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Drama
Winged Creatures
geschrieben von klaus_h am 30. Jun 2009
Getriebene Seelen
Fünf Menschen werden in einem Diner eines Vororts L.A.s Opfer, Augenzeugen, Überlebende eines Amoklaufes. Wie werden sie selbst und ihre Angehörigen damit fertig? "Alles verändert sich", lautet die Binsenweisheit wie nach jedem Schicksalsschlag. Aber sollte dies tatsächlich alles sein? Was ist wirklich passiert?
Winged Creatures
USA - 2008
Veröffentlichung: 18.06.09
Regie: Rowan Woods
Darsteller: Forest Whitaker, Dakota Fanning, Kate Beckinsale, Guy Pearce, Jeanne Tripplehorn, Jennifer Hudson, Josh Hutcherson, Robin Weigert, Embeth Davidtz, Jackie Earle Haley, Troy Garrity, Beth Grant
u.a.
"Nochmal"-Faktor: nicht existent
Unsere Wertung: 30 %
FSK: 16
Laufzeit: 92 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 5.1 / DTS / Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 1,78:1
Untertitel: Deutsch
Extras: die üblich verzichtbaren Filmographien - liebe Vertriebe: so etwas macht die IMDB besser!
Als Rezensent derartig um "Kunstwerk" bemühte Filme, die von manchen verblendeten oder faulen Kritikern einfach "nachgelobt" werden, hat man zwei Möglichkeiten: 1. Das Recht auf eine freie Meinung wahrnehmen und höflich den ganzen aufgebauschten US-Pseudokultursermon widerlegen, oder 2. Sich nach vergeudeten 92 min des eigenen Lebens noch mehr überflüssige Arbeit ersparen und auch den Leser miteinbeziehen. Heute entscheide ich mich für Letzteres!
"Winged Creatures" ist nicht der erste und vor allen Dingen nicht der Herausragendste einer Reihe von Filmen, die sich mit o.e. Problematik auseinandersetzen, sprich dem Verarbeiten von vergleichbaren Schicksalsschlägen. Von etwas anderer Thematik, aber in seiner Verschachtelung durchaus ähnlich angelegt, wusste "Home of the Brave" zu überzeugen, ebenso wie "A History of Violence", "Amok - He was a quiet man" und vor allen Dingen "The Chumscrubber".
Gerade letzterer eignet sich hervorragend zum Vergleich, da er eine ähnliche Starriege aufmarschieren lässt, aber sich wohltuhend auf ein Schicksal beschränkt. Hier werden uns vorwiegend blasse und unglaubliche Gestalten vorgesetzt, die in mehrheitlich gestelzten Dialogen aneinander vorbei reden und letztlich nur auf einen Schlussclou, der zudem auch noch flach ausfällt, abzielen. Der getötete Vater Annes (Dakota Fanning: "Krieg der Welten", "Man on Fire") war - wie zu erwarten - im Angesicht des Todes kein Held, sondern hat sich nassgemacht.
Die im Film verschachtelte B-Story um den spielsüchtigen Fahrlehrer (Forest Whitaker: "A little Trip to Heaven", "Species"), der nun ähnlich wie Jeff Bridges in "Fearless - Jenseits der Angst" (R: Peter Weir, 1993), meint über das Schicksal erhaben zu sein, krankt an ihren unglaublichen Wendungen (Krebserkrankung, völlig aus dem Ruder laufende Kredithaie, tatsächliches Heldentum und letztlicher Gewinnspielerfolg) und an dem inzwischen zur Maniertheit degenerierten Spiel Whitakers, der am liebsten ständig wie das Leiden Jesu aufspielt.
Darin wird er nur noch übertroffen vom wieder einmal einseitig kalten Spiel des jugendlichen Schauspielzombies Fannings, das zwar tendenziell zu ihrer Rolle der von Gott erleuchteten Fanatikerin passt, die ihre ganze Umgebung und dem Zuschauer mit ihrem Gefasel von "Vergebung & Gnade" enerviert, aber letztlich nicht fesselt. Kate Beckinsale ("Underworld", "Klick", "Nichts als die Wahrheit") als white trash Kellnerin Carla, die ihr Kleinkind aus Gedankenlosigkeit und Lebensdurst heraus vernachlässigt, mit miserabel blondgefärbten Haaren ist grandios fehlbesetzt, aber sie spielt tapfer gegen ihr typecast an.
Dr. Bruce Laraby (Guy Pearce: "Tödliche Magie", "Tödliches Kommando"), der Arzt, der daran krankt, dass er dem Amokläufer noch beim Verlassen des Diners die Tür aufgehalten habe, woraufhin sich dieser noch höflich bei ihm bedankte, ist auch so eine Nebenfigur, auf die man bei aller Klasse des Schauspielers hätte verzichten können. Aus welchen Motiven heraus er seine ständig an Migräne kränkelnde Hypochonderfrau (Embeth Davidtz, "Eine Sommernachtsliebe", "Shackleton") heimlich unter gefährliche Medikamente setzt, bleibt ebenso wie die Motive des Täters im Dunkel und ist für den Film letztlich bedeutungslos. Macht er das nur, um letztlich wenigsten ihr Leben retten zu können, nachdem er bei einem Opfer im Krankenhaus versagte?
Denn am Ende wird uns allen als super-duper Problemlösungsmittel verkündet, dass das einzige Lösung für derartige Probleme die psychologische Betreuung durch Fachleute sei. Wenn dann mehr als unbeholfen und stereotyp ein blasser Krankenhausseelenklempner (Troy Garity: "Soldier's Girl") im Film zum wiederholten Mal "Wie fühlen sie sich..." fragt, möchte man dem Leiter des dortigen Fachverbandes, der die Aussage in diesem genial misslungenem Film versenkt hat, ein gepflegtes "FUC*URself" ins Gesicht schmettern...
So..., ist nun doch wieder zu lang geworden - aber jede Ungereimtheit der zerfahrenen und langatmigen Handlung wie auch der plakativen Gewalt aufzuzeigen, hätte sogar noch mehr an Raum gebraucht. Als einzig echte Menschen überzeugen im Film lediglich Jeanne Tripplehorn ("Basic Instinct", "Mickey Blue Eyes", "Waterworld", "Very Bad Things") und Robin Weigert ("Deadwood", "The Good German", "Life - Season 2.1") als Mutterfiguren sowie Jennifer Hudson ("Dreamgirls") als Chalies Tochter, da man ihre Fassungslosigkeit angesichts des merkwürdigen Verhaltens ihrer Angehörigen nur allzu gut nachvollziehen kann. Auch die sehr versierte Kameraführung von Eric Edwards ("Cop Land", "Kids", "My Own Private Idaho") ist wie die exzellente Bildschärfe ein Pluspunkt des im Übrigen zum Thema verzichtbaren Films. Und nun noch etwas zur Klarstellung: psychologische Betreuung kann helfen, muss es aber nicht... Und vor allen Dingen nicht mit Psychopharmaka!
(kh)