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(Anti)Kriegsfilm
War Inc. - Sie bestellen Krieg: Wir liefern!
geschrieben von klaus_h am 24. Jun 2009
Terror & Tod in Turakistan
John Cusack ("Identität") ist mit Sicherheit einer der intelligentesten aber auch unbequemsten Darsteller Hollywoods mit ausgeprägtem sozialen Gewissen. So meidet er seit Jahrzehnten ausgetretene Pfade des Erfolgs, um stets schräge Perlen gegen den "american mainstream" zu setzen. In diesem Film mögen manche ein verhülltes Sequel des Kulthits "Grosse Point Blank" sehen - dies trifft jedoch nur bei oberflächlicher Betrachtung zu. Denn War Inc. ist als Polit-Satire viel mehr als eine Thrillerkomödie.
War Inc. - Sie bestellen Krieg: Wir liefern!
USA - 2007
Veröffentlichung: 30.04.09
Regie: Joshua Seftel
Darsteller: John Cusack, Joan Cusack, Marisa Tomei, Ben Kingsley, Hilary Duff, Dan Aykroyd u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 92%
FSK: 16
Laufzeit: 103 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 2,35:1
Untertitel: Deutsch
Extras:
• Making of
• Bei den Dreharbeiten
• Interviews
• Bildergalerie
• Original-Trailer
Dabei sind die Parallelen in Grundbesetzung und Charakterzeichnung nicht von der Hand zu weisen: mit seiner Schwester Joan Cusack ("Friends with money", "The last Shot - Die letzte Klappe"), die ohnehin in den meisten seiner Filme mitspielt, und Dan Aykroyd ("50 erste Dates", "1941") trifft man gleich drei der Hauptakteure von "Grosse Point Black" wieder. Außerdem spielt John Cusack erneut einen arbeitsmüden, zynischen Profikiller in ähnlicher Aufmachung, dessen Betätigungsfeld sich jedoch auf einem ganz anderen Niveau abspielt.
Denn der Energieminister von Turakistan namens Omar Sharif hat aus der Sicht der Amerikaner tatsächlich die Dreistigkeit besessen eine eigene Pipeline ohne Abstimmung mit dem allmächtigen US-Konzern Tamerlane zu bauen. Folglich entsendet der ohnehin verdächtige Vizepräsident (Dan Aykroyd) den Auftragskiller Hauser über die dubiose Agentur des "Vizekönigs", um Sharif zu töten.
Unter dem Denkmantel als Organisator der Hochzeit des Mediensternchens Yoncia Babyyeah (Hilary Duff, "Lizzie McGuire" als "Britney Spears der Orients") soll Hauser das Attentat mithilfe der schrillen Moneypennyparodie (Joan Cusack) vorbereiten. Aber der ohnehin zynische Hauser empfindet bald den Auftragsgeber deutlich amoralischer und das stoisch-komische Opfer weitaus sympathischer. Aber warum wird dem eigentlichen Womanizer speiübel, wenn sich ihm die verführerische Yonica in eindeutigen Absichten nähert? Und zu allem Übel macht ihm auch noch die liberale, aber ungemein ansprechende Journalistin (Marisa Tomei: "Born to be Wild", "Die Wutprobe") sowie seine eigene Vergangenheit mit dem Übervaterboss (Ben Kingsley, "Genie & Schnauze", "Species") zu schaffen. Denn dieser hatte einst womöglich seine Frau ermorden und seine Tochter entführen lassen...
Auch wenn die Story reichlich schräg daher kommt: War Inc. erinnert sowohl an "Wag the dog" als auch an Monty Python oder die Zuckerfilme. Denn böser kann man manche Gags kaum auf die Spitze treiben. So wird es selbst dem hartgesottenen Hauser schlecht, wenn Tamerlane ein Fernsehballet unterschenkelamputierter Orientmädchen auf die "Beine stellt", deren Prothesen er "selbstverständlich" ebenso selbst produziert hat wie die Landminen, die die Opfer verstümmelten. Harmloser, aber dennoch bezeichend ist der an Multivisionskino a la Phantasia- oder Disneyland gemahnende "Frontsimulator", zu dem dann alle Journalisten brav wie die Lemminge traben, um im virtuellen Kugelhagel getroffen hysterisch herumzuschreien.
Für Hauser und die Journalistin ist es jedoch eher langweilig wie Kino; popcornfutternd versuchen sie hier im Gespräch die Annäherung, die doch jedem klar sein dürfte, während die "gestörten" Kollegen wie im Kino um Ruhe bitten. Ein Fastfood-Restaurant wird zur konspirativen Zelle, überall prangen Werbeplakate mit US-amerikanischen Produkten und Werten: selbst an den Panzern sind sie zu finden. Besser kann man es kaum charakterisieren. Und wer es selbst dann noch nicht verstanden hat, wird in den Dialogen Cusack-Tomei noch einmal deutlich darauf hingewiesen.
Doch auch Al Kaida und Al Jazzirah bekommen ihr Fett weg, wenn sich die radikalen Entführer als Videoavantgardisten tarnen, um vor der Hinrichtung dann aber über die technischen Feinheiten der Kameraeinstellung zu debattieren. War Inc. ist dabei überraschend aufwändig gedreht (siehe Bildformat 2,35:1) worden, viele Anspielungen/Zitate auf "Crosse Point Black" (man vergleiche nur Hausers Blutsfaden im Mundwinkel und die entsprechende Action), diverse Vietnam- ("Full Metall Jacket", "Acocalypse Now", "Platoon") und Golfkriegsfilme etc. erheitern den Cineasten.
Und wenn man am Ende gar an ein Happy End nebst Familienzusammenführung a la Karl May glauben möchte, hat das Drehbuch doch noch eine böse Wendung für einen parat. Bild- und tontechnisch auf der Höhe der Zeit, angereichert mit einem hübschen Soundtrack (Joe Strummer & The Mescaleros, At the Gates und David Bowie) spielen alle Stars munter ihren Part. Erst im direkten Vergleich mit "Crosse Point Black", den ich mir noch einmal im Anschluss anschaute, fiel auf wie sehr Cusack doch in die Breite gegangen ist. Tja, wir werden alle nicht jünger, aber manche werde besser oder halten ihr Niveau. So wie die gesamte Darstellercrew. Und dann lohnt sich ja die DVD, gell!?
(kh)
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