und gern, es fehlt ihnen halt leider oft der Gehalt einer vollkommenen Schauspielausbildung. Ihre stärkste Szene hat Close bezeichnenderweise ausgerechnet in jenem Moment, als sie alleine all ihre Juwelen und Krone anlegt und wie die böse Hexe in "Schneewittchen" in ihren Spiegel schaut. Da ist sie der Hepburn ebenbürtig - aber benötigt die Welt wirklich derartige Remakes mit Längen? Doch wohl eher nicht - auch wenn sich Stewart damit zumindest einen Darstellertraum erfüllt haben dürfte. Denn gerade was das höfische Leben und die realen Lebensverhältnisse des Mittelalters angeht, huldigt der Film noch einem romantisch verklärten Bild früherer Jahrzehnte - auch wenn die Geschichte sich mehr die psychologischen Abgründe innerhalb einer Familie dreht. (kh)
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