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Musical
Dancer In The Dark
geschrieben von Aleks_A am 12. Feb 2009
Postmodernes Musical
Mei, diese Dänen. Nichts können sie so machen, wie man's normalerweise macht. Geschichten über Vergebung und Sühne filmen sie als Schwarze Komödie ("Adams Äpfel"), Horror Serien werden immer wieder von Down Syndrom Liebenden erklärt ("Kingdom") und Musicals drehen sie mitten in einer dreckigen Fabrik, mit Menschen, deren Seelen fast so dreckig sind wie die Fabrik selber. Und die Musik muß von Björk sein. Herrje, wann werden die lernen, dass man damit vielleicht gute Filme macht, aber keine Blockbuster?
Dancer in the Dark Dänemark, Deutschland, England, Finnland, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, USA, 2000
Veröffentlichung: 05.02.09
Regie: Lars von Trier
mit: Björk, Catherine Deneuve, Peter Stormare, David Morse, Udo Kier u.a.
"Nochmal"-Faktor: Hoch, wenn ihr die Wackelkamera überlebt
Unsere Wertung: 90% (10% Abzug wegen langweiliger Extras und fehlender Untertitel)
FSK: ab 12. Angesichts dessen, wie emotional aufgewühlt ich mich schon bei diesem Film fühle, mal wieder eine vollkommen bescheuerte Entscheidung der FSK. Persönlich würde ich erst Jugendlichen ab 16 den Film antun.
Laufzeit: ca. 135 Minuten
Sprachen und Tonformate: Deutsch und Englisch DD 5.1
Bildformat: 2,35:1 (16:9)
Untertitel: Keine :-(
Extras: Interviews B-Roll Darstellerinfos
Selma (Björk) liebt Musicals, Zuckerwatte süss, pappig wie Honig, romantisch wie "Barbara Cartland"-Schund. Wir lernen sie kennen bei einer Probe zu "Sound of Music", in der sie "My Favourite Things" singt (eines der brilliantesten Songs der immer wieder guten Rodgers & Hammerstein). Ihre strunzlangweilige Arbeit am Fleißband einer Fabrik erhellt sie sich durch Musical-Lieder.
Im Kontrast zu den Filmen steht ihr eigenes Leben. Sie lebt in einem Wohnwagen und kann sich kaum etwas leisten. Sie spart jeden Cent und versucht, auch ausserhalb der Fabrik etwas Geld zu verdienen. Denn Selma hat ein degeneratives, vererbbares Augenleiden, das sie nach und nach blind werden lässt. Das gesparte Geld soll eine Augen-OP für ihren Sohn bezahlen, sodass nicht auch er darunter leidet. Und sie verzichtet auf Liebe, wahrscheinlich, weil sie ihr im Weg stünde, sich um ihr Sohn zu kümmern. So sehr sich Jeff (Peter Stormare: "Fargo", "Chocolat", "Prison Break") auch um sie bemüht, so wenig kommt er voran.
Dunkle Wolken erscheinen jedoch am Horizont, als ihr Vermieter, der Polizist Bill (David Morse: "Disturbia", "Down in the Valley", "Crossing Guard") ihr eröffnet, dass er pleite ist. Er wird sein Haus verlieren und dann auch wohl seine Frau, die sich von seinem Erbe ein wohlhabendes und wohlbehütetes Leben geleistet hat. In ihrer Naivität und Freundlichkeit erzählt Selma ihm vom Geld, dass sie angespart hat. Das Ganze wird nicht gut enden...
Wie es nicht anders sein könnte, wird dieser Film nicht so erzählt, wie man es gewohnt ist. Nicht nur, dass die Musical-Szenen (wie eben in einem Musical), plötzlich da sind, unverhofft und die Geschichte zerreissend (und durch ihre Farbpracht wirken sie auch wie ein Fremdkörper), auch die anderen Szenen werden zerhackt erzählt, in Momentaufnahmen, und natürlich nur mit Umgebungslicht und normalen Hintergrundgeräuschen. Sehr passend zur eskapistischen Zielsetzung der Musicals auch, dass Selmas Musical-Szenen dann starten, als das Leben ihr aus der Kontrolle entgleitet.
Auf diesem Film muss man sich einlassen wollen. Die Kamera, der Schnitt, Björks Kompositionen und Gesang, die realistische Heftigkeit mancher Szenen, die Schmerzen, die die Geschichte einem bereitet. Das muss man wollen. Doch wenn man bereit ist, sich drauf einzulassen, dann bekommt man hervorragende Qualität. Björks eigenwilliger Stil hat sie zu eine der interessantesten Musikerinnen der Welt gemacht, Lars von Trier hat der Filmgeschichte Werke immenser Originalität geliefert, zu denen sich dieser hier gesellt. Die Schauspieler sind alle hervorragend und fühlen sich wohl unter der Regie. Nur die Wackelkamera hat mich gestört, aber an die gewohnt man sich schnell, und sie ist bei weitem nicht so schlimm wie bei anderen Filmen. Außerdem passt sie hier zur Gesamtstil. Alles in allem ist "Dancer in the Dark" ein großartiger Film und ein verqueres Musical obendrein.
Fazit
Eigensinniges Musical mit hervorragenden Schauspielern. Nicht jedermans Sache, aber auf jeden Fall einen Blick wert. Schade nur, dass der Vertrieb uns weder Untertitel noch erwähnenswerte Extras gönnte. (aks)