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Action
Summertime Killer
geschrieben von klaus_h am 09. Jul 2009
Karl Malden als korrupter Polizist?
Kann man sich Karl Malden ("Die Straßen von San Francisco") als korrupten Polizisten vorstellen, der im Auftrag der US-Mafia in Europa einen Attentäter jagt, der es auf die Paten abgesehen hat? Wohl eher nicht! Für ihn selbst wird es wohl weniger die Flucht aus dem typecast-Kreislauf gewesen sein, sondern mehr die Freude am "richtigen Film". Aber eine wahrhaft barocke Filmperle der 70er Jahre ist dieser B-Actionthriller allemal. Schon seine Besetzungsliste klingt interessant: Christopher Mitchum, Olivia Hussey, Claudine Auger, Raf Vallone und Gérad Barray.
Darsteller: Christopher Mitchum, Karl Malden, Olivia Hussey, Claudine Auger, Raf Vallone, Gérard Barray u.a.
"Nochmal"-Faktor: nur für Karl Malden-Fans und Quentin Tarantino, gute Action, schwacher Plot, noch schwächere Regie
Unsere Wertung: 42%, insb. aufgrund des bild- u. tontechnischen Zustands
FSK: 16
Laufzeit: 95 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 1.0
Bildformat: 4:3, 1,85:1
Untertitel: Deutsch
Extras:
• Deleted Scene, die sich im Nachhinein als missglückter Vorspann entpuppt
Bereits die 70er Jahre sind voll von schrägen Abschreibungsobjekten der Filmindustrie, die namhafte Darsteller, die mal gerade eine mehr oder minder lange Pause zwischen zwei Projekten hatten, mit den Namen der jeweils anderen Schauspieler oder exotischen Drehorten und weniger den Regisseuren oder Drehbüchern in ihre Besetzung "lockten". Allein der Hauptdarsteller Christopher Mitchum, der Sohn des großen Robert Mitchum, der in der Filmgeschichte als eines der besten Beispiele dafür gilt, dass ein Kind eines Darstellers selbst bei extremer Ähnlichkeit ohne jedes herausragende Talent auch bei einer gewissen Förderung unweigerlich untergeht, macht misstrauisch.
Außer einer passablen Leistung in einem Spätwestern John Waynes ("Big Jake") hatte der jüngere Mitchum kaum etwas Nennenswertes in seiner immerhin 57. Titel umfassenden Filmographie aufzuweisen, denn im Gegensatz zu seinem stoischen Vater ging ihm neben dem Talent wohl die notwendige "Härte" für's Business ab. Doch wie sieht es hier mit der Story und Schauspielleistung aus? Ray Castor (Christopher Mitchum) hat als 6-Jähriger mitansehen müssen, wie vier führende Mitglieder der Mafia seinen Vater in einem öffentlichen Schwimmbad ertränkten. Der Mord wurde dennoch nie aufgeklärt, geschweige denn gesühnt.
Rund 20 Jahre später ist für ihn an der Zeit, auf den Rachefeldzug zu gehen. Nachdem er in den Staaten vom Motorrad aus oder mitten in der U-Bahn seine Opfer regelrecht durch zwei Schüsse hingerichtet hat, muss er für die beiden nächsten Zielobjekte wieder zurück in seine inzwischen europäische Heimat nach Rom, Lissabon und Madrid reisen. Währenddessen schickt die aufgeschreckte Mafia ihm einen auf der Gehaltsliste stehenden korrupten Captain der New Yorker Hafenpolizei, John Kiley (Karl Malden) hinterher, der ursprünglich den gerissensten der einstigen Killer, Lazaro Alfredi (Raf Vallone: "Der Pate", "Omar Mukhtar - Löwe der Wüste") als Auftraggeber vermutet. Alfredi führt nach außen hin das Leben eines reichen Weinbauern und Großhändlers in Portugal.
Castor gelingt es zwar noch sein nächstes Ziel in Rom auszuschalten, aber die Sicherheitsmaßnahmen des vorsichtigen Alfredi verleiten ihn zu einem Fehler, bei dem er Lazaro nur anschießt und bei der anschließenden halsbrecherischen Flucht mit der Motocrossmaschine dessen reitenden Leibwächtern nur knapp entkommt. Doch indem er sich Alfredis Sekretärin Michèle (Claudine Auger) heranmacht, erfährt er von dessen unehelicher Tochter Tania, die er daraufhin entführt, um den Paten aus der Deckung zu locken.
Kiley hingegen folgt ihm mit altmodischer Polizeiarbeit und simplen Kombinationstalent stetig - und bei Tania macht sich allmählich das Stockholm-Syndrom (Entführte verliebt sich in den Entführer) breit, womit sogar etwas für den Romantikteil dieses Films gemacht würde... Aber letztendlich scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Kiley Castor einholt?
