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Action
Ghetto Gangz 2 - Ultimatum
geschrieben von klaus_h am 12. Nov 2009
Tour de Parkour - Deux
"Es ist ein hochromantischer Moment, wenn bald die ganze Straße brennt", so besingen es die Wise Guys in ihrem Lied "Paris", aber so sieht es auch im Paris der Zukunft um 2016 aus. Die Banlieus (Ghetto-Vorstädte) sind hermetisch abgeschirmt wie einst in Carpenters "Die Klapperschlange", Gangs beherrschen die exekutivfreien Zonen und der Staat stellt sich eine geistige Bankrotterklärung aus. Der perfekte Hintergrund also für einen von Luc Besson ("Michel Vaillant", "Transporter - The Mission") produzierten sinnfreien Action-Kracher, der die Mode-Extremsportart Parkour zum zweiten Mal nach dem Erfolg "Ghetto Gangz" auf's Trapez bringt.
Ghetto Gangz 2 - Ultimatum
Frankreich - 2009
Veröffentlichung: 06.11.09
Regie: Patrick Alessandrin
Darsteller: Cyril Raffaelli, David Belle, Daniel Duval, Philippe Torreton, Elodie Yung u.a.
"Nochmal"-Faktor: mittel, Action top, Story flop
Unsere Wertung: 73%
FSK: 16
Laufzeit: 97 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Französisch Dolby Digital 5.1
Zunächst die gute Botschaft: Damien (Cyril Raffaelli) und Leïto (David Belle, "Babylon A.D.") sind wieder dabei und bürgen für Martial Arts (Raffaelli) und Parkour (Belle) auf hohem Niveau. Die Stuntchoreographie ist ausgefeilt bis originell. Nun die schlechte Message: Die Story ist äußerst dünn, aber leider mit einem realistischen Beigeschmack. Denn selbst in Berlin kontrollieren manche Gangs ganze Viertel und mit einem einzelnen Funkwagen bekommt man dort gar nichts mehr unter Kontrolle. Von Paris ganz zu schweigen.
Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, bei der Story: Böse Bullen von der Anti-Terror / Gang-Einheit DISS ("Dissen" bekommt da gleich einen anderen Stellenwert!) unter dem machiavelliartigen Oberschuft Walter Gasmann (Daniel Duval, "Caché"; Anmerkung: Bösewichte in französischen Filmen haben immer einen deutschen Namen!) faken einen doppelten Polizistenmord als Werk der Gangs, um den Ausnahmezustand voranzutreiben und den willfährigen Präsidenten dazu zu bewegen das Banlieu 13 (nette Anspielung auf "Das Ende - Assault on Precinct 13") per Luftbombardement in Schutt und Asche zu legen.
Ziel Gasmanns ist danach mit der US-Firma Haliburton (man erinnere sich Michael Moores Werk "Fahrenheit 9/11" etc.) dort blühenden Investorenviertel mit modernster Architektur hochzuziehen und mächtig abzukassieren. Den wankelmütigen Präsidenten (Philipp Torreton, "Sky Fighters") zischt er hochmütig zu, dass dort dann die reichen Leute wohnen würden, um ihn bei der nächsten Wahl zu wählen. Da der gute Bulle Damien dem Ganzen auf die Spur kommen würde, schiebt ihm Gassman Drogen unter und lässt ihn verhaften.
Damien lässt jedoch seinen alten Gangsterkumpel Leïto in das Justizgebäude einbrechen, um ihn herauszuholen. Die anschließende Massenschlägerei in den Korridoren des Justizpalastes mit Autofahrt durch die Korridore und Sprung auf die Fahrbahn ist ebenso schön anzusehen wie eine längere Verfolgungsjagd um Leïto durch die Elendsplattenbauten von Paris, die bezeichnenderweise komplett in den Außenbezirken von Belgrad gedreht wurden. Wie gut David Belle in Parkour ist, sieht man übrigens auch bei den umfangreichen Extras.
Nachdem die Helden vereint sind, machen sie sich daran mithilfe eines Handyvideos, dass den Schwindel enttarnt und einer geklauten Festplatte aus dem Ministerium alle Gangs zu vereinen. Gangs strike back - oder so ähnlich... Dies ist leider auch der Haken des gesamten Films. Die Gangs werden idealisiert und romantisiert als regulierende Kraft in Zeiten einer schwachen und korrupten Exekutive. Jugendliche, die ohnehin vom übrigen Flair des Films angezogen werden, könnten die falsche Botschaft daraus ziehen. Denn die Schattenseiten (Prostitution, Drogen- und Menschenhandel etc.) werden überhaupt nicht aufgezeigt. Elodie Yung ("Die Samurai der Moderne - Die dunkle Seite") als Triadenkönigin Tao ist jedoch ein echter Hingucker - einen Zopf mit Sichel am Ende als Waffe gab in der Filmgeschichte wohl noch nicht.
Fazit:
Wie so oft gehabt vereint Luc Bessons Produktion gut gefilmte und choreographierte Action mit einer dünnen und sicherlich zu hinterfragenden demokratieverachtenden Geschichte. Besser als "WAR" und "Transporter 3" ist der Film allemal, die Extras sind überdurchschnittlich umfangreich, aber eigentlich sollte man sich beim Zuschauen auf die Actionsequenzen beschränken. Die im Film verwendete französische RAP-Musik war mir persönlich zu wenig eigenständig - da gibt es bessere Beispiele, die nicht so stark "amerikanischen Vorbildern" hinterherhecheln.
Wissenwertes: Der französische Originaltitel ist authentischer: "Banlieue 13 - Ultimatum" oder gar nur "B13-U". Der Hauptdarsteller hat eine bewegte Vergangenheit als Stuntman und Stuntchoreograph in zahlreichen Filmen wie z.B. "The Incredible Hulk", "The Hitman", "Der Pakt der Wölfe" und dem bereits erwähnten "Michel Vaillant" sowie "Transporter - The Mission".
(kh)
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