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Drama
To Kill a King
geschrieben von klaus_h am 26. Feb 2009
Wie bringt man einen König auf's Schafott?
Historienfilme aus England haben einen guten Ruf. Bringen sie doch das menschliche Drama auf einen Höhepunkt, der irritierend, faszinierend und lehrreich zugleich sein kann. So auch hier: Während der englischen Revolution ringen Oliver Cromwell (Tim Roth: "Reservoir Dogs") und General Fairfax (Dougray Scott: "Enigma") darum, wie man mit dem inhaftierten König Charles I. (Rupert Everett: "Der Sternwanderer") verfahren soll. Gnade oder Schafott? Wird Charles das erste gekrönte Haupt Europas sein, das vom Richtschwert gefällt wird? Das Ende ist bekannt. Wie es dazu kam, erzählt uns dieser Film recht spannend und aufschlussreich.
To Kill a King
GB - 2003
Veröffentlichung: 12.02.09
Regie: Mike Barker
Darsteller: Tim Roth, Dougray Scott, Olivia Williams, Rupert Everett, James Bolan, Corin Redgrave u.a.
"Nochmal"-Faktor: mittel bis hoch
Unsere Wertung: 85 %
FSK: 12
Laufzeit: 102 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1 / Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 2,35:1
Untertitel: Fehlanzeige
Extras: Fehlanzeige
Wir schreiben das Jahr 1645. Der Bürgerkrieg in England hat ein vorläufiges Ende gefunden. König Charles I. steht unter Hausarrest. Sir Thomas Fairfax (Dougray Scott: "Desperate Housewives") und Oliver Cromwell (Tim Roth, "The Last Sign", "Silver City") gelten als die Helden der Revolution. Gerade Fairfax ist aufgrund seines guten Aussehens und edlen Hintergrundes populär beim Volk. Pikant wird die Situation jedoch auch dadurch, dass seine Frau, Lady Anne (Olivia Williams, "Below", "The Sixth Sense"), eine enge und freundschaftliche Beziehung zum König unterhält, sowie sein Schwiegervater weiterhin loyal zum Monarchen steht.
In ihrer politischen Denkweise driften Faifax und Cromwell immer weiter auseinander. Denn während Fairfax eine Regierung der gleichberechtigten Gewaltenteilung bevorzugt, bei der der König durchaus eine Rolle spielen könnte, möchte Cromwell am liebsten das ganze System auf den Kopf stürzen und Charles um den selbigen bringen. So gesehen ist "To Kill a King" ein modernes historisches Drama, das durch pointierte Darstellerleistungen und ein literarisches Drama (Jenny Mayhew) abgefedert wird.
Der Film verzichtet dabei völlig auf den Pomp eines historischen Epos ohne jedoch in eine Ausstattungsorgie auszuarten. Stattdessen konzentriert er - ähnlich wie "Der Löwe im Winter" - seinen intimen Blick auf die politische Intrige und das komplexe Beziehungsgeflecht der vier Hauptdarsteller. Dabei deckt der Film recht viel über die Beziehung zwischen dem gutaussehenden, ehrenvollen Fairfax und dem intriganten Machtmenschen Cromwell auf, den Roth geschickt, aber etwas einseitig als abgedrehten, gehässigen Puritaner porträtiert. Angesichts seiner unlauteren Ziele versteht man, warum er Fairfax und dessen Freundschaft als gefälliges Aushängeschild für sich beansprucht.
Um die Dinge noch ein wenig komplexer zu machen, als sie es ohnehin schon sind, schwebt zwischen beiden eine subtile homoerotische Anspannung, die aufgedeckt wird ,als Lady Anne beide stört und Cromwell wütende doppeldeutige Anzüglichkeiten in ihre Richtung schleudert. Olivia Williams sieht im übrigen wie einem Bild von Anthonis van Dyck entsprungen aus. Rupert Everett, der amüsanterweise bereits mehrfach einen englischen Prinzen oder König ("Stage Beauty", "King George") gespielt hat, stellt Charles I. treffend als überzeugten, sich selbst täuschenden Narren des absoluten Gottesgnadentum dar. Dennoch versteht Everett wie gewohnt die Würde seiner Figur zu wahren.
"To Kill a King" ist dabei ein Film, dem das traurige Schicksal zuteil wurde, dass seine Produktion gleich zweimal bankrott ging. Dennoch merkt man ihm sein geringes Budget nicht an. Die Ausstattung wirkt gediegen, zumal man mit Ausnahme der Szenen nach Nasby und der Attentatssequenzen auf aufwändige Massenaktionen verzichten konnte. Hier werden die Schlachten in abgedunkelten Räumen und Hinterzimmern verbal ausgetragen, ohne nicht minder brutal zu sein. Der eigentliche Prozess gegen den König ist eine Farce, schlichtes procedere, da das Urteil längst gefällt ist.
Im Gegensatz zur englischen Originalfassung verzichtet der Vertrieb Eurovideo leider auf das 6 minütige "Hinter den Kulissen"; außerdem fehlen deutsche Untertitel und der O-Ton offenbart, das man zumindest bei den Nebenfiguren recht lustlos synchronisierte ohne die Atmo genau zu treffen. Everett, Scott und Roth haben zudem nicht ihre gewohnte Synchronisationsstimme, was zumindest bei dem erstgenannten Schauspieler negativ auffällt. Der Ton ist ausreichend ausgepegelt, der Score episch und adäquat, leider bleibt das Bild allzu dunkel in den Mittentönen.
Zwar erfindet der Film das Genre nicht neu, aber er erhellt dank der soliden Regie Mike Barkers ("Gerichtsmedizinerin Dr. Samantha Ryan") eine historische Epoche Englands, die das letzte Mal mit dem herorisierendem "Cromwell" (hier: Richard Harris, unter der Regie Ken Hughes, Oscar für die besten Kostüme) allzu pompös in den 70er Jahren leinwandfüllend ausgeschlachtet wurde. Andere Versuche wie "Elizabeth" gingen bereits Jahre zuvor weiter oder in gänzlich andere Richtungen wie z.B. "Marie Antoinette", aber als anregende Unterhaltung empfehle ich trotz der technischen Mängel und Ausstattungsschwächen der DVD "To Kill a King" dennoch.
(kh)
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