Vergleicht man den Film mit den üblichen Rachevehikeln jener Filmära ("Ein Mann sieht rot"), so ist die Entwicklung der Handlung vom recht dynamischen und brutalem Anfang bis hin zu der etwas zu betuhlichen Entwicklung des Kiley- und des Entführungsplots gar nicht so unintelligent. Woran es hapert, ist auf jeden Fall ein inspirierter Regisseur und ein talentierter Hauptdarsteller.
Mitchum sollte wohl damals zum hübschen, schweigsamen Actionhelden aufgebaut werden - ein Rollenklischee, das ein paar Jahre später vom noch hübscheren Jean-Michel Vincent erfolgreich lückenlos eingenommen wurde. Warum Christopher Mitchum in erster Linie zu schweigen hatte, erfährt man, wenn man bei seinen Dialogen in den Originalton umschaltet: ein quäkiges, atonales Herumnöhlen, das wohl auch die amerikanischen Ohren nicht mochten. Seine Stärke war hingegen die physische Präsenz auf Motorrädern. In vielen Actionszenen hat man den Eindruck, dass er sich nicht hat doublen lassen.
Und jene drei längeren Actionszenen, allesamt Verfolgungsjagden (Porsche 911 gegen Motocrossmaschine, Pferde gegen Crossmaschine, sowie Duell zwischen den Killern und ihm neben der Stierkampfarena sowie der Autobahnbaustelle von Madrid) sind von recht guter Qualität. Ähnliches auf diesem Niveau hat man erst im James-Bond-Film "For your eyes only" zehn Jahre später sehen dürfen. Genau aus diesem Grund sollten echte Cineasten sich diesen Film zumindest einmal ausleihen.
Kommen wir nun zur einleitenden Frage, ob man sich Karl Malden hier in der Tat als korrupten Polizisten vorstellen kann? Meine Antwort lautet, dass er es einem sehr schwer macht. Denn er wirkt in der nahezu identischen Aufmachung wie sein alter ego "Mike Stone", mit denselben Gesten und Mimik, wie ein Abziehbild - als hätte man ihn einfach von San Franciso nach New York verpflanzt und ihm gesagt, er solle jetzt bitte einfach mal einen miesen Bullen spielen, ohne an seiner Darstellung etwas zu ändern. Egal - das Kunststück eines korrupten Beamten besteht doch darin, dass er nicht auffällt. So gesehen hat Malden, der in seiner Karriere etliche Böswichte spielte, seine Rolle sogar übererfüllt. Nur leider nimmt man ihm am Filmende, das zumindest für Ray & Tania zu süß endet, die Wandlung vom Saulus zum Paulus wie auch seine eigentlichen Motive nicht mehr ab.
Denn all die unlogischen Wendungen und deutlichen Anschlussfehler des Films (z.B. plötzlich verschwindende Motocrossanhänger!) sind eine weitere Schwäche neben den allzu vielen Figuren, die letztlich blass bleiben. Die wie immer entzückende Olivia Hussey ("Romeo und Julia", "Tod auf dem Nil") ist eine Augenweide - als Figur jedoch unglaubhaft, Raf Vallane entspricht seinem gängigen Klischee und Claudine Auger (Die "Domino" aus "James Bond 007 - Feuerball") wirkt mit ihren abrasierten Augenbrauen wie eine Modeikone der Gülcanfans. Gérad Barrays ("Die drei Musketiere") Mini-Cameo hat sogar für die Handlung keine besondere Bedeutung.
Dass der Film aus Kostengründen überwiegend in Barcelona und Umgebung gedreht worden ist, hat einen gewissen Witz, zumal er ja auch in der von den Katalanen ungeliebten Hauptstadt Madrid spielen soll. Fatal erweist jedoch der technische Zustand des Ausgangsmaterials. Derart viel Filmschmutz, Laufschrammen, Fehlbilder, Farbschwankungen, Bearbeitungsartefakte ("Schwimmendes Holzfurnier"), Unschärfen und Synchrolöcher etc. habe ich seit dem noch schlimmeren "Hey Ram" (hier ist zumindest der Ton besser) nicht mehr auf einer DVD gesehen.
Eigentlich sollte man sich dann derartige Veröffentlichungen verkneifen. Aber vielleicht gab es kein besseres Material mehr für eine Neuabtastung der "Cinema Classic Edition"? Egal - bedingt durch den Tod Karl Maldens wird auch diese DVD jetzt einen Absatzmarkt finden. Wobei ich mich dabei ertappte, ständig nach Michael Douglas Ausschau zu halten, sobald "Mike Stone" auf der Bildfläche erschien. So sehr können Serien prägen! Da beide Rollentypisierungen im selben Jahr herauskamen, muss man sich fragen, welchen Dreh er zuerst absolvierte...
Aber die eigentliche Qualität des Films (die IMDB kennt ihn im Index nur unter dem Titel "Un verano para matar") liegt wie bereits erwähnt im Actionbereich mit den tollen Stunts der Mannschaft um Altmeister Remy Julian und in dem typischen 70er Soundtrack (Luis Enríquez Bacalov: "Django", Oscar für "Der Postmann"). (kh)