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Thriller
The Limits of Control
geschrieben von maqz am 11. Dez 2009
Die Angst des Zuschauers vor der Langsamkeit
Es ist ein cineastisches Meisterwerk! Oder ist es einfach nur strunzlangweilig? Ein Film, der polarisiert! Der bedeutungsvoll nachklingende Name von Jim Jarmusch bürgt bei "The Limits of Control" auf jeden Fall für eine unabhängige Kinoproduktion, die mit Poesie, zelebrierter Langsamkeit und einem nicht eingelösten Versprechen für einen Thriller im Gepäck daher kommt. Ich persönlich fühlte mich (mangels besseren Wissens) an eine Mischung aus Guy Richies "Revolver" (ohne Knarren) und einem späten David Lynch ("Twin Peaks", "Inland Empire") erinnert.
The Limits of Control USA 2009
Veröffentlichung: 11.12.2009
Regie: Jim Jarmusch
mit: Isaach De Bankole, Tilda Swinton, Bill Murray, John Hurt, Gael García Berna u.a.
"Nochmal"-Faktor: Hoch für genügsame Arthouse-Fans
Unsere Wertung: 65%
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 116 (+ Bonus von ca. 67 Min.)
Sprachen und Tonformate: Deutsch und Englisch: Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9 (1.78:1) anamorph
Untertitel: Deutsch und Englsich für Hörgeschädigte
Extras: Behind Jim Jarmusch Part 1 und Part 2, Untitled Landscapes, Kinotrailer, Trailershow
Worum geht's eigentlich? Nun, der Film beginnt (immer mit "Das ist der NEUE Jarmusch" im Hinterkopf") mit einer Ankunft: Ein Mann (Isaach De Bankole, "Casino Royale") trifft am Flughafen in Madrid ein. Er trifft verschiedene Menschen quer durch Spanien (Madrid, Sevilla, Dörfer in Südspanien). Dabei laufen diese Treffen immer im gleichen Muster ab: In einem kleinen Café oder einem Zug werden zwei Espresso bestellt. Ein Gast kommt hinzu und fragt, ob der Mann Spanisch spricht. Dieser verneint und tauscht Streichholzschachteln aus. In der Schachtel findet der Mann ein Stückpapier mit einem Code. Schließlich, nachdem er es gelesen hat, isst der Mann das Papier.
Hinter den ganzen ritualisierten Meetings, die auch von rätselhaften Monologen der Streichholzschachtel-Träger begleitet werden, steht ein Auftrag, der im Laufe dieses spanischen Road-Trips immer unklarer wird, jedoch einen eindeutig illegalen Charakter hat. Diverse Auftritte nackter Frauen in durchsichtigen Regenmänteln, die mit schnellem Sex locken, bringen unseren "Helden" jedoch nicht von seinem Weg zu einer streng bewachten Villa ab. Hier will (oder wird?) er seinen Mordauftrag erfüllen...
Doch wie schon erwähnt lebt "The Limits of Control" nicht von reißerischen Autoverfolgungsjagdten oder blutigen Schießereien, sondern von gewaltigen Bildkonstruktionen, aus denen einem die Kunst nur so ins Gesicht springt. Vielsagend, aenigmatisch, und eher spröde, sowie blass (wenn auch sonnendurchflutet) in der Farbauswahl (dank verwendetem Fuji-, statt Kodak-Filmmaterial), könnte man den Film als Meisterwerk bezeichnen, wenn ... ja wenn da nicht die ewig langen zwei Stunden wären, die diese elegische Poesie der schönen Bilder, gepaart mit Zen-ähnlichen Dialogen zu einer unerträglichen Langeweile ausarten lässt, aus der einem auch nicht das regelmäßige Auftauchen bekannter Schauspielgrößen, wie William Hurt ("Der Doktor", "A History of Violence", "The Village"), Tilda Swinton ("Caravaggio", "Thumbsucker", "Michael Clayton") oder Bill Murray ("Lost in Translation") heraus reissen kann.
Tröstend sind die eingänglichen Klänge von (Jarmuschs ureigener Band) Bad Rabbit und u.a. der japanischen Experimentalband "Boris". Der große Lichtblick bei einer sonst eher zufriedenstellenden Bild- und Tonqualität. Die beiliegenden und ausführlichen Bonusmaterialien bieten genug Möglichkeiten seine eigenen Eindrücke mit den cineastischen Postulaten des Regisseurs abzugleichen. Diese bleiben (trotz über 50 Minutern Material) jedoch eher spärlich. Die Äußerungen der Filmbeteiligten im zweiteiligen "Behind Jim Jarmusch" enthalten sich Gott sei dank der sonst gewohnten Lobeshymnen auf Regisseur oder seiner Schauspielführung und geben interessante Einblicke in den eigentlichen Produktionsprozess. "Untitled Landscapes" wirkt eher wie ein vierminütiges Musikvideo mit spanischen Landschaftsaufnahmen. Die sonst beiliegenden Trailer bringen nur wenig Gewinn, es sei denn man ist auf der Suche nach anderen (anspruchsvollen) Filmen.
Insgesamt also benötigt "The Limits of Control" viel cineastischen Enthusiasmus und den Willen die bedeutungsvollen Bilder als Gewinn anzusehen. Wer einen Thriller á la Coole-Sau-killt-Bösen-Buben erwartet, der wird enttäuscht. Der Film wirkt wie ein Traum, oder wie ein Rätsel. Wer es nicht lösen kann, der wird sich trotz fantastischer Szenarien (Bilder vom genialen Kameramann Christopher Doyle) frustriert aus dem Sessel erheben. Doch unabhängig produzierte Filme (es ist Jim Jarmuschs elfter) sind rar gesät und oft eine Erweiterung des geistigen Horizonts. The Limits of Control weitet in diesem Falle ungemein!
Fazit
Sehenswerte Filmkunst für Anspruchsvolle Filmfans (mg)
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