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Thriller
Tödliche Magie
geschrieben von klaus_h am 20. Mar 2009
Death Defying Acts
Das Kino scheint im Moment die "zauberhaften" Illusionistenthriller für sich entdeckt zu haben. Nach "Prestige" und "Der Illusionist" erleben wir mit "Tödliche Magie" zudem ein ausstattungsreiches Biopic über einen der größten Entfesselungskünstler und Zauberer, der je gelebt hat: Harry Houdini. Als Titelheld liefert sich Guy Pearce ("Memento", "L.A. Confidential") ein packendes Duell mit Catherine Zeta-Jones ("Die Maske des Zorro", "Chicago") um sein größtes Geheimnis, bei der neben der Liebe dank ihrer übersinnlich begabten Tochter Benji (Saoirse Ronan: "Abbitte") auch das Phantastische nicht zu kurz kommt.
Tödliche Magie
AUS/GB - 2007
Veröffentlichung: 19.03.09
Regie: Gillian Armstrong
Darsteller: Guy Pearce, Catherine Zeta-Jones, Saoirse Ronan, Timothy Spall u.a.
"Nochmal"-Faktor: sehr hoch
Unsere Wertung: 96%
FSK: 12
Laufzeit: 93 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 5.1 + DTS
Bildformat: 16:9, 2,35:1
Untertitel: Deutsch
Extras:
• Beim Dreh, ausführliche B-Roll mit Proben bei 2 Szenen (rd. 14 min)
• "Statements"; ausführliche Interviews mit Guy Pearce, Catherine Zeta-Jones, Saoirse Ronan, Timothy Spall, Gillian Armstrong, den Produzenten, den Drehbuchautoren, der Kostüm- und Set-Designerin sowie dem Mann für "zauberhafte" Beratung (ca. 66 min)
• Original-Trailer
Im Schottland der 20er Jahre schlägt sich die allein erziehende Mutter, Varietékünstlerin und Trickbetrügerin Mary (Catherine Zeta-Jones: "Die Legende des Zorro") samt ihrer Tochter Benji (Saoirse Ronan) dank einer cleveren Mischung aus Taschendiebstählen, Archivrecherche, Beobachtungsgabe und Sex Appeal als Hellseher-Duo "Kali und ihr dunkler Diener" durch, indem auf der Bühne publikumswirksam Botschaften aus dem Jenseits oder Prophezeiungen verkündet werden. Sie leben von der Hand in den Mund und wohnen in einer abbruchreifen Hütte am Rande eines Friedhofs.
Am anderen Ende der Magierfutterkette ist Houdini, der von allen bewunderte Weltstar, den Benji selbst in ihren Comics herbeiträumt. Wenn er es mit seiner Kunst bis an die Spitze der Gesellschaft gebracht hat, warum sollte es ihnen nicht gelingen? Wenn jetzt jemand Houdini nicht kennen sollte, sei ihm nur folgendes gesagt: er war der erste Zauberer, der es verstand, die Medien (damals Presse und Kino) für sich zu instrumentalisieren und Tricks erfand, die sich selbst heute bei David Copperfield sowie Siegfried & Roy nicht weiterentwickelt haben. Somit wirken sie wie Zwerge auf den Schultern eines Riesen.
Dabei sind Houdinis Künste im Luftanhalten unter Wasser und Entfesseln bis heute legendär. Doch zurück zur Story: Houdini scheint einen Tick zu haben, da er über seinen findigen Manager Mister Sugarman (Timothy Spall: "Harry Potter und der Feuerkelch", "Verwünscht", "Sindbad") 10.000 Dollar für dasjenige Medium bietet, das ihm die letzten Worte seiner verstorbenen Mutter überliefert. Bisher sind alle daran gescheitert, aber für Marie und Benji wird es zur Königsaufgabe, die sie mit aller Finesse angehen. Ihr Plan scheint im Nobelhotel von Edinburgh aufgehen, aber Houdini wäre nicht er selbst, wenn er ihr Unterfangen nicht durchblicken würde.
Es kommt, wie man es schon geahnt hat: Marie und Harry verlieben sich, Sugarman fürchtet um seinen Star, Benji die ungeahnte Rivalität und das Geheimnis bietet ungeahnte Tiefen - wie auch Benji längst verschwundene Seherqualitäten. Akradabra - der dritte mysteriöse Illusionsthriller mit Anleihen an die Realität ist gelungen! Regisseurin Gillian Armstrong ("Die Liebe der Charlotte Gray") versteht es, den Geist der damaligen Zeit perfekt zu inszenieren ohne den romantischen Schmelz zu verlieren. Ein trickreiches Team und die gediegene Ausstattung verlieren nicht ihre Wirkung.
Es tut gut zu sehen, dass Zeta-Jones und Pearce ("Winged Creatures", "Tödliches Kommando") endlich einmal wieder Rollen haben, in denen sie nicht nur hübsches Beiwerk liefern, sondern auch lohnenswerte Charakterstudien abliefern. Jungstar Saoirse Ronan liefert zum zweiten Mal eine bravoröse Arbeit ab - hoffen wir, dass sie es noch weit bringen wird. Auch hier wird wie in "Abbitte" die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt, was sich als bester Kunstgriff für die Entwicklung der Personen erweist. Die Zaubertricks wie die Unterwasserfolterkammer (mit dem Kopf nach unten in Zwangsjacke und Fußfesseln) bestechen durch ihre Authentizität und klaustrophobischen Schockeffekt.
Die ausführlichen Extras ersetzen selbst den schönsten Audiokommentar, da Fragen und Antworten sowie Personen abseits der üblichen ausgetretenen Pfaden bleiben. Wann kommen schon einmal außer den Stars, der Regisseurin, dem Produzenten und den Drehbuchautoren die Kostüm- und Set-Designerin sowie der Mann für die "zauberhafte" Beratung zu Wort? Hier ist es wirklich gelungen, wenn z.B. die Setdesignerin leicht ironisch davon berichtet, dass man als Nobelherberge ein Haus aus dem Besitz der Milliadärsfamilie Rothschild zur Verfügung gestellt bekam - diese es aber so verkommen ließen, dass es sie reichlich Tricks kostete, den gewünschten Effekt zu erzielen.
Die B-Roll geht wesentlich über die üblich lieblosen nachgefilmten Dreharbeiten hinaus, da man hier quasi vom Warmup der Darsteller bis hin zu den ersten Probeaufnahmen alles anhand von zwei Szenen sieht. Ein Kompliment an Pearce, der seine Unterwasseraufnahmen ohne Double aufnahm. "Tödliche Magie" ist romantisch, spannend und mysteriös. Absolut ebenbürtig in diesem Dreigespann eines neuen Genre. Empfehlenswert! Wie sagt Marie so schön: "Wenn wir versagen, hungern wir" Daraufhin kontert Harry: "Wenn ich versage, sterbe ich!" - Wie wahr. (kh)
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