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Komödie
Californication - 1. Season
geschrieben von klaus_h am 10. Sep 2009
Sexbesessener Autor liebt Exfrau
David Duchovny ("Akte X", "Voll Frontal") darf endlich die Rolle spielen, die ihm als "sexiest man in tv-series" gebührt. Als Hank Moody, zynischer Erfolgsschriftsteller mit Schreiblockade, der aufgrund seiner nie überwundenen Trennung von Traumfrau (Natascha McElhone, "Ronin", "Solaris") und Tochter in einem, Zitat: "Meer voller unnützer Muschis ertrinkt", und ausgerechnet durch eine unfreiwillige Affäre mit einer Minderjährigen zu sich selbst zurückgeworfen wird, hat er den US-Serienalltag auf den Kopf gestellt. Denn sowohl optisch als auch verbal übertrifft "Californication" alles im TV-Serienalltag, wie "Sex and the City", "Nip/Tuck" oder "Weeds", was sexuelle Freizügigkeit und politische Unkorrektheit angeht.
Californication Die 1. Season
USA - 2007
Veröffentlichung: 10.09.09
Regie: Stephen Hopkins, Scott Winant, Michael Lembeck, Bart Freundlich, Ken Whittingham, Tucker Gates, Scott Z. Burns, John Dahl, David Von Ancken
Darsteller: David Duchovny, Natascha McElhone, Madeleine Zima, Madeleine Martin, Damian Young, Evan Handler, Amy Price-Francis, Rachel Miner, Pamela Adlon, Mark Margolis, Judy Greer, Paula Marshall u.a.
"Nochmal"-Faktor: sehr hoch
Unsere Wertung: 96%
FSK: 18
Laufzeit: 328 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 2.0 / Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 1.78 : 1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras:
• Interviews mit der Besetzung & dem Drehbuchautor
Was bei der Vielzahl seiner One night stands schnell peinlich werden könnte, wird jedoch aufgrund der Güte des intelligenten Drehbuchs (Tom Kapinos, "Dawson's Creek") und der Darsteller in positive Energie umgesetzt. Moody ist eigentlich ein netter Kerl mit Tiefgang, der seinen verletzlichen Kern allzu gern mit Zynismus übertüncht. Als ungekrönter Meister des Fettnapfs teilt er nicht nur aus, sondern steckt auch ordentlich ein. In seiner Kompensationsorgie trifft er häufig auf sein weibliches Gegenstück, dem er aufrichtig helfen möchte.
Dabei sind seine filmisch originell eingefangenen sexuellen Phantasien ebenso politisch unkorrekt wie die S/M-Realitäten seines verklemmten Agenten Charlie Runkle (Evan Handler, "Sex and the City") mit der nymphomanisch veranlagten Gothic-Assistentin Dani (Rachel Miner, "Springfield Story"). Dass dieser von seinem Freund ertappt erst einmal einen fast lebensbedrohlichem Asthmaanfall erleidet, passt zur Komik der Serie. Doch zurück zum Anfang: In der Pilotfolge lernt Moody eine junge attraktive Frau in einer Buchhandlung kennen, die offenbar seinen Stil liebt. STOP - ich meinte "literarischen Stil".
Als sie dann noch bekennt, dass sie die hoffnungslos verkitschte Verfilmung ebenso hasst wie er, hat er noch mehr Interesse an ihr und folglich landen beide in der Horizontalen. Doch dabei entpuppt sich seine junge Gespielin Mia als recht dominate Verfechterin des "Fight Club" und ballert ihm kurz vor dem Höhepunkt einen trockenen Haken ins Gesicht. Am nächsten Morgen ist Moody nicht nur um ein buntes Feilchen sondern auch um eine schockierende Erkenntnis reicher: seine Affäre entpuppt sich als blitzgescheite und mit allen Wassern gewaschene 16-jährige Tochter (Madeleine Zima, "Die Nanny") des zukünftigen Ehemanns seiner Traumfrau Karen!
Als ob dies nicht schon peinlich und gefährlich genug wäre, verschafft ihm sein Agent und Freund Charlie (Evan Handler) einen Job als Blogautor für eine Szenemagazin aus L.A. Dort soll der arbeitsfaule Neurotiker das tun, was er eigentlich recht gut beherrscht, zynische Lebenswahrheiten und Alltagsanalysen verbreiten - nur verabscheut Hank die Blogszene aus tiefstem Herzen als Subkultur. Doch von irgendwas muss er schließlich leben, da die Tantiemen nicht ewig reichen werden, und somit wieder die Achtung Karens erringen.
Doch Mia öffnet ihm fröhlich lachend die Augen: Blog und Zeitung gehören ausgerechnet dem Mann, den Hank im Moment am meisten hasst, ihrem Vater Bill (Damian Young)! Angesichts dieser Konstellation liegt viel Material bereit für vielfältige Verwicklungen, peinlich-skurrile Szenen und sarkastischem Humor der Extraklasse.
Vergoldet wird dies neben den allesamt hervorragenden Schauspielern durch einen kaum zu erwartenden Tiefgang selbst in den groteskesten Momenten, wenn z.B. Hank seiner 12-jährigen Gothic-Tochter Becca (Madeleine Martin) auf dem Weg zu Karens Hochzeit im Drugstore Tampons kaufen muss, da es ihre erste Regel ist, und sich dann fast mit dem Redneck-Partner jener Frau prügeln darf, die die letzten Tampons gerade erstanden hat. Wie alle Beteiligten dann noch die Kurve bekommen und die Frau Becca verständnisvoll hilft, ist geschickt gelöst worden.
Neben der guten Bild- und Tonqualität muss man die pointierte Synchronisation loben, die den Humor adäquat hinübertransportieren konnte. Überhaupt merkt man im direkten Vergleich, dass Duchovnys deutsche Stimme wesentlich mehr schauspielerhafte Artikulation und Charme besitzt als das Original. Englische Untertitel sind überraschenderweise ebenfalls vorhanden, was heute nicht mehr alltäglich ist. Die Extras sind mit den üblichen Interviews zwar nicht üppig, aber schon 100% mehr als bei den meisten ersten Staffeln einer x-beliebigen Serie.
Fazit:
Unbedingt zugreifen, FSK 18 ist bei der Serie zwar angebracht, erhöht aber den intelektuellen Reiz ungemein. Außerdem hat diese erste Staffel dieser nicht von ungefähr an "Dream on" oder "Unsere besten Jahre" erinnernde Serie ein derart geschicktes Ende, mit dem man sie trotz aller Offenheit auch versöhnlich abschließen könnte - ein unbestreitbarer Vorteil bei dem Opportunismus der US-PayTV-Sender (vgl. "Deadwood", "Jericho") die erfolgreiche Serien aus Kostengründen trotz des Protests ihrer Abonnenten allzu häufig vorzeitig einstellen. Doch bei Californication hat es zumindest bis jetzt für drei Staffeln gereicht. (kh)
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