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Musik-DVD
Kylie Minogue - Kylie Live 'X' 2008
geschrieben von klaus_h am 23. Apr 2009
Disco Queen
Kylie Minogue, das kleine blonde Stehauffräulein from down under, ist schon ein Phänomen. Seit den Tagen der Hitmaschinerie von Stock, Aitken & Waterman (fast) immer in den Top of the Pops dabei, den Brustkrebs und eine schmerzhafte Trennung von Dauerfreund Olivier Martinez besiegt, scheint sie um keinen Tag älter geworden. Ihre bombastischen Bühnenshows waren von jeher legendär, sodass uns diese aktuelle Musik-DVD ihres Programms Kylie X 2008 doppelt interessierte. Und wir wurden nicht enttäuscht.
Kylie X 2008
Australien - 2008
Veröffentlichung: 27.03.2009
Regie: William Baker / Marcus Viner
Musiker/Sänger: Kylie Minogue, Sarah de Courcy, Matt Racher, Jenni Tarma, Dawn Joseph, Roxanne Wilde, Barnaby Dickinson, Graeme Flowers u.a.
"Nochmal"-Faktor: mittel bis hoch, je nach Fanstufe
Unsere Wertung: 90%
FSK: 12
Laufzeit: 129 min
Sprachen und Tonformate: Englisch Dolby Digital 5.1 u. 2.0
Bildformat: 16:9, 1,85:1
Untertitel: Englisch (Bonusmaterial)
Extras:
• 12 hours ... in the life of Kylie Minogue - a unique taste of what goes on backstage on a Kylie tour, frome waking in the morning to the final encore at the end of the show
• Stage back-drop projections (Videoclips für die Hintergrundprojektion)
• Konzeptdesigns der einzelnen Bühnenprogrammabschnitte
• Fotogalerie
28 Songs aus nahezu der gesamten Schaffensperiode bei einer Dauer von 129 min und wirklich ausführliche Extras wie man sie vielleicht nur noch bei Cher präsentiert bekommt, sagen schon einiges über die Quantität dieser DVD aus. Bild und Ton entsprechen den hohen Anforderungen, die man von Konzert/Musik-DVDs haben kann, in vielen Punkten. Hier hat man offenbar sich nicht aus verschiedenen Konzerten die Glanzmomente zusammengeschnitten, sondern eines (London, August 2008) mit großem Kamera- und Editaufwand zusammengestellt. Dies erhöht die Authentizität eines Live-Konzerts selbst wenn es auf Kosten vermeintlicher Performanceschwächen geht.
Denn wie viele andere Sängerinnen, bei denen ich es live erleben durfte wie z.B. Anastasia, Cher oder Vonda Shephard, benötigt auch die kleine Kylie eine gewisse Anlaufphase. Klingt sie beim eröffnenden "Speakerphone" noch ein wenig neben der Spur, und scheint selbst bei ihrem darauffolgenden "Can't get you out of my head"-Knaller nur ein zarteres Abziehbild ihrer selbst zu sein, nimmt sie spätestens ab "In your eyes" immer mehr Fahrt auf, um dann eine wirklich überzeugende stimmliche wie optische Bühnenpräsenz abzuliefern. Denn welche Pop-Diva - außer Madonna und Anastasia - stemmt heute noch ein 2-Stunden-Programm?
Die verschiedenen Titel sind dabei in thematische Blöcke gegliedert, die dank ihres Showrahmenprogramms der Popdiva gute Gelegenheiten für Kostümwechsel geben. Dabei sind die Tanzeinlagen und Hintergrundprojektionen nicht ohne doppelbödigen Humor. Bevor nämlich der Sailorlook vor "Love Boat" und ihrer Barry Manilow-Hommage "Copacabana" startet, werden Großprojektionen von muskulösen und halbnackten "Matrosen" gezeigt, die eher in ein Schwulenmagazin der 80er passen würden. Aber das Publikum goutiert auch derartige Späßchen und kann über die Assoziationen lachen.
Eingangs sprach ich von der Show, die nun einmal ein wesentlicher Bestandteil Kylies Konzerten ist. Dank perfekt inszenierter Backroundvideos, wie z.B. bei "Sometime Samurai", in denen sie selbst überlebensgroß als laszive Geisha ausnahmsweise mit üppigem Dekolltée die Szenerie dominiert, entsteht trotz der beeindruckenden artistischen und tänzerischen Darbietungen der 9 Tänzer (Choreographie: Michael Rooney) nie ein Zweifel wer hier der Star ist.
Inmitten der großgewachsenen TänzerInnen wirkt sie manchmal ein wenig zu klein und zerbrechlich zur wirklichen Popdomina, um es dann im nächsten Block als Poplederdomina erneut zu versuchen. Hier sollte sie vielleicht lieber Madonna das Feld überlassen. Frau Minogue fühlt sich nicht umsonst im Discofever wohler - wie ihre wirkliche Brillianz im "Disco-Block" zu überzeugen weiß. Als gesanglicher Höhepunkt entpuppt sich überraschend ihre unplugged-Einleitung mit Hilfe zweier Backroundsängerinnen (Joseph/Wilde) zu "Step back in time", die belegt, das man somit auch eingängingen Popeintagsfliegen neues Leben einhauchen kann.
Insgesamt ein nahezu perfekt ehrliches Konzert, das zwar ihre musikalisch interessanteste Phase mit Prince wohl nicht umsonst (Flop) ausspart, aber ansonsten sehr deutlich ihre Stärken herausstreicht. Kylie schüttelt sich nicht umsonst zu "I should be so lucky" die Schatten der Vergangenheit vom Leib. Sieht man jedoch die australische Sängerin in dem auf Super 8 getrimmten Backstagefilm ungeschminkt und nicht aufgedonnert, so gefällt sie einem fast noch mehr. Aber der Weg zur unsterblichen Kunstfigur ist wohl irreversibel.
(kh)
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