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Dokumentation
Tagebuch der Elefanten
geschrieben von klaus_h am 03. Nov 2009
Elefanten-Waisenhaus
Wenn Schwarzafrikaner in grauen Kitteln kleinen Elefanten hinterherlaufen, vertreibt keine Horde wildgewordener Hausmeister die Rüsselträger von ihrem Grundstück. Es sind in Wahrheit jene vom David Sheldrick Wildlife Trust angestellte "Wildhüter", die bei Nairobi und im Tsavotal zwei Herden verwaister Elfantenjungtiere betreuen und aufziehen. Die BBC schickte mehrmals ein zweiköpfiges Moderatorenteam (Jonathan Scott, "Die Erde von Oben - Teil 1: Artenvielfalt - Erde und Resourcen"; Michaela Strachan) nach Kenia, deren Ergebnis nach der mehrmaligen Ausstrahlung im TV nun auch erstmals synchronisiert mit beiden Teilen auf DVD vorliegt.
Tagebuch der Elefanten
UK - 2004/2005
Veröffentlichung: 22.10.09
Regie: Jonathan Scott
Darsteller: viele kleine Elefanten
"Nochmal"-Faktor: niedrig bis mäßig
Unsere Wertung: 45 %
FSK: frei
Laufzeit: 304 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch - Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9, 1,85:1
Untertitel: Fehlanzeige
Extras: Wendecover
Da David Sheldrick bereits 1977 verstorben ist, führt seine Witwe Daphne Sheldrick (MBE) seit Jahrzehnten diese beiden Waisenhäuser mit Erfolg. Schließlich war sie die erste, der es erfolgreich gelang derartige Waisen wieder auszuwildern. Doch über ihre Arbeit, zu der es etliche Dokumentationen gibt, geht diese TV-Produktion nicht. Hier wird versucht einzelnen Tierschicksalen nachzuspüren; der Zuschauer soll sich mit ihnen identifizieren.
Dass dabei - wie auch bei der eigentlichen Arbeit des Waisenhauses - die artgerechte Darstellung mehr oder weniger dem "Ach, wie süß"-Faktor zum Opfer fällt, versteht sich von selbst. Leider gehen dann auch die beiden "Reporter" mit den Tieren viel zu sehr auf Tuchfühlung, vermitteln lieber das Gefühl, dass der Zuschauer staunend ergriffen an ihrer Stelle stehen würde, als etwas Tiefergehendes über das Leben der Tiere zu vermitteln.
Sicherlich sind es teilweise liebreizende oder ergreifende Bilder, wenn die schon fast erwachsene "Leitkuh" Emily gegenüber dem Reporter mit weitgeöffneten Ohren Drohgebärden annimmt, die man jedoch fatalerweise nicht erklärt, um dann doch wieder ins spielerische Kindchenschema abzugleiten, sich auf den Boden legt und ihn spielerisch mit dem Rüssel erkundet - in freier Wildnis würde kein Elefant so reagieren. Doch diese Unterschiede unterschlägt man bequemerweise.
Im Promotiontext wird es als "lustiges, lehrreiches und leidenschaftliches Filmerlebnis für die ganze Familie" beschrieben. Lustig? Sicherlich, wenn die kleinen Rabauken mit Fußbällen spielen oder des Nachts zum Schlafen wegen der Kälte mit Decken zugedeckt auf einer alten Matraze sich niederplumpsen lassen. Artgerecht? Hart an der Grenze. Leidenschaftlich? Im Sinne emotionaler Spendenbereitschaft sicherlich auch. Doch die Lehren sind leider begrenzt - zu oberflächlich schwebt die traditionelle Gutmenschen-Dokumentation an der Peripherie anstatt lieber die Ursachen anzuprangern: Überbevölkerung und Massenarmut der Bevölkerung in Afrika, sowie potenzgeile Lüstlinge in Asien und so genannte Kunstliebhaber von Elfenbein in aller Welt!
Fazit: Eine nette Dokumentationsunterhaltung für die lieben Kinderlein und 150%-Elefantenfans. Normal naturbegeisterte Erwachsene dürften nach der ersten von allzu oft im TV wiederholten Episoden geistig abschalten. Zudem enerviert allmählich das penetrant eingeblendete BBC-Exklusiv-Logo, das ich bei der Ausstrahlung im Fernsehen nachvollziehen kann, aber bei der DVD-Veröffentlichung überflüssig ist. Gut gefilmt, gut gemeint, aber nicht gut durchdacht...
(kh)
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