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Thriller
State of play - Mord auf Seite eins
geschrieben von klaus_h am 22. Sep 2009
Newsthriller
Britische TV-Serienthriller haben bei uns zu recht einen guten Ruf. Gute Drehbücher, versierte Regisseure und Darsteller, denen Zeit zur Entwicklung gegeben wird, erwecken immer das Interesse der Zuschauer. "State of play" mit John Simm ("Life on Mars", "Mad Dogs"), Bill Nighy ("Fluch der Karibik"), Kelly MacDonald ("No Country for Old Men") und James MacAvoy ("Abbitte") war seinerzeit so erfolgreich, dass nun das unvermeidliche US-Remake mit Russell Crowe und Ben Affleck abgedreht wurde.
State of play - Mord auf Seite eins
UK - 2003
Veröffentlichung: 28.08.09
Regie: David Yates
Darsteller: John Simm, David Morrissey, Kelly Macdonald, Bill Nighy, James McAvoy, Polly Walker, Philip Glenister u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 90%
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 300 min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9, 1,78:1
Untertitel: Fehlanzeige
Extras: Fehlanzeige
Einen Vorteil haben zumindest derart überflüssige Remakes schon - das Original wird endlich auf DVD gepresst, sodass man sich in ein paar Monaten an einem Vergleich erfreuen darf, bei dem die "Fälschung" es schwer haben dürfte auch nur ansatzweise zu bestehen! Vor allen Dingen wird sie den Nachteil aufweisen, in weniger als der Hälfte der Zeit jener Vielzahl an Figuren ein Gesicht zu geben, geschweige denn die Komplexität der Handlung nachvollziehbar zu gestalten. Doch nun zur Handlung:
In London ereignen sich zwei Todesfälle, zwischen denen es keine Verbindung zu geben scheint. Sonia Baker, Assistentin des aufstrebenden Abgeordneten und Vorsitzenden der Energiekommission Stephen Cullins (David Morrisey, "Basic Instinct 2") wird tot auf den Gleisen der U-Bahn aufgefunden. Fast gleichzeitig erschießt ein Killer einen jungen Farbigen und verletzt einen zufällig vorbeifahrenden Motoradkurier als lästigen Zeugen schwer.
Presse und Politik sind gleichermaßen aufgeschreckt. War es ein Unfall oder Selbstmord? Ging es bei dem zweiten Fall um einen Drogenkrieg? Brisanz erhält die Geschichte dadurch, dass Cullins als zukünftiger Kandidat für das Kabinett gehandelt wurde und er als Familienvater mit Kindern integer dastehen sollte. Doch bei der Pressekonferenz patzt er, zeigt öffentlich Gefühle, sodass jeder ahnt - Baker war seine Geliebte.
Daraufhin bittet er seinen Freund und ehemaligen Wahlkampfleiter Cal McCaffey (John Simm, "Life on Mars", "Doctor Who"), nun Redakteur beim "Herald", um Rat und Hilfe. Dieser verspricht im Rahmen seiner Berichterstattung neben der Polizei zu ermitteln. Collins gibt das Verhältnis und seine zerrüttete Ehe zu, bestreitet aber die Dauerhaftigkeit seiner Affäre. Bei seinen Nachforschung stößt Cal jedoch auf Widersprüche und unerwartete Wendungen.
Denn der ermordete junge Farbige war mitnichten ein Drogendealer sondern ein Taschendieb, der einen Koffer eben jenes Killers erbeutet hatte, indem ein Dossier Sonia Bakers und eine Waffe zu finden war. Offenkundig hatte er just vor dem Tod Bakers diese zu warnen versucht und musste daher sterben. Warum musste Sonia Baker also sterben? Und vor allen Dingen: Welches Interesse hat der britische Geheimdienst oder die Lobby der Erdölindustrie daran die Ermittlungen der Polizei und die Nachforschungen der Journalisten zu behindern?
Bis in die kleinste Nebenrolle gut besetzt, gefielen mir neben den beiden Hauptdarstellern insbesondere Bill Nighy ("Per Anhalter durch die Galaxis") als sarkastischer Bürochef, Polly Walker ("Rom", "Sliver") als verschmähte Ehefrau mit Charakter, Kelly Macdonald ("Alle Kinder dieser Welt", "In the Electric Mist", "Merry Gentleman") als leicht verhuschte Journalistin mit Gewissen, Philip Glenister wieder einmal als sauertöpfischer Polizist ("Life on Mars") sowie MacAvoy als umtriebiger Klatschjournalist mit Spürhundqualitäten.
Das Bild ist hinreichend scharf, allerdings sehr grobkörnig bei dunklen Szenen, der Kontrast ausgewogen, die Kameraführung gut und der Ton weitgehend passabel. In der 2. Folge des Mehrteilers gibt es jedoch ein Tonloch von 2 Sekunden bei 30'25''. Dies fällt jedoch nicht besonders ins Gewicht, da es sich bei der fraglichen Szene in erster Linie um vielsagendes Schweigen mit schicksalschwerem Seufzen handelt.
Fazit:
Insgesamt also eine spannende und intelligente Miniserie, bei der man es kaum erwarten kann die nächste Episode zu sehen. Nebenbei lernt man einiges Postives und Negatives über den englischen Polit- und Pressealltag, was man bei den ausgelutschten US-amerikanischen Verschwörungsthrillern mit ihrer chronischen Schwarz-Weiß-Malerei nicht gerade sagen kann. Eine DVD-Box, die man ruhig in die Sammlung aufnehmen sollte. Fehlende Untertitel und Extras lassen einen jedoch wieder zweifeln. Etwas mehr hätte es schon sein können. (kh)